Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“
Anshu Jain entdeckt seine Liebe für die Sparkassen

Die Kritik der Sparkassen an der Größe der Deutschen Bank prallt an deren Co-Chef ab. Anshu Jain lobt die Marktposition der Konkurrenz und hält strenge Regeln mitunter für gut. Andere schimpfen aber auf die Regulierung.
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FrankfurtAn seinem Handgelenk trägt Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain ein elektronisches Fitnessarmband. Es messe den Schlaf – von dem er natürlich zu wenig bekomme – und die Fitness. Die Daten würden auf das Smartphone gespielt, verrät Jain am Mittwoch auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Banken im Umbruch“.

Sein Telefon dürfte von einem Dauerlauf berichten. Denn der Kampf an mehreren Fronten macht der Deutschen Bank zu schaffen: strenge Kapitalregeln, zersplitterte Regulierung, Milliardenrückstellungen für Gerichtsverfahren und ein vergleichsweise geringer Gewinn.

Dennoch verteidigt der Investmentbanker an der Spitze der einzigen, wirklich globalen Großbank in Deutschland vehement das Modell der Universalbank. Denn in Zukunft gebe es eigentlich nur drei Möglichkeiten für erfolgreiche Banken: regional konzentriert, weltweit auf ein Produkt spezialisiert oder gleichzeitig global und diversifiziert zu sein. In der letzten Gruppe will die Deutsche Bank aufblühen.

Ein Angriff von Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon prallt an Jain ab. Fahrenschon hatte im Handelsblatt die Größe der Deutschen Bank kritisiert. Doch Jain schmeichelt im Gegenzug sogar den öffentlich-rechtlichen Instituten. Die hätten eine gesunde Kostenquote auch in der Finanzkrise durchgehalten: „Mein Kompliment.“ Auch das Vertrauen der Sparer hätten die Sparkassen bewahrt.

Für die Deutsche Bank ist der Vertrauensverlust hingegen eine Dauerbaustelle. Und so wirklich besser werden dürfte das trotz des immer wieder erneuerten Beteuerungen Jains und seines Amtskollegen Jürgen Fitschen nicht. Denn: „Die Missetaten einer kurzen Zeitspanne werden noch lange einen Schatten werfen“, so Jain. Strafzahlungen und Gerichtsverfahren aus Zeiten vor der Finanzkrise würden der Branche noch lange anhaften.

Kommentare zu " Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“: Anshu Jain entdeckt seine Liebe für die Sparkassen"

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  • "Ein durchaus sehr interessante Entwicklung, die nur wenige Analysten und Marktbeobachter für möglich gehalten haben"

    Doch wohl eher Plattitüden ohne Substanz, möglicherweise auch ein Flöten im dunklen Wald!

    z.B.

    "Der Vertrauensbruch zwischen Banken und Kunden nach der Finanzkrise ist noch nicht geheilt“

    WOW, meinen Sie so was? Das ist mittlerweile Allgemeinwissen, wobei interessant wäre welche Kunden er meint. Sparkassenkunden werden es sicher nicht sein, und das sind mittlerweile nicht nur die "Kleinen Leute".

    Sie halten dies möglicherweise für interessant:

    Doch Jain schmeichelt im Gegenzug sogar den öffentlich-rechtlichen Instituten. Die hätten eine gesunde Kostenquote auch in der Finanzkrise durchgehalten: „Mein Kompliment.“ Auch das Vertrauen der Sparer hätten die Sparkassen bewahrt.

    Ich glaube bis vor kurzem wusste er garnicht was Sparkassen sind.

    „Ey Floyd what the fu... are Spaaarkasten?“

    Für Mehrheit der Kunden aus Deutschland ist die DB zu teuer und uninteressant. Ihren Arro v. Gant Aufschlag der Vergangenheit werden auch keine Schlangenbeschwörungen je wieder hervor zaubern !

  • Ein durchaus sehr interessante Entwicklung, die nur wenige Analysten und Marktbeobachter für möglich gehalten haben; erst recht nicht aus dem Vorstandsbereich der Deutschen Bank AG. Aber: die weitere Entwicklung bleibt zunächst einmal abzuwarten. Sandro Valecchi

  • Nicht zu glauben, aber soll es werden.

    Es ist die Frage, ob die Sparer, die die Altersvorsorge betreibnen wollen, diesem Ansinnen folgen (können) oder ob sie jetzt endlich aufstehen und der Politik mit ihrer Stimme in der anstehenden Bundestagswahl Einhalt gebieten.

    Es war in Deutschland seit der Währungsreform nie mehr so kritisch.

    An der Zeit ist es, dass der Wähler einen Denkzettel gibt! Jeder, der sich mit der Sache auseinandersetzt, wird dem aus sachlichen Gründen zustimmen.

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