Handelsblatt-Tagung
Private Banken halten nichts von Zerschlagung

„Ich frage mich, ob der Vorschlag wirklich erst gemeint ist“: Bei der Handelsblatt-Tagung kommt es zum Schlagabtausch zwischen Michael Kemmer, Chef des privaten Bankenverbandes, und Sparkassenpräsident Fahrenschon.
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BerlinKlartext war auf der 12. Handelsblatt-Jahrestagung „Zukunftstrategien für Sparkassen und Landesbanken“ angesagt. Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon hatte sich dafür ausgesprochen, große, grenzüberschreitend tätigte Banken „notfalls zwangsweise“ in ihrer Systemrelevanz zu reduzieren. Dieser Absicht trat der Hauptgeschäftsführer des privaten Bankenverbandes, Michael Kemmer, vehement entgegen.

„Die Forderung nach einer zwangsweisen Verkleinerung oder Zerschlagung großer europäischer Privatbanken gehört in die Mottenkiste eines dirigistischen, wirtschaftslenkenden Staatsverständnisses“, kritisierte Kemmer. Solche Rufe nach staatlichen Zerschlagungseingriffen sollte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband „besser der Linkspartei überlassen“. Er halte es da eher mit dem NordLB-Chef und VÖB-Präsident Gunter Dunkel. Dieser hatte im Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt, dass die Größe einer Bank nicht das Problem sei.

Auch rieb sich Kemmer daran, dass Fahrenschon die Landesbanken als leuchtendes Beispiel darstellte. Diese hätten seit 2008 ihre Risikopositionen in der Bilanz um fast die Hälfte abgebaut. „Ich frage mich, ob der Vorschlag wirklich erst gemeint ist“, so Kemmer. Die Verkleinerung oder Zerschlagung von Landesbanken quasi als einen Beitrag der öffentlich-rechtlichen Säule zur Lösung des ‚too big to fail‘-Problems darzustellen, „ist durchaus mutig und setzt ganz offensichtlich darauf, dass die Marktakteure bei Kausalitätsfragen ein eher kurzes Gedächtnis haben“. Vier Landesbanken konnten die Finanzkrise nur mit milliardenschweren Hilfen ihrer Eigner überleben. Brüssel gab grünes Licht für die Beihilfen, im Gegenzug mussten sich die Landesbanken verkleinern. Auf Geheiß Brüssels wurde die WestLB abgewickelt.

Die Rede Kemmers trug den Titel „Konkurrenten, Partner, Schicksalsgefährten – Sparkassen und Banken in turbulenten Zeiten. Das hinderte den Verbandschef nicht daran, den Sparkassen ein weiteres Mal die Leviten zu lesen. „Wir werden ein Auge darauf haben, dass die Sparkassen nicht je nach Opportunität einmal als straff organisierter konzernähnlicher Verbund und ein anderes Mal als Gruppe dezentral unabhängiger Institute auftreten, um auf diese Weise regulatorische Vorteile zweiter Welten zu verbinden.“

Kommentare zu " Handelsblatt-Tagung: Private Banken halten nichts von Zerschlagung"

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  • Ganz so war der Zusammenhang nicht - aber so ähnlich.

    Wenn Sie an dessen Wurzeln gehen wollen, dann müssen Sie bei der HVB anfangen.

  • Da wird wieder mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Und die Diskussion bewusst ins Abseits gelenkt. Soll man doch erst einmal bei den großen Investmentbanken anfangen. Und zwar schnell! Und nicht über die Sparkassen diskutieren.

  • Zitat: "Die Verkleinerung oder Zerschlagung von Landesbanken quasi als einen Beitrag der öffentlich-rechtlichen Säule zur Lösung des ‚too big to fail‘-Problems darzustellen, "ist durchaus mutig und setzt ganz offensichtlich darauf, dass die Marktakteure bei Kausalitätsfragen ein eher kurzes Gedächtnis haben". Vier Landesbanken konnten die Finanzkrise nur mit milliardenschweren Hilfen ihrer Eigner überleben."

    Nun, ich hoffe, dass die Marktakteure auch nicht vergessen, dass Herr Kemmer seit 2006 Finanazchef und seit 2008 Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesbank war - in einer Zeit, in der die Bank unvorstellbare Risiken eingegangen ist und weshalb Herr Kemmer derzeit auch in München vor Gericht steht...

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