Harsche Kritik
Boni bei Barclays „ohne Bezug zur Realität“

Die Großbank Barclays hat aus der Debatte um überhöhte Managergehälter keine Lehren gezogen: Die Boni seien immer noch zu hoch, resümiert ein Gutachter. Darunter leide das Image der Bank.
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LondonDie Top-Manager von Barclays verdienen laut einer Untersuchung der britischen Großbank nach wie vor zu viel. „Wenn Barclays sein Ansehen merklich verbessern will, wird die Bank weitere Anpassungen bei der Bezahlung ihrer Top-Manger machen müssen“, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des renommierten Anwalts Anthony Salz. Viele Menschen hätten den Eindruck gewonnen, dass Banker in Großbritannien „jeglichen Bezug zur Realität verloren haben“. Das krisengeschüttelte Institut hatte Salz im Sommer beauftragt, das Institut zu durchleuchten.

Die zweitgrößte britische Bank war zuvor wegen der Affäre um Zinsmanipulationen zu einer Strafe von fast einer halben Milliarden Dollar verdonnert worden. Vorstandschef Bob Diamond musste gehen. Sein Nachfolger Antony Jenkins hat dem Haus einen Kulturwandel verordnet und demonstrativ auf seinen Bonus für 2012 verzichtet. Für das vergangene Jahr bekam Jenkins insgesamt allerdings immer noch 2,6 Millionen Pfund. Auch 428 weitere Barclays-Mitarbeiter verdienten mehr als eine Million Pfund, was in großen Teilen der Öffentlichkeit auf Unverständnis stieß.

Die Bank will den 236 Seiten dicken Bericht nun analysieren und noch vor der Hauptversammlung am 25. April verkünden, welche der 34 Empfehlungen sie umsetzen wird, wie Barclays-Chairmann David Walker erklärte. „Es ist bedrückend, wenn man bestimmte Teile des Reports liest“, sagte er.

In dem Bericht heißt es unter anderem, Barclays seien kurzfristige Gewinne viele Jahre wichtiger gewesen als die Kunden. „Diese Einstellung wurde durch das Vergütungssystem untermauert“, sagte Salz der Nachrichtenagentur Reuters. Mittlerweile habe Barclays die Gesamtvergütung zwar gesenkt, die Bezahlung der 70 führenden Manager liege aber durchweg über dem Branchendurchschnitt.

Auch Barclays-Konkurrent Deutsche Bank hat sich einen Kulturwandel auf die Fahnen geschrieben und eine Vergütungskommission ins Leben gerufen. Das Gremium um den früheren BASF-Chef Jürgen Hambrecht gibt jedoch keine Empfehlung zur konkreten Höhe der Vergütung, sondern nur zur Struktur. Unter anderem hat die Kommission angeregt, dass Boni künftig stärker an Kriterien wie Kundenzufriedenheit und ethisch korrektem Verhalten ausgerichtet werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Harsche Kritik: Boni bei Barclays „ohne Bezug zur Realität“"

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  • Völlig überzogene Ansprüche der Bänker scheinen schon als Selbstverständlichkeit akzeptiert. Sind sie aber nicht. Bonuszahlungen komplett streichen, die Nimmersatten werden eh schon viel zu hoch bezahlt!! Sollen die Banken zusehen, daß sie ihre Eigenkapitaldeckung gen 100 % steigern !!

  • Erinnert mich an Marie Antoinette, die kurz vor dem Sturm auf die Bastille in 1789 noch verkündet hatte, daß das Volk wenn es denn kein Brot mehr hat eben Kuchen essen solle.

  • Welche Realität? Wir wissen noch nicht einmal worauf wir sitzen.

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