Hauptstadtsparkasse
Berliner Sparkasse macht unerwartet hohen Gewinn

Beteiligungsverkäufe und gute operative Geschäfte bescheren der Berliner Sparkasse 2016 einen unerwartet hohen Gewinn. Jetzt will die Hauptstadtsparkasse eine Dividende ausschütten.
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BerlinWährend sich viele Sparkassen in Deutschland angesichts der demographischen Entwicklung Sorgen machen müssen, profitiert die Berliner Sparkasse von ihrer wachsenden Hauptstadt. Jährlich wächst die Stadt um 30.000 bis 40.000 Menschen. „In den vergangenen vier Jahren lagen wir bei den Kontoeröffnungen netto jeweils deutlich über 20.000. Folglich begrüßen wir mehr als jeden zweiten Neuberliner als Kunden“, freut sich Vorstandschef Johannes Evers. Derzeit reklamiert das Institut in Berlin einen Privatkundenanteil von 50 Prozent für sich.

Mit einer Bilanzsumme von knapp 46 Milliarden Euro ist die Berliner Sparkasse die größte Sparkasse Deutschlands. Sie hat eine Radikalkur hinter sich. Die Eigner, die Sparkassen-Organisation, entschied 2013, aus der Landesbank Berlin gemeinsam mit der Berlin Hyp wieder die Berliner Sparkasse zu formen. Ein dreistelliger Millionenbetrag wurde für den Umbau aus eigener Kraft aufgebracht. Der Prozess mit rund 1300 Maßnahmen, darunter Umbenennungen und organisatorische Änderungen, konnte 2016 und damit ein Jahr früher als geplant beendet werden.

Schleifspuren beim Ergebnis blieben im vergangenen Jahr aus. Im Gegenteil: Nach Steuern weist die Sparkasse ein Ergebnis von 181 Millionen aus. Dabei entfällt ein Volumen von 100 Millionen Euro auf den Verkauf ihrer Anteile am Kreditkarten-Dienstleister Visa Europe. Zudem profitierte das Institut von einer sinkenden Vorsorge für ausfallgefährdete Kredite. Erstmals nach vier Jahren kann die Sparkasse damit wieder eine Dividende ausschütten. Zur Höhe wollte sich Vorstandschef Evers aber nicht äußern; das sei Sache de der LBB Holding. Für das laufende Jahr ist man in Berlin allerdings wieder bescheidener: Erwartet wird ein Vorsteuergewinn von 54 Millionen Euro.

Auch wenn die Zahl der Kunden wächst und die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berlin deutlich steigt, leidet das Institut unter einem strukturellen Problem: Wegen der relativ vielen Transfergeldempfänger in der Hauptstadt liegt das finanzielle Volumen pro Kunde der Berliner Sparkasse weit unter dem Bundesdurchschnitt. Eine Faustregel in der Sparkassen-Finanzgruppe besagt, dass 60 Prozent der Sparkassen-Kunden am Ende des Monats kein Geld mehr übrig haben.

Wie andere Institute auch leidet die Berliner Sparkasse unter den Dauer-Niedrigzinsen. Seit Oktober 2016 müssen Unternehmen für Sichteinlagen von mehr als fünf Millionen Euro ein Verwahrentgelt von 0,4 Prozent berappen. „Möglicherweise müssen wir das Limit weiter runtersetzen müssen“, so Evers. Mit aller Macht will die Sparkasse jedoch ihre Privatkunden vor Negativzinsen schützen. Aber „gänzlich ausschließen können wir das auf Dauer nicht, wenn die Negativzinsen anhalten“, schränkt Evers ein.

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