Hauptversammlung
Aktionäre der Deutschen Bank rebellieren

Ackermann-Nachfolge, die Rolle in der Finanzkrise, Geschäfte mit Rüstungsfirmen: Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank sind eine Menge kritischer Fragen zu erwarten. Vor allem einer wird wieder seine Bühne finden.
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FrankfurtDass manche der Deutschen Bank alles Schlechte dieser Welt zutrauen, dürfte an diesem strahlenden Donnerstagmorgen vor der Festhalle keinem Aktionär entgehen. Attac ist da, Greenpeace auch, und ihre Transparente lassen keine Fragen offen: "Schwarze Zahlen durch finstere Geschäfte", heißt es, oder "Grüne Türme machen noch keine Weiße Weste" - in Anspielung auf die "Green Towers", die sanierten Zwillingstürme der Zentrale von Deutschlands größter Bank. Die Vorwürfe decken ein ganzes Spektrum an Missetaten ab: Finanzierung von Rüstungsgeschäften, Förderung der Kernenergie, Ausbeutung der Steuerzahler wegen der Rettungspakete für die Banken. 

Auf den Stufen liegt, bunt und eklig, ein Haufen Müll. 

Die Deutsche Bank hat zur Hauptversammlung nach Frankfurt geladen, und nicht nur vor der Tür erwartet die Führungsriege eine Menge Ärger. Die vielen Gegenanträge, die eingereicht wurden, zeigen ein buntes Spektrum an Angriffspunkten: Etwa die schleppende Suche nach einem Nachfolger für Bankchef Josef Ackermann, der Anfang 2013 in den Ruhestand gehen will. Das Vergütungssystem im Vorstand. Die zahlreichen Klagen auf der ganzen Welt, denen sich die Bank derzeit zu stellen hat.

So will der  Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre etwa Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlasten – unter anderem wegen des Verhaltens der Bank auf dem US-Hypothekenmarkt. „Mit ihren Geschäftspraktiken hat sie ihre Kunden betrogen, Gemeinden zerstört und den amerikanischen Steuerzahler belastet“, heißt es in dem Gegenantrag. Dies zeigten die zahlreichen Gerichtsverfahren. Die "Ablehnung von Verantwortung" der Bank nach der Finanzkrise habe deshalb zu einem "beträchtlichen Reputationsschaden" geführt.

Außerdem kritisieren die Aktionärsvertreter, dass die Deutsche Bank Kernenergie finanziere. Auch angebliche Geschäftsbeziehungen zu Herstellern von Streubomben wie Textron rufen die Kritiker auf den Plan. Israel soll die weltweit geächtete Munition im gegen die Hisbollah 2006 ebenso eingesetzt haben wie Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi im Kampf gegen das eigene Volk.

Im Zentrum der Hauptversammlung aber dürfte die Ackermann-Nachfolge stehen. Die Antwort blieb Aufsichtsratschef Clemens Börsig bislang schuldig, was die Aktionäre zunehmend verärgert. Zuletzt   hatten sich Investorenvertreter und Kapitalmanager zu Wort gemeldet, die die bisherige Suche für planlos halten. "Die Aktionäre wollen wissen, wohin die Reise geht.

Je länger die Nachfolgediskussion dauert, umso größer ist die Unsicherheit", so etwa Bert Flossbach, Vorstand der unabhängigen Vermögensverwaltung Flossbach von Storch. Ein hoher Manager eines deutschen Fondshauses spricht ebenfalls klare Worte: "Der Eindruck ist nicht erst seit gestern, dass der Aufsichtsrat und sein Vorsitzender überfordert sind. Schon bei der Ackermann-Vertragsverlängerung war der Ablauf hanebüchen, und der Aufsichtsrat hat daraus nichts gelernt."

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