Hauptversammlung Axel Wieandt, der Blitzableiter der HRE

Zur Stunde treffen sich in München die Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung. Die Kapitalerhöhung, die dem Staat einen Anteil von 90 Prozent verschaffen soll, ist praktisch schon sicher. Doch auch die Stimmung macht bei diesem historischen Schritt der deutschen Unternehmensgeschichte die Musik. Und die ist bisweilen durchaus gereizt.
HRE-Chef Wieandt hat einen anstrengenden Tag hinter sich. Quelle: ap

HRE-Chef Wieandt hat einen anstrengenden Tag hinter sich.

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MÜNCHEN. Scheu zuckt sein Lächeln, so als wolle er sich gleich entschuldigen, dass er überhaupt gekommen ist. Die Haare sind links brav gescheitelt, bubenhaft wirkt das. Hinter den runden, großen Brillengläsern haben sich zwei Augen verschanzt. Das Gesicht scheint so glatt wie eine Glasscheibe, 42 Jahre Leben waren zu wenig, ihm einen unverwechselbaren Schliff zu verpassen.

Wer soll einem solchen Mann böse sein?

Da steht er auf dem Podium, Axel Wieandt, Vorstandschef der Skandalbank Hypo Real Estate. Gleich wird er sprechen. Es ist die erste Hauptversammlung seines Managerlebens, auf der er die Hauptrolle innehat. Wieandt muss den Sündenfall verteidigen, die Verstaatlichung einer privaten Bank in der Marktwirtschaft namens Deutschland. Enteignung wie im Kommunismus! Mehrere Hundertschaften wütender Aktionäre haben sich in Münchens Kongresszentrum aufgebaut, um den Bonzen den Marsch zu blasen.

Weil keine Bonzen gekommen sind, muss Axel Wieandt als Ziel herhalten. Doch als Feindbild taugt der Mann mit den schmalen Schultern unter dem dunkelblauen Anzug einfach nicht. Die Wutentladungen der Aktionäre verpuffen – oder sie donnern nolens volens gegen Aufsichtsrat Michael Endres.

Der begrüßt die Aktionäre und versucht gleich zu Beginn, die heiße Luft herunterzukühlen. Er könne sich ja gut vorstellen, dass viele mit Groll gekommen seien, sagt Endres. Doch Vorstand und Aufsichtsrat seien doch komplett neu besetzt worden: „Keiner von uns ist in das Debakel der Bank involviert gewesen.“ Ganz im Gegenteil: Noch nie habe er einen Vorstand gesehen, der so viel und so intensiv arbeite wie Wieandt und sein Team.

Endres darf so etwas sagen: Er ist 71 Jahre alt, saß früher im Vorstand der Deutschen Bank, arbeitete für die Bankierslegende Alfred Herrhausen, war Aufseher bei Daimler.

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