Hauptversammlung der Deutschen Bank
Aktionäre strafen die Top-Manager ab

Die Investoren ließen am Führungsduo der Deutschen Bank kaum ein gutes Haar. Anshu Jain und Jürgen Fitschen kassieren ein miserables Abstimmungsergebnis. Fast 40 Prozent der Aktionäre stimmen gegen eine Entlastung.
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FrankfurtEs mag eine leise Revolution sein, vermutlich sogar eine Revolution ohne unmittelbare Folgen, aber um eine Revolution handelt es sich nichtsdestotrotz. Die Aktionäre der Deutschen Bank haben dem Top-Management einen deftigen Denkzettel verpasst. Auf der Hauptversammlung in Frankfurt stimmten am Donnerstag nur 61 Prozent für eine Entlastung von Co-Vorstandschef Anshu Jain und seiner Vorstandskollegen, wie Aufsichtsratschef Paul Achleitner sagte.

Auch der nach einem Richtungskampf mit Jain scheidende Privatkundenvorstand Rainer Neske erhielt nur marginal mehr Ja-Stimmen als die übrigen Mitglieder. Üblich sind bei Hauptversammlungen in Deutschland Zustimmungsraten von 95 Prozent und mehr.

Dabei verlief die kritischste Hauptversammlung seit vielen Jahren sogar ruhiger als erwartet – zumindest vordergründig. Vor der Frankfurter Festhalle ging es in diesem Jahr erstaunlich leise zu. Die sonst üblichen lautstarken Proteste von Umweltschützern, Rüstungsgegnern und Kapitalismuskritikern fielen quasi aus, nur ein paar Demonstranten verloren sich am Morgen unter dem blauen Frankfurter Himmel.

Dass im Innern der Festhalle die Kleinanleger in ihren Reden scharf gegen die Chefetage schießen, gehört bei den Hauptversammlungen des Instituts schon zur Folklore. Aber auch die Buhrufe gegen Jain und seine Kollegen fielen schon einmal lauter aus. Und dennoch war etwas anders.

Denn dieses Mal riefen auch Großinvestoren und einflussreiche Aktionärsberater zur Rebellion gegen die beiden Vorstandschefs Fitschen und Jain auf. „Wir fragen uns langsam, ob das Management der Deutschen Bank noch in der Lage ist, das Unternehmen adäquat zu führen“, sagte Ingo Speich, Portfoliomanager von Union Investment.

Speich hat sich schon häufiger als Kritiker der Bank profiliert, aber dieses Mal ging der Fondsmanager einen Schritt weiter und verweigerte dem Vorstand die Entlastung. Auch der kurzfristige Vorstandsumbau unter Führung von Chefaufseher Achleitner in der Nacht vor der Versammlung konnte die Gemüter nicht beruhigen. Hans-Christoph Hirt, Manager des mächtigen britischen Pensionsfonds und Aktionärsberaters Hermes EOS, forderte einen Vorstandsumbau, der über das „gestrige Stühlerücken“ hinausgeht. Eine direkte Attacke auf Jain und Fitschen. Hirt hat wenig Zuversicht, dass die Ziele der neuen „Strategie 2020“ erreicht werden.

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Kommentare zu " Hauptversammlung der Deutschen Bank: Aktionäre strafen die Top-Manager ab"

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  • „Aktionäre strafen die Top-Manager ab“, viel zu wenig.

    Diese beiden Figuren gehören für ihr kriminelles Schneeballsystem und Wirtschaftsbetrug in den Knast. Der Vorgänger Ackermann hat den Beschiss vorgemacht und die Nachfolger treten in seine Fußstapfen. Eine Bank die den Aktionären soviel verspricht kann nicht sauber arbeiten. Nur durch permanenten Betrug an der Bevölkerung ist diese hohe Gewinnsteigung für die Aktionäre möglich. Allerdings sind die Großaktionäre mitschuldig. Jeder bescheißt jeden, so sieht das in der Bankenwelt aus. Und das kranke Schneeballsystem tut sein übriges dazu.

    Wirtschaften mit immer mehr Schulden ist ein schlechtes Geschäftsmodell was nicht aufgehen kann.

  • Liebes Handelsblatt,

    warum schreiben eigentlich immer alle von "Top-Managern"? Was ist den an den beiden "top"?
    Lug und Betrug, eine Bank vor die Wand fahren, Aktionärskapital vernichten - DAS ist Top? Ich schlage in solchem Zusammenhang mal "Flop-Manager" vor. Vielen Dank fürs Lesen.

    Grüße

  • @Ralph Westend

    Richtig.

    61% sind keine "leise Revolution" (-> Artikel) sondern ein richtiger Schuß vor den Bug.

    Aber besser so, als eine Nichtentlastung.

    Jetzt hat der Vorstand ein Jahr Zeit, um nachzubessern. Nutzt er die nicht, kann man ihn immer noch abwählen, zumindest teilweise.

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