Hauptversammlung der Deutschen Bank Aktionäre strafen die Top-Manager ab

Die Investoren ließen am Führungsduo der Deutschen Bank kaum ein gutes Haar. Anshu Jain und Jürgen Fitschen kassieren ein miserables Abstimmungsergebnis. Fast 40 Prozent der Aktionäre stimmen gegen eine Entlastung.
Update: 21.05.2015 - 21:16 Uhr 7 Kommentare
Fast 40 Prozent der Aktionäre stimmen gegen den Vorstand um Jain und Fitschen. Quelle: dpa
Deutliche Abmahnung

Fast 40 Prozent der Aktionäre stimmen gegen den Vorstand um Jain und Fitschen.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs mag eine leise Revolution sein, vermutlich sogar eine Revolution ohne unmittelbare Folgen, aber um eine Revolution handelt es sich nichtsdestotrotz. Die Aktionäre der Deutschen Bank haben dem Top-Management einen deftigen Denkzettel verpasst. Auf der Hauptversammlung in Frankfurt stimmten am Donnerstag nur 61 Prozent für eine Entlastung von Co-Vorstandschef Anshu Jain und seiner Vorstandskollegen, wie Aufsichtsratschef Paul Achleitner sagte.

Auch der nach einem Richtungskampf mit Jain scheidende Privatkundenvorstand Rainer Neske erhielt nur marginal mehr Ja-Stimmen als die übrigen Mitglieder. Üblich sind bei Hauptversammlungen in Deutschland Zustimmungsraten von 95 Prozent und mehr.

Dabei verlief die kritischste Hauptversammlung seit vielen Jahren sogar ruhiger als erwartet – zumindest vordergründig. Vor der Frankfurter Festhalle ging es in diesem Jahr erstaunlich leise zu. Die sonst üblichen lautstarken Proteste von Umweltschützern, Rüstungsgegnern und Kapitalismuskritikern fielen quasi aus, nur ein paar Demonstranten verloren sich am Morgen unter dem blauen Frankfurter Himmel.

Dass im Innern der Festhalle die Kleinanleger in ihren Reden scharf gegen die Chefetage schießen, gehört bei den Hauptversammlungen des Instituts schon zur Folklore. Aber auch die Buhrufe gegen Jain und seine Kollegen fielen schon einmal lauter aus. Und dennoch war etwas anders.

Denn dieses Mal riefen auch Großinvestoren und einflussreiche Aktionärsberater zur Rebellion gegen die beiden Vorstandschefs Fitschen und Jain auf. „Wir fragen uns langsam, ob das Management der Deutschen Bank noch in der Lage ist, das Unternehmen adäquat zu führen“, sagte Ingo Speich, Portfoliomanager von Union Investment.

Speich hat sich schon häufiger als Kritiker der Bank profiliert, aber dieses Mal ging der Fondsmanager einen Schritt weiter und verweigerte dem Vorstand die Entlastung. Auch der kurzfristige Vorstandsumbau unter Führung von Chefaufseher Achleitner in der Nacht vor der Versammlung konnte die Gemüter nicht beruhigen. Hans-Christoph Hirt, Manager des mächtigen britischen Pensionsfonds und Aktionärsberaters Hermes EOS, forderte einen Vorstandsumbau, der über das „gestrige Stühlerücken“ hinausgeht. Eine direkte Attacke auf Jain und Fitschen. Hirt hat wenig Zuversicht, dass die Ziele der neuen „Strategie 2020“ erreicht werden.

Jain ist angezählt
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Hauptversammlung der Deutschen Bank - Aktionäre strafen die Top-Manager ab

7 Kommentare zu "Hauptversammlung der Deutschen Bank: Aktionäre strafen die Top-Manager ab"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • „Aktionäre strafen die Top-Manager ab“, viel zu wenig.

    Diese beiden Figuren gehören für ihr kriminelles Schneeballsystem und Wirtschaftsbetrug in den Knast. Der Vorgänger Ackermann hat den Beschiss vorgemacht und die Nachfolger treten in seine Fußstapfen. Eine Bank die den Aktionären soviel verspricht kann nicht sauber arbeiten. Nur durch permanenten Betrug an der Bevölkerung ist diese hohe Gewinnsteigung für die Aktionäre möglich. Allerdings sind die Großaktionäre mitschuldig. Jeder bescheißt jeden, so sieht das in der Bankenwelt aus. Und das kranke Schneeballsystem tut sein übriges dazu.

    Wirtschaften mit immer mehr Schulden ist ein schlechtes Geschäftsmodell was nicht aufgehen kann.

  • Liebes Handelsblatt,

    warum schreiben eigentlich immer alle von "Top-Managern"? Was ist den an den beiden "top"?
    Lug und Betrug, eine Bank vor die Wand fahren, Aktionärskapital vernichten - DAS ist Top? Ich schlage in solchem Zusammenhang mal "Flop-Manager" vor. Vielen Dank fürs Lesen.

    Grüße

  • @Ralph Westend

    Richtig.

    61% sind keine "leise Revolution" (-> Artikel) sondern ein richtiger Schuß vor den Bug.

    Aber besser so, als eine Nichtentlastung.

    Jetzt hat der Vorstand ein Jahr Zeit, um nachzubessern. Nutzt er die nicht, kann man ihn immer noch abwählen, zumindest teilweise.

  • Jain und Fitschen sind gescheitert. Also, wo ist die Konsequenz? Was tut der Aufsichtsrat?

  • Hängen die Bonis von der Abstimmung ab. Nein, also who cares ?

  • Nur 61 % für meinen einstigen Mentor und ex-Chef in London ist schon eine herbe Klatsche. M.E. ist Anshu aber auch selber schuld an diesem Dilemma. Er hätte niemals den Posten eines CEOs bei meinem alten Brötchengeber antreten sollen, sondern bei dem bleiben was er am besten kann (Leiter Global Markets CB & S). Oder nur unter der Voraussetzung, dass die Dt. Bank endlich zu einer reinrassigen Investmentbank wird.

    Anshu ist Investmentbanker durch und durch. Die Leitung einer Universalbank zählt auch nicht zu den Kernkompetenzen eines Investmentbankers. Und auch im Paycheck hat sich der Sprung für ihn nicht ausgezahlt - eher im Gegenteil. Als CEO verdient er jetzt weniger als vorher.


    Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


    Ralph

    Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
    - selbst. Börsenhändler -
    Algo- und System-Trading

    Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

  • Was heißt abstrafen? Die Zwei lachen sich ins Fäustchen. Nach den kriminellen Machenschaften der Bank, für die beide mitverantwortlich sind, dürfte überhaupt keine Entlastung erfolgen. Aber die Moral hört auch bei den Aktionären da auf, wo abzusehen ist, dass mit denselben Geschäftspraktiken demnächst wieder gute Dividende fließen. Moral hin oder her.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%