Hauptversammlung
Sparkassen übernehmen LBB komplett

Auf der Hauptversammlung der Landesbank Berlin haben die Sparkassen als Mehrheitseigner die verbliebenen Kleinaktionäre aus dem Unternehmen gedrängt. Viele Anteilseigner kritisierten die Abfindung als zu niedrig.
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BerlinDie deutschen Sparkassen übernehmen die Landesbank Berlin komplett. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen sie am Mittwoch, die übrigen Minderheitsaktionäre aus dem Konzern herauszudrängen. Rechtskräftig ist der sogenannte Squeeze-Out mit Eintrag ins Handelsregister. Dieser könnte sich verzögern, da mehrere Aktionäre Anfechtungsklagen in Aussicht stellten.

Viele Anteilseigner kritisierten die Barabfindung von 4,01 Euro je Aktie als zu niedrig. „Die Aktionäre werden enteignet und um die Chance gebracht, von einer Wertaufholung zu profitieren“, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Die Sparkassen-Finanzgruppe hält rund 98,7 Prozent und will die Landesbank nach der vollständigen Übernahme von der Börse nehmen. Nach früheren Angaben wollen die Sparkassen damit Kosten sparen. Der scheidende Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis hatte angekündigt, bei der LBB und dem Sparkassen-Fondsdienstleister DekaBank könnten Geschäfte gebündelt werden.

LBB-Konzernchef Johannes Evers verteidigte die Barabfindung als „angemessene Entschädigung“. Die Summe liege zwar deutlich unter dem Preis von 6,81 Euro je Aktie, den die Sparkassen 2007 angeboten hätten. Seitdem habe sich die Bankenlandschaft jedoch dramatisch verändert, betonte Evers. Dies habe sich massiv auf die Ertragsmöglichkeiten und die Wertentwicklung von Kreditinstituten ausgewirkt.

Der Squeeze-Out ist für viele der rund 15.000 Kleinaktionäre der Höhepunkte einer Serie von Enttäuschungen. Denn nach dem Absturz der Bankgesellschaft Berlin, die als „Global Player“ im Finanzmarkt mitmischen sollte, wurde die Landesbank Berlin Holding als Nachfolgerin auf ein regionales Institut zurechtgestutzt. „Ich bin durch dick und dünn mitgegangen“, sagte der 61-jährige Hans-Joachim Legermann. Die Barabfindung gleiche einem Schnäppchen.

Operativ ist die Bank gut ins neue Jahr gestartet. „Der Konzern hat sich in den ersten drei Monaten 2012 planmäßig entwickelt“, sagte Evers. Der positive Trend im Kundengeschäft habe sich wie geplant fortgesetzt. Im Gesamtjahr bleibe das Umfeld für die Finanzbranche schwierig. Sollten Verwerfungen auf den Märkten ausbleiben, dürfte die positive Entwicklung im Kundengeschäft aber weitergehen. „Dies sollte auch die Chance bieten, die Ertragslage im Konzern zu verbessern“, sagte Evers. Eine konkrete Jahresprognose für 2012 wagte er aber nicht.

Im vergangenen Jahr hatte die Schuldenkrise den Berlinern die Bilanz verhagelt. Nach Abschreibungen von 184 Millionen Euro auf griechische Staatsanleihen rutschte die Bank erstmals seit 2003 in die roten Zahlen. Der Nettoverlust 2011 lag bei 79 Millionen Euro, nach 265 Millionen Euro Gewinn im Jahr davor.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Als Kleinaktionär der LBB bin ich natürlich unheimlich sauer. Vermutlich ist die Aktie viel mehr wert, sonst würden die Sparkassen die Übernahme doch nicht betrieben haben. Ich wäre bereit zu prozessieren um den wahren Wert heraus zu bekommen.
    Peter Hammer
    08122903064@t-online.de

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