Hayes-Prozess geht zu Ende
„Niemand hat ihm ein Bein gestellt“

Das Verfahren um Libor-Zinsmanipulationen des ehemaligen Starbankers Tom Hayes liegt in den letzten Zügen. Hayes räumt die Vorwürfe zwar ein – beteuert aber, sich nicht unehrenhaft verhalten zu haben.
  • 0

LondonDer mit Spannung verfolgte Londoner Prozess um manipulierte Zinsen geht in die Schlussphase. Staatsanwalt Mukul Chawla betonte am Dienstag noch einmal, der angeklagte frühere Starbanker Tom Hayes sei für seine missliche Lage selbst verantwortlich. Niemand habe Hayes gezwungen, an Zinssätzen zu schrauben, andere in die Tricksereien mit hineinzuziehen oder Geständnisse in den Vernehmungen mit den Ermittlern abzulegen. „Das hat er alles selbst getan“, sagte Chawla vor dem Southwark Crown Court. „Niemand hat ihm ein Bein gestellt.“

Mit Hayes steht im weltweiten Zinsskandal erstmals eine Einzelperson vor einem Geschworenengericht und könnte von diesem verurteilt werden. Der Ex-Banker, dem Ärzte eine leichte Form von Autismus attestieren, arbeitete früher für die UBS und die Citigroup. Er war Spezialist für den Handel mit Derivaten für die japanische Währung Yen und nach Auffassung der Ermittler einer der Drahtzieher in der Zinsaffäre, die Großbanken rund um den Globus Milliardenstrafen kostete. Die britische Strafverfolgungsbehörde SFO wirft dem 35-jährigen Briten in acht Fällen Verschwörung zum Betrug in den Jahren 2006 bis 2010 vor. Damit drohen Hayes zehn Jahre Gefängnis. Der Prozess hatte Ende Mai begonnen.

Hayes hat auf nicht schuldig plädiert. Die Zinstricksereien, etwa durch illegale Absprachen mit anderen Händlern, bestreitet er im Grundsatz nicht. Vor Gericht erklärte er aber, er habe nicht unehrenhaft gehandelt, sondern seinen Job einfach nur so perfekt wie möglich machen wollen, um seinen Arbeitgeber zufriedenzustellen. Seine Vorgesetzten seien über die damalige Geschäftspraxis informiert gewesen. Dass er gegenüber den britischen Behörden einst ein Fehlverhalten einräumte, hatte nach Hayes’ Darstellung nur einen einzigen Grund: Er habe eine Auslieferung in die USA gefürchtet, wo das Justizministerium ebenfalls seine Rolle in der Zinsaffäre untersucht.

An Referenzzinssätzen wie Libor und Euribor hängen Geschäfte in einem Volumen von vielen hundert Billionen Dollar. Ein Händlerring hatte die Zinssätze über Jahre jeweils in die gewünschte Richtung gelenkt - damit die individuellen Wetten aufgingen und Handelsgewinne gebucht werden konnten. Die Aufseher waren dem Kartell durch E-Mails und Chatbeiträge auf die Schliche gekommen und hatten bei mehreren internationalen Großbanken mangelnde interne Kontrollen beklagt. Etliche Institute schlossen milliardenschwere Vergleiche, darunter Hayes' früherer Arbeitgeber UBS, aber auch die Deutsche Bank.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Hayes-Prozess geht zu Ende: „Niemand hat ihm ein Bein gestellt“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%