Herman Gref
Sberbank-Chef fordert vollständige Privatisierung

Der russische Staat sei „zu stark in der Wirtschaft engagiert“, findet der Chef der größten russischen Bank. Er fordert Privatisierungen - und d roht Europa, sollte es die Sanktionen gegen Russland weiter aufrecht erhalten.

Der Chef der größten russischen Bank fordert die vollständige Privatisierung seines Instituts. Für eine Übergangszeit sollte die russische Zentralbank noch einen 25-Prozent-Anteil behalten, dann sollte die Sberbank vollständig privatisiert werden, sagte Herman Gref dem Handelsblatt (Montags-Ausgabe): Alles spreche dafür, „die Sberbank vollständig zu privatisieren. Das würde unsere Lage sehr verbessern“, so Gref. Die Situation der Sberbank habe sich inzwischen vollständig normalisiert, sie schreibe Gewinn – nachdem Kunden allein im Dezember 2014 insgesamt 19.4 Milliarden Euro von ihren Konten geräumt hätten, was Gref jetzt erstmals zugab.

Zugleich forderte der Sberbank-Chef ein Ende der westlichen Sanktionen gegen sein Land. Wenn diese aber weiter in Kraft blieben, könnten die russischen Banken gar nicht anders, als sich von Europa ab- und China zuzuwenden: „Wenn die Sanktionen bleiben, haben wir gar keine Alternative zu China.“ Gref appellierte aber für eine Wiederannäherung Europas und Russlands.

Der frühere langjährige Wirtschaftsminister, der seit 2007 an der Spitze der größten osteuropäischen Bank steht, kritisierte auch den Mangel an Reformen in Russland: „Wir brauchen ein modernes System der Staatsführung. Solange unser Land so gelenkt wird wie bisher, können wir keine komplizierten Reformen umsetzen“, sagte Gref dem Handelsblatt. Der russische Staat sei „zu stark in der Wirtschaft engagiert“, forderte Gref Privatisierungen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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