Heros-Pleite: Betrug nach dem Schneeballsystem

Heros-Pleite
Betrug nach dem Schneeballsystem

Die Ermittler der Millionen-Betrügereien bei der Werttransport-Gruppe Heros gehen davon aus, dass die beteiligten Mitarbeiter Kundengelder nach dem Schnellballsystem umverteilten. Handel, Finanzbranche und die Werttransporteure versichern unterdessen, die Bargeldversorgung sei nicht gefährdet.

HB HANNOVER. „Eine andere Erklärung als ein Schneeballsystem gibt es realistisch betrachtet kaum“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach, Peter Aldenhoff, am Dienstag. Keine Angaben machen wollte er jedoch zu der Frage, warum die Beschuldigten lange Zeit unbemerkt 300 Millionen Euro abzweigen konnten. Derzeit werteten die Ermittler Beweismaterial aus, das am Freitag bei Durchsuchungen in insgesamt 25 Firmen und Privatwohnungen in Viersen, Frechen, Hamburg und Hannover sichergestellt worden sei. Außerdem würden Mitarbeiter des Unternehmens befragt.

Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen ermittelt wegen des Verdachts der schweren Untreue und des bandenmäßigen Betruges gegen vier Mitarbeiter einer Heros-Tochter, die in Untersuchungshaft sitzen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Betrügereien von der Führungsetage der Heros-Tochter ausgingen. Zwei der Verhafteten seien der Unternehmensführung zuzurechnen, zwei der Ebene darunter, sagte Staatsanwalt Norbert Jansen. „Wir ermitteln nicht gegen Geldtransport-Fahrer“, betonte Jansen.

Einer der vier verhafteten Männer soll aus Frechen bei Köln stammen. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete, der Mann habe unterschlagenes Geld in mehrere neu gegründete Firmen wie eine Werbeagentur und ein Sportgeschäft gesteckt. Der Verdächtige habe zudem zwei Hotels in Bulgarien gebaut. Im Frehener Vereinsleben habe er als „spendabler Lebemann“ gegolten, der das Geld etwa beim Karneval oder im Sport immer „locker sitzen“ hatte.

Krisengipfel zur Bargeldversorgung

Sowohl Banken und Versicherungen als auch der Handel und die Werttransport-Branche bemühten sich am Dienstag, Befürchtungen nach Engpässen bei der Bargeldversorgung entgegenzutreten. Die Kunden müssten sich keine Sorgen machen, hieß es bei Banken- und Sparkassenverbänden. Auch die Deutsche Bank und die Allianz-Tochter Dresdner Bank verbreiteten demonstrativ Gelassenheit.

„Bei uns herrscht 'Business as usual'“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. Die Geldautomaten arbeiteten. Ein Sprecher der Dresdner Bank sagte, das Institut habe bereits Alternativlösungen erarbeitet. Die Zusammenarbeit mit Heros habe nur regional bestanden. „Die Bargeldversorgung der Filialen und Geldautomaten in den betroffenen Gebieten ist gesichert.“ Vertreter der Bundesbank, der Kreditwirtschaft sowie des Geld- und Werttransport-Gewerbes wollen nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa noch im Laufe des Dienstag in Düsseldorf Konsequenzen für die Bargeldversorgung erörtern.

Der Haupverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) erklärte, er hoffe, dass im Notfall andere Geldtransporteure für den insolventen Branchenführer einsprängen. Die genauen Auswirkungen würden wohl erst in den nächsten Tagen deutlich. „Wir gehen aber davon aus, dass die Insolvenz keinen großen Einfluss auf den Einzelhandel hat.“ Heros hat nach Angaben des Branchenverbandes BDGW einen Marktanteil von rund 50 Prozent im deutschen Geldtransportgeschäft. Heros fährt nach eigenen Angaben für fast 85 Prozent der Handelsketten in Deutschland Geld- und Werttransporte.

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