Hintergrund

Die Bankenabwicklung in Europa

Nach der Finanzkrise hat die EU im Zuge der sogenannten Bankenunion einiges für die Stabilisierung von Geldinstituten getan. Wichtiges Element ist die gemeinsame Bankenabwicklung. Sie wird von einer Deutschen geleitet.
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Die Zentralbank wacht über das europäische Finanzsystem. Quelle: AFP
Die EZB in Frankfurt

Die Zentralbank wacht über das europäische Finanzsystem.

(Foto: AFP)

BrüsselDie Bankenunion der EU soll das europäische Finanzsystem gegenüber einer möglichen Pleite einer oder mehrerer Banken immunisieren – und so eine neue, diesmal von Europa ausgehende Finanzkrise verhindern. Neben der zentralen Aufsicht für mehr als 100 wichtige Banken durch die Europäische Zentralbank (EZB) und dem noch umstrittenen grenzüberschreitenden Schutz für Kundengelder spielt hier vor allem die gemeinsame Bankenabwicklung eine wichtige Rolle.

Die frühere deutsche Chef-Finanzaufseherin leitet den Abwicklungsmechanismus der Bankenunion. Quelle: dpa
Elke König

Die frühere deutsche Chef-Finanzaufseherin leitet den Abwicklungsmechanismus der Bankenunion.

(Foto: dpa)

Seit Anfang des Jahres ist der Einheitliche Abwicklungsmechanismus (SRM) zur Sanierung und Schließung von grenzüberschreitend tätigen sowie unter EZB-Aufsicht stehenden Banken voll einsatzfähig. Die Behörde wird von der früheren Chefin der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Elke König, geleitet. Die Regeln sind so gestaltet, dass die Abwicklung eines Geldinstituts notfalls innerhalb eines Wochenendes beschlossen werden kann.

Die Haftung dafür ist so angelegt, dass zunächst Eigentümer und Gläubiger der betroffenen Bank zur Kasse gebeten würden. Erst danach sollen Einlagen von Sparern sowie Gelder aus einem gemeinsamen Abwicklungsfonds herangezogen werden. In diesen Fonds zahlen die Geldinstitute nach und nach selbst ein. Bis zum Jahr 2023 soll sein Volumen ein Prozent der gesamten Bankeneinlagen betragen.

So gefährlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 17 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – das ist eine weniger als im Vorjahr. Diese Banken müssen ein Prozent mehr Kapital zusätzlich zu der erforderlichen Eigenkapitalquote vorhalten. Unter diesen für das System vergleichsweise nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, ING Bank, die Royal Bank of Scotland und Bank Morgan Stanley.

Klasse 1 – Standard Chartered
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Welche Konsequenzen der Brexit für die britische Standard Chartered haben wird, ist noch nicht absehbar. Die Bank belegt wie im Vorjahr einen Platz in Klasse 1, die einen Kapitalaufschlag von einem Prozent voraussetzt.

Neu in Klasse 1: Die Credit Suisse.
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Neu in der Klasse 1 ist die US-Bank Credit Suisse, die im Vorjahr noch mehr Kapital vorhalten musste. Jetzt beträgt dieser Zuschlag für das Schweizer Geldhaus nur noch ein Prozent. Sie hat aus Sicht der Regulierer an Relevanz verloren.

Klasse 2 – Barclays
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James Staley, seit Dezember 2015 Chef der britischen Bank Barclays, konnte die Risikoeinstufung des Geldhauses reduzieren. Barclays gehört, wie auch 2016 schon, nur noch der Klasse zwei an. Dort ist ein Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent erforderlich.

Klasse 2 – Wells Fargo
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Wells Fargo spielt mit Barclays in einer Liga. Beide gehörten Klasse 2 an, was einen Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent bedeutet.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten.

Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China
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Für genauso systemrelevant halten die Regulierer die Industrial and Commercial Bank of China. Aufschlag auch hier: 1,5 Prozent.

Im äußersten Fall kann die europäische Abwicklungsbehörde den jeweils betroffenen Staat noch um einen Kredit – aus Steuergeldern – bitten, der allerdings über Sonderbeiträge der nationalen Bankenbranche wieder zurückgezahlt werden muss.

Reicht dies alles nicht aus, kann sich der betroffene Staat an den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) wenden. Dieser kann dann Finanzhilfen gegen Auflagen bereitstellen. Griechenland ist derzeit das einzige europäische Land mit einem ESM-Programm.

  • dpa
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