Hochrechnung
Euro-Banken sitzen auf faulen Krediten in Rekordhöhe

Ein Rekord, über den sich niemand freut: Die Banken der Euro-Zone haben offenbar so viele faule Kredite wie noch nie in ihren Büchern. Deutsche Banken stehen relativ gut da, in Spanien und Italien schaut es schlimm aus.
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Frankfurt/StuttgartDie Banken der Euro-Zone haben einer Hochrechnung zufolge so viele faule Kredite in den Büchern wie noch nie. „2013 fallen in der Euro-Zone 7,8 Prozent der Kreditsumme in diese Kategorie, das entspricht 940 Milliarden Euro - ein neuer Rekordwert“, berichtete die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY am Dienstag in Frankfurt. Angesichts von Konjunkturflaute und Rekordarbeitslosigkeit steige die Zahl der Unternehmen und Bürger im Euro-Raum, die ihre Kredite nicht oder nicht fristgerecht zurückzahlen können, gegenüber 2012 um 120 Milliarden Euro oder 15 Prozent.

Besonders stark betroffen seien Institute in den Krisenländern Spanien und Italien, wo in diesem Jahr 12,0 beziehungsweise 11,5 Prozent der vergebenen Kredite ausfallgefährdet seien. „Aufgrund der Konjunkturkrise und der steigenden Arbeitslosigkeit ist europaweit die Zahl der Bankkunden, die ihre Kredite nicht mehr bedienen können, deutlich gestiegen“, sagte EY-Partner Claus-Peter Wagner.

Die deutschen Geldhäuser stehen hingegen mit einem Anteil notleidender Kredite von aktuell 3,2 Prozent relativ gut da. Für die kommenden Jahre werde dank der vergleichsweise starken Binnenkonjunktur und des boomenden Immobilienmarkts zudem ein weiterer leichter Abbau auf 2,8 Prozent im Jahr 2017 prognostiziert.

Nach Überzeugung von EY ist die Spitze des Eisbergs inzwischen aber erreicht. Teilweise würden faule Kredite bereits auf sogenannte „Bad Banks“ übertragen, um den Bankensektor zu entlasten. Vom kommenden Jahr an dürften die Banken ihren Bestand an notleidenden Krediten auf breiter Front reduzieren - dank der verbesserten Konjunkturaussichten und der weiteren Übertragung von Krediten auf „Bad Banks“.

Zudem dürften Institute Kredite mit hoher Ausfallwahrscheinlichkeit weiter verkaufen, etwa an Finanzinvestoren. Nach EY-Schätzung wird das Volumen dieser Ausleihungen 2014 um 10 Prozent auf rund 846 Milliarden Euro sinken.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • bei ihrer rechnung fehlt allerdings noch etwas:

    die kosten entstehen so oder so die angestellten bekommen schliesslich immer ihr geld und laufende kosten etstehen auch, ob gearbeitet wird oder nicht. ob "geschäfte" gemacht werden oder nicht.

    vom eigenkapital wird nichts hinterlegt, sondern das ist das geld anderer guthabenkunden. insbesondere der festgeldkunden, sparbriefkunden usw; von deren guthaben wird die kreditrücklage bei der zentralbank hinterlegt.

  • naja, sehe ich nicht ganz so.
    1. Die Banken haben viele lokale Kredite für Bauvorhaben gegeben, die nicht nachhaltig waren
    2. Die Staaten haben viele EU-Fördermittel bekommen, die Massnahmen subventioniert haben, die nicht nachhaltig waren
    3. Die Staaten (z.B. Irrland) habe eine lasche Steuer-Gesetzgebung initiert - die nun Folgen hat

  • Mit der Theorie das Deutsche Banken weniger Faule Kredite bedienen ist man wohl eher Optimistisch. Ich Tendiere sogar zu mehr faule Kredite als in Europa. Nur werden die besser versteckt und das mit Hilfe des Staates ganz Legal

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