Höhere Ausgaben nicht immer gleichbedeutend mit höherer Qualität Deutschlands Zweiklassenmedizin

Warum werden gleiche Leistungen nicht gleich honoriert? Die private Krankenversicherung in der Diskussion.
  • Caspar Dohmen

HB DÜSSELDORF. Sind die hohen Ausgaben der privaten Krankenversicherer (PKV) ein Segen oder ein Fluch für die Branche? Für das Jahr 2003 spricht der Verband von einem Mehrerlös für Ärzte, Zahnärzte, Kliniken und Apotheker von 8,5 Milliarden Euro. In den beiden Vorjahren lagen diese bei 8,1 und 7,3 Milliarden Euro.

Insbesondere in der ambulanten Behandlung gibt es große Kostenunterschiede. Im Jahr 2003 hätten Privatversicherte 6,5 Milliarden Euro für Arzthonorare gezahlt, sagt PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach. Nach dem Maßstab der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wären aber nur 2,9 Milliarden Euro fällig gewesen. Das heißt: Vor allem niedergelassene Ärzte von Privatpatienten profitieren vom Zweiklassensystem.

Grob berechnet, tragen zehn Prozent Privatversicherte ein Fünftel des Praxis-Umsatzes. Privatpatienten seien für viele Praxen überlebensnotwendig, sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Roland Stahl. Schließlich zögen 30 000 der rund 100 000 Kassenarztpraxen aus der Behandlung gesetzlich Versicherter nur Einkünfte von 1 700 bis 2 000 Euro. Allerdings relativiert Stahl die Bedeutung der PKV. Große Bedeutung hätten die Privatpatienten nur in den alten Bundesländern, schließlich gebe es in den neuen Ländern viel weniger Privatpatienten.

Klar sei zudem, dass die gesetzliche Krankenversicherung schon allein aufgrund der puren Masse die zentrale Funktion für die Ärzteschaft in Deutschland habe. Experten schätzen, dass hier zu Lande auf sieben gesetzlich Versicherte nur ein privat Versicherter kommt. Naturgemäß kritisch beleuchtet auch der Sprecher des AOK–Bundesverbandes Udo Barske die PKV-Rolle. „Ist es wirtschaftlich wirklich sinnvoll, wenn die PKV das Doppelte wie die GKV für die gleiche Leistung zahlt“, fragt er. Zumal sich die höheren Ausgaben nicht in einer höheren medizinischen Qualität für die Versicherten niederschlagen würden. Außerdem biete die gesetzliche Krankenversicherung beispielsweise mit Disease-Management-Programmen für chronisch Kranke mehr als die privaten Konkurrenten.

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