Hohe Verluste JP Morgan verzockt Milliarden

JP Morgan hat sich mit einer fehlgeschlagenen Handelsstrategie einen drastischen Verlust eingebrockt. Es seien „ungeheuerliche Fehler“ begangenen worden, so Bankchef Jamie Dimon.
Update: 11.05.2012 - 02:42 Uhr 45 Kommentare

Dax verdaut den JP Morgan-Schreck

New YorkDie größte US-Bank JP Morgan Chase hat sich kräftig verspekuliert. Das Wall-Street-Institut hat seit Anfang April rund zwei Milliarden Dollar oder umgerechnet 1,5 Milliarden Euro bei riskanten Finanzwetten verloren. Die überraschenden Verluste beschädigen nicht nur den Ruf der Bank, die bisher als Fels in der Brandung der Finanzkrise zu sein schien. Sie sind auch Wasser auf die Mühlen derjenigen, die eine strengere Regulierung der Banken fordern. Bankchef Jamie Dimon sah sich am späten Donnerstag (Ortszeit) gezwungen, persönlich die Anleger zu informieren.

Die Verluste in der zentralen Risikosteuerungsabteilung Chief Investment Office seien selbstverschuldet, sagte er in einer eilig anberaumten Telefonkonferenz. Er sprach von „ungeheuerlichen Fehlern“, Schlampereien und falschen Entscheidungen. Derzeit werde untersucht, wie es genau dazu kommen konnte. „Das ist nicht die Art, wie wir unser Geschäft betreiben wollen“, erklärte Dimon.

Weil die Bank auch Wertpapiere mit Gewinn verkaufte, bleiben in der Risikosteuerungsabteilung für das zweite Quartal unter dem Strich statt zwei Milliarden Dollar lediglich 800 Millionen Dollar an Verlusten übrig. Ob es aber dabei bleibt, ist offen. „Es kann noch schlimmer werden“, sagte Dimon. Denn einige der Finanzgeschäfte laufen weiter. Die Bank will nicht überhastet aus den Geschäften aussteigen und damit noch größere Verluste riskieren.

Die Börsianer reagierten geschockt. Die Aktie fiel im nachbörslichen Handel um 6 Prozent und zog dabei auch andere Banktitel in den Keller. „Wir werden das lösen“, versicherte Dimon. Er lehnte es mehrfach ab, die Details der problematischen Finanzwetten offenzulegen.

Derartige Fehlschläge sind die Börsianer von JPMorgan Chase nicht gewohnt. Die New Yorker Bank ist das bestverdienende Kreditinstitut der Vereinigten Staaten und war fast ohne Blessuren durch die Finanzkrise gesteuert. Im ersten Quartal lag der Gewinn bei unterm Strich 5,4 Milliarden Dollar.

Die überraschende Veröffentlichung dürfte jedoch Auswirkungen weit über die Bank selbst hinaus haben. Derzeit befinden sich die US-Aufsichtsbehörden in der Endphase der Beratungen über die so genannte Volcker-Regel, die den Banken das Zocken auf eigene Rechnung verbietet. Allen voran JP Morgan-Chef Dimon hatte sich zuletzt gegen die aktuelle Fassung der Regel gewährt, die nach dem ehemaligen Notenbank-Chef Paul Volcker benannt ist. Die Handelsverluste ausgerechnet beim Branchenprimus dürften den Kräften in Politik und Aufsichtsbehörden Auftrieb geben, die für die Durchsetzung einer scharfen Fassung der Volcker-Regel sind.

JP Morgan verzockt Milliarden

Mit Material von dpa und Reuters

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45 Kommentare zu "Hohe Verluste : JP Morgan verzockt Milliarden"

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  • 1% ist noch nicht mal der (offizielle) Inflationsausgleich. Ganz abgesehen von den Opportunitäten. Anleger, die mehr wollen, handeln nicht gierig, sondern rational.

  • ich glaube nicht, dass jpm noch genug kundeneinlagen besitzt. in der eu existiert einen kapitalflucht zum kern. in den usa eine kapitalflucht weg von den NY banken. wahrscheinlicher ist, dass das geld dirket aus der druckerpresse gekommen ist.

  • falsch, diese bank scheint in einer londoner aussenstelle einen gigantischen hebel gegen "alle kontinentaleuropäer" eingestetz zu haben (quelle zerohedge und co). das eingestezte kapital liegt dabei in einer "vorstandsrelevanten" größenordnung. nach meinem kenntnisstand handelt es sich um einen strafrechtlich relevanten sachverhalt - trotz nicht vorhandener regulierung in diesem wirtschaftszweig.

  • richtig, so ist es und wahrscheinlich noch von der fed gedeckt - jpm hat anteile an der fed. deshalb meine forderung nach einem "neuen rapollo" am besten für die gesamte eu und nicht nur die brd.

  • Wer glaubt, dass solche derivativen Geschäfte, die sicherlich nicht immer nur zur Absicherung anderer Risiken dienen, stets in eine Richtung (Gewinn) gehen, der kann nur von der Materie keine Ahnung haben oder triff seine Anlageentscheidungen auf Basis der Vorhersagen von Wahrsagern.

    Die in Rede stehende Summe ist sicherlich sehr hoch und auch für eine Bank wie JPMorgan schmerzhaft aber eben auch zu verschmerzen. Nur zur Erinnerung - Gewinn Q1/12 ca. 5,4 Mrd USD.

    Damit an die Öffentlichkeit zu gehen, beweist doch nur, dass JPMorgan seiner Linie zumindest insofern treu geblieben ist, maximale Transparenz der Öffentlichkeit gegenüber an den Tag zu legen. Und das glaubhaft von Dimon vorgetragene Bedauern mit der Ankündigung die Vorfälle zu untersuchen und zu sanktionieren ist doch eben auch nur ein weiterer Hinweis, dass bei weitem höhere ("ethische") Standards für derartige Geschäfte angesetzt werden wie vor der Finanzkrise. Und dennoch gehören sie in gewissem Masse zum Kerngeschäft ein jeder Bank - mit allen verbundenen Risiken.

  • ist bereits auf zerohedge vor ein paar wochen veröffentlicht worden. neben anderen marktmanipulierenden geschäften ist vor allen dingen der hochfrequenzhandel mit schuld. die "jungen" programmierer waren nicht in der lage einen algorithmus zu schreiben, der auch so dinge wie ein chaotischen wahlergebinss wie in griecheland interpretieren kann. algorithmen können nur so viel wie die weltsicht des programmierers die wirklichkeit abbildet. schaut euch mal charts an, mann/frau kann bei fast allen graphen relaxationsschwingungen erkennen. nach 2008 haben die "finanzheinis" noch einen draufgesetz mit dem hochfrequenzhandel bei dem teilweise die laufzeit der signale im netz (2/3 der lichtgeschwindigkeit) erfolgsbestimment ist. die abzocke von diesen "playern" macht das "system" noch instabiler. dabei währen reformen im sinne der stärkung der teilautonomie der teilsysteme (länder, kontinente, einzelne märkte) erforderlich. in technisches system ist um so stabiler je autonomer (unabhängiger) seine teilsysteme sind. uk und usa verspielen immer mehr ihre glaubwürdigkeit. ich fordere eine "neues rapollo" für deutschland aber besser noch die gesamte eu.

  • Es ist natürlich nicht Morgen Stanley, sondern JP Morgan um den es sich handelt.

  • Risiken eingehen schon, aber nicht Verluste machen wie jetzt JP Morgan.

  • Noch einer Ergänzung dazu und @Handelsblatt:
    Schlagzeile und Inhalt haben die Qualität von "Bäcker läßt Brötchen anbrennen" oder "Frisuerin schneidet Haare zu kurz".

    Es ist nun mal die Rolle einer Bank Risiken einzugehen, sonst gäbt es keinen Kredit, weder für Euren Verlag noch für den Häuslebauer, noch für die Finanierung eines neuen Werks.

    @HB: Bedient Ihr mit diesem Geschreibsel die Kommentatoren, die sich dann daran aufgei.. und dann ihre substanzlosen Kommentare hier abladen?

  • Ja und? Das Geld ist doch nicht weg, es hat nur ein anderer. Verstehe die Aufregung mancher nicht.

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