Hoher Nettogewinn
Hypo-Vereinsbank-Mutter Unicredit überrascht

Die italienische Großbank Unicredit hat dank Einsparungen und weniger Belastungen durch faule Kredite überraschend viel verdient. Den guten Zahlen fielen viele Filialen und Arbeitsplätze zum Opfer.
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Mailand/BerlinDie italienische Großbank Unicredit hat dank höherer Gebühreneinnahmen, geringerer Belastungen durch faule Kredite und Kostensenkungen überraschend viel verdient. Der Nettogewinn im zweiten Quartal stieg um gut drei Prozent auf 945 Millionen Euro, wie die Mutter der Münchner HypoVereinsbank am Donnerstag mitteilte. Der erst seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschef Jean-Pierre Mustier äußerte sich zufrieden: „Der Motor läuft wie geschmiert.“ Er kündigte eine Dividendenzahlung an – die erste seit fünf Jahren. Bei den Anlegern kam das gut an: Die Aktie kletterte an der Mailänder Börse um fast fünf Prozent.

Mustier hat zahlreiche Filialen geschlossen und sich unter anderem vom Vermögensverwalter Pioneer getrennt, um die Bilanz der größten Bank Italiens zu stärken. Unicredit hatte nach der Finanzkrise unter einer chronisch schwachen Kapitaldecke gelitten. Das in 17 Ländern aktive Geldhaus profitierte auch von der Auflösung von Steuerrückstellungen in Deutschland in Höhe von zusammen 170 Millionen Euro im zweiten Quartal. Gründe dafür nannte die Bank nicht. Das Geschäft der früheren HVB, die Unicredit 2005 übernommen hatte, legte insgesamt zu.

Analysten hatten Unicredit nur 676 Millionen Euro Gewinn zugetraut. Die Bank hat dieses Jahr bereits eine Kapitalerhöhung im Volumen von 13 Milliarden Euro gestemmt. Der Verkauf der polnischen Tochter Pekao verbesserte die Kernkapitalquote bis Ende Juni zusätzlich auf 12,8 Prozent.

Unicredit hat seit Dezember in Westeuropa 464 Filialen geschlossen, alleine im Heimatmarkt Italien fielen im Juli 90 Standorte dem Rotstift Mustiers zum Opfer. Insgesamt will er 944 Geschäftsstellen dicht machen.

Beim geplanten Abbau von rund 14.000 Stellen hat die Bank seit Dezember 2015 fast die Hälfte des Weges hinter sich gebracht und nun bereits 6.000 Stellen weniger. Im Quartalsvergleich ging die Stellenzahl um etwas mehr als 1.100 zurück. Die Kosten sanken unter anderem dadurch konzernweit im zweiten Quartal um vier Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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