Holding in London: Deutsche Börse und LSE einigen sich auf Fusionsdetails

Holding in London
Deutsche Börse und LSE einigen sich auf Fusionsdetails

Der nächste Schritt zur Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange ist gemacht. Beide Unternehmen haben einen Zusammenschluss „auf Augenhöhe“ vereinbart. Der Deal soll Hunderte Millionen Euro sparen helfen.

FrankfurtDie Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) machen Ernst mit ihren Fusionsplänen. Der Vorstand der Deutsche Börse habe mit Zustimmung des Aufsichtsrates eine Vereinbarung über einen Zusammenschluss auf Augenhöhe abgeschlossen, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch mit. Damit sind die Weichen für die neue europäische Superbörse geschmiedet - doch noch sind nicht alle Hürden aus dem Weg geräumt. Nun sind Aktionäre und Aufseher am Zug.

Die Deutsche Börse und die LSE versprechen sich von ihrem geplanten Zusammenschluss hohe Einsparungen. Beide Unternehmen erwarten Kostensynergien von 450 Millionen Euro pro Jahr, wie die Börsenbetreiber am Mittwoch bei der Vorstellung ihrer detaillierten Fusionspläne mitteilten. Diese entstünden vor allem durch die gemeinsame Nutzung von Technologie und den Wegfall von Doppelarbeit.

Damit wären die Einsparungen deutlich höher als beim letzten Fusionsversuch mit der New York Stock Exchange im Jahr 2011. Damals hatten beide Unternehmen Kostensynergien von 300 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Deutsche Börse und LSE hatten Mitte Februar angekündigt, zum mit Abstand größten Börsenbetreiber Europas verschmelzen zu wollen.

Davon werde sich auch ein möglicher EU-Austritt Großbritanniens (Brexit) nicht abbringen. „Das kombinierte Unternehmen wird unabhängig vom Ausgang des britischen Referendums erfolgreich sein“, sagte Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Am 23. Juni stimmen die Briten darüber ab, ob das Land weiter Mitglied in der EU bleibt.

Kengeter betonte, dass auch bei einem negative Votum an den Bedingungen für die Fusion nicht gerüttelt werde. Allerdings hätten beide Seiten ein gemeinsames Beratungsgremium gebildet, dass die Auswirkungen eines Brexits beleuchten soll. Dies könnte zu einer Umverteilung der Geschäfte in der neuen Gruppe führen. Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) seien überzeugt, dass der Zusammenschluss beide Seiten stärke und die Chance biete, „einen führenden europäischen Anbieter für globale Marktinfrastruktur zu schaffen“.

Die neue europäische Superbörse soll ihren rechtlichen Sitz in London und Hauptsitze in der britischen Hauptstadt sowie in Frankfurt haben. Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter, der den Dax-Konzern erst seit Juni 2015 führt, soll das Gemeinschaftsunternehmen führen. Angestrebt ist, dass nach dem Umtausch der Aktien die Anteilseigner der Deutschen Börse mit 54,4 Prozent eine Mehrheit an der fusionierten Börse halten. LSE-Verwaltungsratschef Donald Brydon wird nach den Plänen diesen Posten auch im fusionierten Unternehmen übernehmen. Als sein Stellvertreter ist der derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Börse, Joachim Faber, vorgesehen. Nach Informationen des Handelsblatts soll Multi-Aufsichtsrätin Ann-Kristin Achleitner in das Aufsichtsgremium der neuen Börsen-Holding einziehen.

„Mit dem Zusammenschluss schaffen wir einen weltweit wettbewerbsfähigen Anbieter“, erklärte Kengeter. „Aktionäre werden durch beschleunigtes Unternehmenswachstum und die Realisierung von Kosten- und Umsatzsynergien von diesem wertschaffenden Zusammenschluss profitieren.“ Der seit sieben Jahren amtierende LSE-Chef Xavier Rolet, der im Falle eines erfolgreichen Deals ausscheiden wird, bekräftigte: „Wir erhöhen den Wert für unsere Aktionäre, die von erheblichen Kosten- und Umsatzsynergien profitieren.“

Die beiden Börsenbetreiber hatten nach Marktgerüchten vor drei Wochen ihre Pläne öffentlich gemacht. Für die Deutsche Börse ist es der dritte Anlauf in Sachen LSE nach 2000 und 2005. Zusammen würden Deutsche Börse und LSE nach Börsenwert zu den beiden US-Schwergewichten ICE und CME aufschließen.

Das Übernahmeangebot an die Aktionäre der Deutsche Börse muss zunächst von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) formal genehmigt werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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