Honorarberater Unabhängige Berater gehen in die Offensive

Ist das Modell der Honorarberatung nur für vermögende Privatkunden eine Option? Deutschlands Honorarberater weisen die Kritik der DZ Bank zurück und kontern: Stundensätze oder Betreuungshonorare seien allemal preiswerter als die versteckten Gebühren und Provisionen klassischer Banken.
Dieter Rauch, Geschäftsführer des VDH, kritisiert die Positionen der klassischen Anlageberater. Quelle: Pressefoto VDH

Dieter Rauch, Geschäftsführer des VDH, kritisiert die Positionen der klassischen Anlageberater.

FRANKFURT. Klassische Banken und unabhängige Berater liegen im Clinch. Gegenseitig beschuldigen sie sich der Irreführung der Anleger. Stein des Anstoßes ist eine aktuelle Studie der DZ Bank, die der Verbund Deutscher Honorarberater VDH und die Quirin Bank stark kritisieren.

Die Positionen der klassischen Anlageberater und der Honorarberater sind höchst unterschiedlich. Traditionelle Berater verkaufen und beraten gleichzeitig, beide Leistungen sind vermischt. Sie verdienen am Produktverkauf und verdienen bei höheren Gebühren eines verkauften Produktes tendenziell mehr. Honorarberater wollen diesen Interessenkonflikt lösen, indem sie beide Leistungen entkoppeln und dafür dem Anleger jeweils eigene Preise in Rechnung stellen. Sie verlangen eine Beratungsgebühr wie ein Rechtsanwalt, werden häufig nach Stunden bezahlt. Darüber hinaus bekommen sie für die Vermögensbetreuung eine laufende prozentuale Gebühr etwa in Abhängigkeit vom Anlagekapital, Vertriebsgebühren entfallen. So soll der Anreiz zum Verkauf teurer Produkte auf Kosten des Anlegers entfallen. Der Markt für Honorarberatung wächst zwar, ist aber immer noch sehr klein. Schätzungen zufolge stehen 1 500 dieser Berater etwa 250 000 Provisionsberatern gegenüber.

In der Umfrage der zur genossenschaftlichen Bankengruppe gehörenden DZ Bank "fühlen sich die meisten Anleger gut und objektiv beraten beziehungsweise sehen in der Geldanlageberatung keine Dienstleistung, die direkt zu vergüten ist", wie Vorstand Lars Hille sagt. Nach seiner Einschätzung fällt damit das Urteil der Anleger wesentlich besser aus, als es die aktuelle öffentliche Diskussion zur Beratungsqualität der Banken vermuten lässt. Der Umfrage zufolge fühlen sich nur rund 15 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben falsch beraten und haben dadurch Geld verloren.

Lediglich jeder Fünfte ist bereit, für eine neutrale Beratung ein Honorar zu entrichten. "Von diesen wiederum ist nur ein Viertel willens, den bei Honorarberatern nicht unüblichen Stundensatz von 150 Euro zu bezahlen", sagt DZ-Vorstand Hille. "Wie unsere Befragung und Beispiele aus der Praxis zeigen, gibt es im breitenwirksamen Bankgeschäft bisher keine Alternative zu provisionsbasierter Bezahlung, da Honorarmodelle von Kunden bisher nicht akzeptiert werden."

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