HSBC: Ende eines bizarren Machtkampfs

HSBC
Ende eines bizarren Machtkampfs

Europas größte Bank, die HSBC, wechselt nicht nur den Chairman, sondern auch gleich den CEO aus. Sogar in der harten Welt des Investment-Bankings ist man begeistert von der Entscheidung. Den Sprung an die Spitze verdankt Stuart Gulliver einem bizarren Machtkampf in der Bank.
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LONDON. In der harten Welt des Investment-Bankings fallen nur selten Komplimente über Konkurrenten. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis, wenn man sich in der Londoner City umhört, was die Banker vom Aufstieg von Stuart Gulliver an die Spitze von Europas größter Bank, HSBC, halten. Von "Traumbesetzung" ist da die Rede und von einem "bemerkenswert fähigen Manager".

Der so wortreich Gelobte galt bereits seit längerem als Favorit für die Nachfolge von Vorstandschef Michael Geoghegan, aber dass der öffentlichkeitsscheue oberste Investmentbanker von HSBC so schnell an die Spitze gespült wurde, lag vor allem an einem bizarren Machtkampf in der bislang für ihre Harmonie bekannten Bank.

Eigentlich suchte der Board von HSBC nur nach einem Nachfolger für den charismatischen Chairman Stephen Green, der in die Politik wechselt. Für Vorstandschef Geoghegan war klar, dass HSBC an der Tradition festhalten würde und ihn zum Chefkontrolleur befördern würde. Doch einflussreiche Großaktionäre wehrten sich gegen diese Lösung, weil es den Prinzipien der guten Unternehmensführung widerspricht, den Vorstandschef zum Aufseher über das eigene Haus zu machen. Am Ende entschied sich der Board für den bisherigen Finanzchef Douglas Flint als Chairman, und weil Geoghegan keine Lust hatte, sich von seinem bisherigen Untergebenen kontrollieren zu lassen, trat er zurück und machte den Weg für Gulliver frei. Plötzlich hatte HSBC nicht nur einen, sondern zwei neue Spitzenmanager.

Der 51-jährige Gulliver verbrachte quasi sein gesamtes Berufsleben bei HSBC. Vor 30 Jahren direkt nach dem Jurastudium in Oxford begann er seine Karriere als Devisenhändler. Nach Stationen in Hongkong, Tokio, Kuala Lumpur und der Golfregion übernahm er 2003 gemeinsam mit dem ehemaligen Morgan-Stanley-Banker John Studzinski das Kapitalmarktgeschäft von HSBC. Während Studzinski die Bank in die Topliga des Investment-Bankings führen wollte, sah Gullivers bescheidenerer Plan eine konsequente Ausrichtung auf die Kunden in den Emerging Markets vor, mit denen HSBC den Löwenanteil seines Geldes verdiente. Am Ende setzte sich der Brite durch, und Studzinski verließ HSBC. Unter Gullivers Führung verdienten die Investmentbanker von HSBC auch während der drei Jahre der Finanzkrise rund 20 Mrd. Pfund vor Steuern.

HSBC kam insgesamt sehr glimpflich durch die Turbulenzen an den Märkten und schrieb durchweg schwarze Zahlen. Das Lob dafür gebührt nach Meinung eines Londoner Personalberaters auch und vor allem dem erfahrenen Finanzvorstand und neuen Chairman, Douglas Flint. Der 55-Jährige gilt als einer der führenden Experten in Sachen Finanzregulierung und genießt das Vertrauen von Politikern und Aufsehern.

Diese Eigenschaften dürften maßgeblich zu seinem Aufstieg beigetragen haben, schließlich hat die britische Regierung gerade eine Kommission eingesetzt, die prüfen soll, ob Großbanken wie HSBC aufgespalten werden müssen.

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