HSH-Vorstand Roth im Interview: „Es war wie eine soziale Exekution“

HSH-Vorstand Roth im Interview
„Es war wie eine soziale Exekution“

Die HSH Nordbank feuerte im April 2009 ihren Vorstand Frank Roth. Er habe geheime Unterlagen an die Presse weiter gegeben. Doch die Staatsanwälte stellten ihre Ermittlungen ein. Im Interview mit dem Handelsblatt erzählt Roth von der angeblichen Verschwörung von Aufsichtsratschef Kopper und Vorstandsvorsitzendem Nonnenmacher gegen ihn.
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Handelsblatt: Herr Roth, Sie wurden im April 2009 fristlos entlassen. Gleichzeitig erstattete ihr damaliger Arbeitgeber, die HSH Nordbank, eine Strafanzeige wegen Geheimnisverrats gegen Sie. Sie sollen streng vertrauliche Strategieunterlagen dritten Personen zugänglich gemacht haben. Sie können eigentlich kein Unschuldslamm sein, oder?

Frank Roth: Ich habe mir nichts vorzuwerfen und mich immer rechtmäßig verhalten. Ich empfand das wie eine soziale Exekution.Ich war praktisch innerhalb von 24 Stunden erledigt. Jetzt bin ich zurück.

Das kann Sie doch nicht gänzlich unvorbereitet erwischt haben?

Ich habe jedenfalls mit so etwas nicht gerechnet. An dem betreffenden Tag war ein Treffen mit dem Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher vorgesehen. Dann teilten mir Nonnenmacher, der damalige Aufsichtsratschef Wolfgang Peiner und Rechtsanwalt Joachim Erbe mit, dass es Beweise gebe, die belegen würden, dass ich vertrauliche Informationen an die Presse gegeben habe. Heute wissen wir: Das war eine glatte Lüge. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat festgestellt, dass es diese Beweise nicht gibt. Ein Freispruch erster Klasse und eine schallende Ohrfeige für die Bank. Und in ihrer eigenen Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung ist die Bank nun selbst von diesem grotesken Vorwurf abgerückt. Das sagt doch schon alles.

Wussten Sie, worum es sich handelt?

Das angebliche Beweisstück wurde mir damals seitens der HSH bezeichnenderweise nicht gezeigt. Ich konnte mir zwar rein hypothetisch vorstellen, dass Informationen durch Dritte weitergeleitet wurden, wie es öfters in Konzernkreisen vorkommen soll. Gleichzeitig war mir jedoch klar: Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich hatte in dieser Situation sogar noch spontan mein Bedauern geäußert, dass die Bank nun offensichtlich mit einer zusätzlichen Belastung umgehen musste.

Wann kamen Sie mit dem angeblichen Beweis in Kontakt?

Nach sechs Wochen fand eine Hausdurchsuchung statt. Dabei zeigte mir die Staatsanwaltschaft die Kopie eines Schreibens, das ich angeblich weitergeleitet haben sollte. So komisch es klingt: In dem Moment war ich völlig erleichtert. Mit diesem – wie eine Collage aussehenden – einzigem Blatt, zusammenkopiertes Papier konnte ich nichts anfangen. Gleichzeitig war mir dann jedoch klar, dass da jemand angebliche Beweise manipuliert haben muss. Da war also offenbar erhebliche kriminelle Energie im Spiel.

Hatten Sie einen Verdacht?

Nein, den hatte ich damals noch nicht. Aber es ist ein eng definierter Kreis, der dafür in Frage kommt. Ich bin zuversichtlich, dass das aufgeklärt wird. Ich habe Strafantrag gegen den Chef-Justitiar der HSH Nordbank und einen ehemaligen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Prevent gestellt. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass bestimmte Personen ohne Auftrag tätig wurden. Weitere Strafanträge ergeben sich womöglich aus den Ermittlungsergebnissen.

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Kommentare zu " HSH-Vorstand Roth im Interview: „Es war wie eine soziale Exekution“"

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  • ignorant ist es nicht das zu berücksichtigen, was Herr Roth hier wörtlich gesagt hat und wie die Lemminge alle in eine Richtung zu laufen ohne den eigenen Kopf zu benutzen. bisher war Hinterfragen von Vordergründigem in dieser Republik nicht verboten.
    Wenn ich ein solcher Saubermann wir Herr Roth wäre, hätte ich mich schon vor einem Jahr gewehrt und meine Ansprüche auf dem Klageweg durchgesetzt.

  • @Enno2010
    Da Sie offensichtlich die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft ignorieren und weiter mit Schmutz werfen, wie darf ich Sie dann ansprechen?
    Mit Dr. Nonnenmacher oder mit Mr. Peanuts?
    Oder einfach nur Eure ignoranz?

  • Wieso war Herr Roth erleichtert als er das angebliche belastungsschreiben sah ? Hatte er ein anderes - mehr belastendes - Schriftstück erwartet ?

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