Hugo Bänziger
„Betrugsversuch im Keim erstickt“

Der Risikovorstand der Deutschen Bank, Hugo Bänziger, spricht im Interview über den jüngsten Skandal bei der Schweizer Großbank UBS und die Folgen für das Risikomanagement der Finanzinstitute.

FrankfurtHandelsblatt: Die UBS wird gerade von einem Milliardenverlust durch einen einzelnen Händler erschüttert. Die Banken haben doch ihr Risikomanagement verbessert: Wie kann so etwas noch passieren?

Hugo Bänziger: Solange die Details zu diesem Fall nicht bekannt sind, kann ich wenig dazu sagen. Betrug kommt in unserer Gesellschaft - leider - immer wieder vor. Wir müssen uns darauf vorbereiten. Die Deutsche Bank besitzt ein umfangreiches Kontrollsystem, um solche Fälle zu vermeiden. Über die Jahre konnten wir so einige Betrugsversuche im Keim ersticken.

Handelsblatt: Die Deutsche Bank baut gerade ihr Risikozentrum in Berlin aus. Wozu brauchen Sie ein Risiko-Center?

Bänziger: Wir wollen das Risikomanagement als Kompetenzzentrum für die Gesamtbank in Berlin bündeln. Deshalb werden auch Mitarbeiter aus Mumbai und New York sowie London hierher verlagert. Dabei werden komplexe Risikomanagementprozesse wie die Validierung von Kapitalmodellen oder Berechnung von Stressszenarien automatisiert. Dadurch können wir Fehler praktisch auf null reduzieren. Wir wissen ja, dass rund ein Prozent aller Transaktionen, die durch menschliche Handlungen in Gang gesetzt werden, fehlerbehaftet sind. In Berlin erledigen wir zukünftig alle mit quantitativen Methoden und Daten verbundenen Aufgaben, um die Kollegen in den unterschiedlichsten Bereichen der Bank zu unterstützen.

Handelsblatt: Warum ausgerechnet in Berlin?

Bänziger: Berlin ist die einzige Hauptstadt in Europa ohne die Zentrale einer großen Bank. Wir waren hier aber schon immer präsent. Bisher war die bei jungen Leuten sehr beliebte Stadt ein Studienort und insofern eine Art "Durchlauferhitzer" für hervorragende Physiker und Mathematiker. Jetzt bieten wir die Chance, nach dem Studium in Berlin zu bleiben.

Handelsblatt: Sie wollten bis Ende 2011 insgesamt 300 Mitarbeiter einstellen, wo stehen Sie heute?

Bänziger: Das Ziel werden wir auch erreichen, heute sind wir bei 230 Mitarbeitern angekommen, und im Endstadium peilen wir sogar 700 Stellen an.

Handelsblatt: Aktuell leiden die Banken ja vor allem unter der Staatsschuldenkrise. Haben Sie die kommen sehen?

Bänziger: Bei uns gingen schon im Jahr 2008 die Warnlampen an, deshalb ist unser Exposure auch vergleichsweise niedrig. Aber die Finanzprobleme einiger Euro-Länder gehören derzeit sicher zu den größeren Risikothemen, die wir im Auge haben. Heute befinden sich die Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft in einer Lage, in der die Fehlertoleranz der Bürger nicht mehr sehr groß ist..

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