Hunderte Filialen schließen
Kahlschlag bei der Hypo-Vereinsbank

Manchmal ist Wirtschaft wie ein Termin beim Zahnarzt: Es ist klar, dass es sein muss, aber wenn es passiert, tut es weh. Die Mitarbeiter der Hypo-Vereinsbank haben heute ihren „Termin“. Nicht alle werden ihn überstehen.
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MünchenDie Hypo-Vereinsbank hat sich mit den Arbeitnehmern auf den grundlegenden Umbau des Privatkundengeschäfts und einen Stellenabbau geeinigt. Bis 2015 sollen 240 der noch rund 580 Standorte geschlossen oder zusammengelegt werden, insgesamt 1500 Stellen werden im Zuge des Umbaus gestrichen – davon 1300 im Privatkundengeschäft und etwa 200 in der Zentrale, wie die Tochter der italienischen Unicredit am Mittwoch in München mitteilte.

Parallel sollen durch die Modernisierung der bestehenden Filialen und den Ausbau des Onlineangebots jedoch neue Arbeitsplätze entstehen. Die Bank wolle alles daran setzen, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern, erklärte die HVB. Pro Jahr sollten mindestens 200 Mitarbeiter auf freie Stellen in der Bank vermittelt werden. Ende 2013 hatte die HVB rund 19.000 Mitarbeiter auf Vollzeitbasis.

An rund 50 Orten sollen Selbstbedienungszonen erhalten bleiben. „Für 85 Prozent der HVB-Kunden, die Beratung in Anspruch nehmen, erhöht sich der Weg zur nächsten Filiale damit nicht oder kaum“, erklärte die Bank.

Die Größenordnung des Jobabbaus und den Umbau hatte Bankchef Theodor Weimer bereits angekündigt. Die HVB reagiert mit der Straffung des Filialnetzes auch auf das veränderte Kundenverhalten. Viele Menschen wickeln ihre alltäglichen Bankgeschäfte inzwischen via Internet ab. Die HVB will daher künftig verstärkt auf Onlinebanking und Videoberatung setzen.

„Unsere Investitionen sind ein klares Bekenntnis zum Privatkundengeschäft und Filialen als wichtigem Bestandteil der Multikanalstrategie“, sagte HVB-Privatkundenchef Peter Buschbeck. Laut Weimer will sich die Bank künftig verstärkt auf wohlhabende Kunden konzentrieren.

Die HVB hatte es nie geschafft, ein flächendeckendes Netz von Filialen in ganz Deutschland aufzubauen. Gleichzeitig liegen viele Bankstellen in Städten im Süden nahe beieinander. Auch die Commerzbank arbeitet an ihrer Filialstrategie. Sie geht aber vorsichtiger vor und testet bis Anfang 2015 zunächst mehrere Modelle für die Bankfiliale der Zukunft. Schließungen von Standorten sind dort nicht geplant. Insgesamt verschwindet in Deutschland seit Jahren je ein Prozent der Bankfilialen.

Starker Gegenwind im Investmentbanking macht der HVB zu schaffen. Der Gewinn des Münchener Instituts brach im ersten Halbjahr um 59 Prozent auf 334 Millionen Euro ein. Die Unicredit-Tochter leidet wie andere Investmentbanken darunter, dass viele Unternehmen derzeit weniger Geschäfte zur Absicherung von Währungs- oder Zinsrisiken abschließen. „Das enorm niedrige Zinsniveau hat auch bei uns Spuren hinterlassen“, sagte Weimer am Mittwoch. Sein Finanzchef Peter Hofbauer redete Klartext: „Es lässt sich nicht leugnen, dass wir in schwierigen Zeiten leben in dieser Branche“.

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  • die geilsten kaufleute sind doch die herren von den sparkassen und landesbanken. im notfall steht immer der staat für mögliche verluste gerade... und zwar seit jahrzehnten,...

  • Deutschland - Land der Extreme!

    Läuft´s in der Wirtschaft gut, wird das Geld nur so heraus geschmissen (insbesondere bei Großunternehmen),

    läuft´s in der Wirtschaft schlechter (nicht schlecht!), wird das Personal heraus geschmissen!

    Tolle Logik unserer super Wirtschafts(ver)führer.

    Wie wär´s mal mit dem gesunden Mittelweg, nämlich viele Interessen zu berücksichtigen (Staat, Bürger, Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten)?

    Wahrscheinlich nie was davon gehört.

    All min heißt es wohl in den Vorstandsetagen. Rafft einfach alles zusammen, Ihr werdet schon sehen was Ihr davon habt.

  • Ich bedauere, dass diese Bank nicht ganz schließt. Sie hätte es verdient. z.B. Steuerbetrug mit fragwürdigen Aktiendeals. "Besonders weit sind die Behörden bei den Ermittlungen gegen die Hypo-Vereinsbank (HVB), die den Staat um 200 Millionen Euro geschädigt haben soll." Auch die Hypo Real Estate, die 123,98 Milliarden Euro Garantien zuzüglich 7,7 Milliarden Euro direkte Hilfe durch Kapitalmaßnahmen aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) beansprucht (Stand 30. September 2010), war ein Teil der HypoVereinsbank Gruppe. Abgesehen hat davon diese Bank Methoden mit unliebsamen Kunden umzugehen, die sehr fragwürdig sind (kann belegt werden).

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