Hypo Alpe Adria
Ex-Vorstand Kulterer gibt BayernLB die Schuld

Im Prozess um die Hypo Alpe Adria weist der Ex-Vorstand Wolfgang Kulterer den Vorwurf der Untreue von sich. Er fühle sich als Bauernopfer, Schuld trage vielmehr die BayernLB, die die Bank geben die Wand gefahren habe.
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Wien/Klagenfurt

Der ehemalige Vorstandschef der früheren BayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria (HGAA), Wolfgang Kulterer, sieht sich unschuldig angeklagt. Er wies am Dienstag zum Prozessauftakt in Klagenfurt den Verdacht der Untreue von sich. Mit dem Bankenchef und späteren Aufsichtsratsvorsitzenden steht eine Schlüsselfigur des HGAA-Skandals vor Gericht. Mit der Verhandlung vor dem Landesgericht Klagenfurt beginnt auch die juristische Aufarbeitung des Milliardendesasters mit der HGAA, das die bayerischen Steuerzahler mehr als 3,7 Milliarden Euro gekostet hat. Neben Kulterer sind zwei frühere Manager der HGAA angeklagt. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen Haftstrafen bis zu zehn Jahren.

In dem Verfahren geht es um die Vergabe zweier Kredite ohne die entsprechenden Sicherheiten: Ein Darlehen von zwei Millionen Euro an die später in Konkurs geschlitterte österreichische Regionalfluglinie Styrian Spirit sowie einen Kredit über 150.000 Euro an einen Privatdetektiv. Der damalige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider soll sich persönlich für die Vergabe eingesetzt haben. Nach Einschätzung von Beobachtern ist der Bank durch die Vergabe von zahlreichen anderen risikoreichen Krediten ein weitaus höherer Schaden entstanden. In den beiden Fällen habe es nur ausreichend Hinweise gegeben, um konkrete Personen anzuklagen.

"Es wird sich zeigen, dass es keinen Grund für eine Verurteilung gibt", sagte Kulterer am Dienstag. Er fühlt sich als Bauernopfer und sieht die wahren Schuldigen in Bayern. Nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA warf sein Anwalt Ferdinand Lanker der Anklagebehörde vor, Kulterer mit allen Mitteln kriminalisieren zu wollen. Das Verfahren werde beweisen, dass Kulterer in keinen Entscheidungsprozess eingegriffen und keine Weisung erteilt habe. Kulterer habe die Hypo von einem 200-Mann-Betrieb in einen Konzern ausgebaut. Dadurch sei der Eindruck entstanden, er habe über alle Vorgänge in dem Unternehmen Bescheid gewusst. Das könne aber bei einem Betrieb mit bis zu 8.000 Mitarbeitern keineswegs der Fall sein, so der Anwalt. Der wahre Skandal sei die BayernLB, die die Bank an die Wand gefahren habe.

Die HGAA war 2007 von der BayernLB übernommen worden, obwohl es damals bereits Hinweise auf die riskante Kreditvergabe gegeben haben soll. Nach Milliardenverlusten verkaufte die BayernLB die Tochter Ende 2009 für einen Euro an Österreich, das sie zwangsverstaatlichte. In dem Verfahren in Klagenfurt sind zunächst zehn Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil wird frühestens am 25. März erwartet. Als prominente Zeugen sollen unter anderem der ehemalige Haider-Vertraute Stefan Petzner sowie der ehemalige Vorstandsvorsitzende der BayernLB Werner Schmidt aussagen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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