Hypo Alpe Adria
Österreich scheut die Bankenpleite

Der österreichische Notenbankchef will am Sonntag einer Insolvenz der Kärntner Skandalbank Hypo Alpe Adria eine Absage erteilen. Die Wiener Regierung will eine Bad Bank schon bald auf den Weg bringen. Die wird teuer.
  • 1

Die verstaatlichte österreichische Großbank Hypo Alpe Adria soll durch eine Bad Bank vor der Insolvenz gerettet werden. Die Expertengruppe unter Führung des österreichischen Notenbank-Chefs Ewald Nowotny will am kommenden Sonntag diese Lösung für die frühere Tochter der Bayerischen Landesbank vorschlagen. Damit wäre eine Pleite vom Tisch, die von der österreichischen Regierung als Alternative erwogen wird. Das bestätigten Finanzexperten in Wien. Auch in österreichischen Regierungskreisen wird davon ausgegangen, dass eine Insolvenz der Hypo nicht mehr in Frage kommt. Die Notenbank wollte sich auf Anfrage nicht zu der bevorstehenden Entscheidung äußern.

Die österreichische Regierung wartet dringend auf den Abschlussbericht einer sechsköpfigen Expertengruppe, um eine endgültige Entscheidung über der frühere Tochter der Bayerischen Landesbank zu treffen. „Die Regierung wird bis Ende März eine Entscheidung treffen“, sagte ein Sprecher des österreichischen Finanzministers und Vizekanzlers Michael Spindelegger (ÖVP) am Donnerstag. Die Koalition aus SPÖ und ÖVP will möglichst schnell ein Sondergesetz zur Schaffung einer Bad Bank auf den Weg bringen, das noch vor der Sommerpause vom Parlament verabschiedet werden soll.

Vor der Hintergrund einer Lösung hat die Ratingagentur Moody’s gerade die Aussichten für eine Reihe österreichische Banken von „negativ“ auf „stabil“ gestellt. Davon profitieren können beispielsweise die Österreichische Postsparkasse, eine Tochter der Bawag, und die staatliche Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank und die Hypo Alpe Adria Bank International.

Unter Wirtschaftsexperten und Banker ist die Lösung mit einer Bad Bank unterdessen umstritten. „Eine nicht systemrelevante Bank wie die Hypo Alpe Adria muss grundsätzlich Pleite gehen können. Das wird aber nicht passieren, weil einige große Gläubiger der Hypo Alpe Adria als ,too big to fail‘ eingestuft werden und unter einem Totalausfall ihrer Anleihen schwer zu kauen hätten. Deshalb ist die Bad Bank ist unserer Einschätzung nach beschlossene Sache“, sagte der österreichische Wirtschaftsexperte, Franz Schellhorn, Handelsblatt Online (hier der Wortlaut des Gesprächs).

Offen sei noch, für welche Variante sich die Regierung entscheiden werde. Herauskommen werde, so der Chef der liberalen Denkfabrik Agenda Austria, eine Lösung, bei der die Steuerzahler den vollen Schaden übernehmen müssen. Eine Insolvenz der Hypo Alpe Adria war zuletzt vom Andreas Treichl, CEO der österreichischen Bank Die Erste, als Lösung ins Spiel gebracht worden. Die österreichische Nationalbank schätzt den möglichen Schaden bei einer Pleite auf bis zu 24 Milliarden Euro.

Seite 1:

Österreich scheut die Bankenpleite

Seite 2:

Umstrittener Berater

Kommentare zu " Hypo Alpe Adria: Österreich scheut die Bankenpleite "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • das kapitallose aktivisten haftungsfrei Unternehmenleiten sollte aus meiner Sicht verboten gehören. Die mittelständischen Pleiten bringen hier doch ein ganz klares Bild. Wie einfach es ist sich heute auf den Kapitalmärkten Geld zu leihen und seine persönliche Haftung durch spielereien gegen null zu bringen zeigen diese Beispiele nur zu gut. Selbst dem kleinsten mittelinteligenten Unternehmer ist dies bewust. Der Markt würde sich ruckartig klären und diese verzerrungen wären behoben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%