Hypo Real Estate: 237 Euro von jedem

Hypo Real Estate
237 Euro von jedem

Vor fünf Jahren rettete der Steuerzahler die Hypo Real Estate. Er wird nur einen Bruchteil seines Geldes wiedersehen. Merkels Deal bewahrte die Republik vor Chaos – doch der Preis für die Rettung der HRE war hoch.
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HamburgEs ist Viertel vor eins in der Nacht, als das Mobiltelefon von Josef Ackermann klingelt. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist dran, sie möchte vom Chef der Deutschen Bank eine Einschätzung. Es ist die Nacht auf Montag, den 29. September 2008. Der Bank Hypo Real Estate (HRE) droht die Pleite, weil ihr Tochterinstitut Depfa an den Finanzmärkten kein Geld mehr bekommt. Ackermann ist bei den Rettungsgesprächen in Frankfurt, doch diese stehen vor dem Scheitern.

Ackermann befürchtet, dass eine Pleite der HRE Panik an den Finanzmärkten auslöst und am Morgen der Zahlungsverkehr in ganz Europa zusammenbricht. Stillstand in der Wirtschaft, Panik bei den Bürgern – alles scheint in diesem Moment möglich.Der Banker und die Kanzlerin feilschen kurz, dann, nach Rücksprache mit der Rettungsrunde in Frankfurt, einigen sich beide darauf, dass Deutschlands Banken sich zusammen mit dem Bund an der HRE-Rettung beteiligen. Deal! Sagt Angela Merkel.

Es war für Deutschland der gefährlichste Moment der Finanzkrise, Merkels Deal bewahrte die Republik vor Chaos – doch der Preis für die Rettung der HRE war hoch. Auf die Stabilisierung der Bank folgten deren Verstaatlichung sowie Kapitalspritzen, um sie am Leben zu halten. So hat die HRE als größter deutscher Schadensfall der Krise den Staat bisher 19,1 Milliarden Euro gekostet. Das sind 237 Euro für jeden Bürger, ob Baby oder Greis, ob Putzfrau oder Arbeiter. Das ist fast so viel, wie die Bundesregierung in diesem Jahr pro Kopf für Bildung, Forschung, Technologie und Wirtschaft zusammen ausgibt.

Heute, fünf Jahre nach dem teuren Telefonat, möchte der Bund das ungeliebte Eigentum gerne wieder loswerden. Seit Kurzem steht die Depfa zum Verkauf, bis Ende 2015 muss dann ein weiterer Teil der alten HRE wieder in private Hände gegeben werden. So will der Staat sein Geld zurückbekommen und die Steuerzahler entlasten.

Doch wer immer in ein paar Jahren Finanzminister sein wird: Er wird den Deutschen eröffnen müssen, dass die Erlöse lächerlich niedrig ausfallen. Die Gesamtrechnung hat mehrere Variablen, auch will kaum ein Beteiligter offen darüber reden, doch nach heutigem Ermessen wird der Steuerzahler unterm Strich rund 14 Milliarden Euro verlieren. Die Rettung der HRE – finanziell wird sie als Desaster enden.

Kommentare zu " Hypo Real Estate: 237 Euro von jedem"

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  • Falsch nicht 237 € von jedem.

    Zahlen tun wieder mal nur die Steuerzahler. Durch die bewußte Nutzung eines falschen Quotienten werden die Zahlen kleingerechnet.

  • empfehle ..... gläubigerliste HRE zu googeln-gibts auch bei zeit online.....dann geht ooch deb blinden ein ooge uff

    nicht nur die deutsche bang wär platt gewesen ......

  • Sehen wir es doch mal realistisch. Für die Depfa interessieren sich wenn überhaupt allerhöchstens Finanzinvestoren. Und die werden den Bund zu massiven finanziellen Zugeständnissen zwingen das sie den Schrott abnehmen.
    Verkaufserlös = 0 Euro. Eher ein Draufleggeschäft.

    Für die Pfandbriefbank könnten sich andere Banken interessieren, was aber vor allem daran liegt das man mit dem Kauf eine Pfandbrieflizenz erwerben würde.

    Ich bezweifle, das Banken wirklich Interesse an der Pfandbriefbank haben. Zumal auch nicht klar ist, wie sich die Pfandbriefbank nach dem Staatsaausstieg refinanzieren will.

    Verkauserlös = Weniger als 1 Milliarde

    Hätte man die ganze HRE Gruppe von Anfang an abgewickelt, dann wären die Verluste möglicherweise kleiner als jetzt.

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