Hypo Real Estate

HRE-Kernbank hinkt beim Neugeschäft hinterher

Ein Volumen von acht Milliarden Euro will die Kernbank PBB der Hypo Real Estate in diesem Jahr erreichen. Bisher sind es erst 1,5 Milliarden Euro. Und auch beim Gewinn hatte sich das Institut mehr versprochen.
Update: 14.08.2012 - 09:34 Uhr 2 Kommentare
In der PBB sind die zukunftsträchtigen Geschäfte der Hypo Real Estate gebündelt. Quelle: dpa

In der PBB sind die zukunftsträchtigen Geschäfte der Hypo Real Estate gebündelt.

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MünchenDie Hypo Real Estate (HRE) ist mit ihrer Kernbank PBB auch im Frühjahr nicht in Schwung gekommen. Der Vorsteuergewinn der Deutschen Pfandbriefbank (PBB) fiel im zweiten Quartal 2012 auf 30 (Vorjahr: 68) Millionen Euro, wie das Kreditinstitut am Dienstag in München mitteilte. Vor allem der Zinsüberschuss sank deutlich und belastete das Ergebnis. Auch das Neugeschäft bleibt mit 0,7 Milliarden Euro von April bis Juni schwach.

Dennoch bekräftigte die PBB, dieses Jahr auf einen Vorsteuergewinn von 100 bis 140 Millionen Euro kommen zu wollen - nach den ersten sechs Monaten sind es 51 Millionen. Das würde aber immer noch einem deutlichen Rückgang gegenüber den 188 Millionen Euro aus dem Jahr 2011 entsprechen.

Das Neugeschäftsvolumen soll 2012 acht Milliarden Euro erreichen. Auch das erscheint nach nur 1,5 Milliarden Euro von Januar bis Juni ambitioniert. „Im zweiten Halbjahr wollen wir beim Neugeschäft deutlich zulegen“, erklärte PBB-Chefin Manuela Better. Im Juli seien allein 0,6 Milliarden Euro hinzugekommen. Weitere Abschlüsse stünden bevor.

In der PBB ist das zukunftsträchtige Geschäft der HRE gebündelt. Der Mutterkonzern stand in der Finanzkrise vor dem Aus und konnte nur dank staatlicher Hilfen im Volumen von zeitweise rund 150 Milliarden Euro gerettet werden. Die gefährlichsten Wertpapiere und Kredite wurden an die Bad Bank FMS ausgelagert, um mit der PBB einen Neuanfang wagen zu können. Der Bund will die pbb auf lange Sicht wieder privatisieren, sofern sich ein Käufer für die einst mit Steuermilliarden gerettete Bank findet.

Das sind die Milliardenfriedhöfe der Geldinstitute
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Bad Banks

In den sogenannten Bad Banks haben deutsche Institute seit dem Beginn der Finanzkrise ihre krisenverursachenden Schrottpapiere ausgelagert. Bad Banks sind also die Abwicklungsanstalten der Geldhäuser. Dort sollten die Papiere eigentlich still und leise beerdigt werden. Doch die Abwicklung zieht sich. Es kann noch lange dauern, bis alle Schrottpapiere „unter der Erde“ sind und in Frieden ruhen.
Die Krisengeschäfte wurden von den Banken entweder in externe Gesellschaften ausgelagert oder sie werden intern abgewickelt. Das größte Milliardengrab in Deutschland ist die Bad Bank der Hypo Real Estate (HRE).

HRE-"Bad Bank" schreibt 3 Milliarden Euro ab
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Hypo Real Estate

Ende 2010 lagerte die verstaatlichte Hypo Real Estate mit Unterstützung des Bundes Risikokredite und Randgeschäfte im Wert von 175 Milliarden Euro in eine Bad Bank aus. Die Gesellschaft ist rechtlich von der Münchener Hypo Real Estate abgespalten.

Buchungsfehler bei Abwicklung der HRE durch FMS Wertmanagement
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Hypo Real Estate

Die Bad Bank firmiert unter dem Namen FMS Wertmanagement. Das Problem der sauberen rechtlichen Trennung ist, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Löcher der staatlichen Bad Bank mit Steuergeldern stopfen muss. Bis 2020 könnten noch weitere Milliarden-Abschreibungen folgen. In der Zusammenarbeit zwischen HRE und FMS gibt es zudem immer wieder Pannen. Denn das wenige Personal der FMS kann die Arbeit nicht ohne die HRE-Kollegen erledigen.
Der spektakulärste Fehler war dabei der 55-Milliarden-Euro-Rechenfehler im Herbst 2011. Schuld daran waren allerdings die Mitarbeiter der irischen HRE-Tochter Depfa, die ihre Kollegen nicht über abweichende Buchungsmethoden informiert hatten.

Bad Bank der Hypo Real Estate gestartet
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Hypo Real Estate

Außerdem musste die Bad Bank FMS Wertmanagement Milliarden-Abschreibungen nach dem griechischen Schuldenschnitt hinnehmen. Insgesamt kamen so 8,9 Milliarden Euro zusammen. Weitere Belastungen durch die Hellas-Anleihen sind möglich. Im Geschäftsjahr 2011 hat die Bad Bank insgesamt 9,97 Milliarden Euro Verlust gemacht.

Die gesunden Reste der Hypo Real Estate wurden unterdessen umbenannt. Die Bank schreibt ihre Kunden mittlerweile unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank (PBB) an.

Bilanzpressekonferenz WestLB
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WestLB

Die Landesbank Nordrhein-Westfalens mit Sitz in Düsseldorf ist seit dem 1. Juli 2012 Geschichte. Die Bank wurde nach Vorgaben der EU-Kommission zerschlagen. Die Lasten der Vergangenheit werden dagegen nicht so schnell verschwinden.

Die Bad Bank der WestLB, die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), hatte Ende 2011 Schrottpapiere im Wert von 51 Milliarden Euro im Depot. Bei der Ausgliederung des schadhaften Portfolios Ende 2009 war der Nominalwert mit 77,5 Milliarden Euro allerdings noch ein Drittel höher. Der Abwicklungsplan sah ursprünglich einen Rückgang auf 55 Milliarden Euro bis Ende 2011 vor. Doch mit der Abwicklung der WestLB bekam die EAA einen neuen Haufen Arbeit.

WestLB-Abwicklungsanstalt
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WestLB

Portfolios mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro werden nun aus der Erbmasse der WestLB bei der EAA landen. Für Verluste aus der Abwicklung stehen Steuerzahler und Sparkassen gerade. Allein für das mit besonders risikoreichen Papieren bestückte, „Phoenix“-Portfolio haben Land und Sparkassen Garantien in einer Höhe von fünf Milliarden Euro gegeben.

West LB-Mitarbeiter demonstrieren
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WestLB

Der Immobilien-Finanzierer Westimmo ist als Ganzes in die Abwicklungsanstalt EAA überführt worden. Denn das Institut ist eine Pfandbrief-Bank - und damit nicht so leicht aufzulösen. Der Pfandbrief, eine mit Immobilien- oder Staatskrediten besicherte Bankanleihe, genießt in Deutschland einen hohen gesetzlichen Schutz. Die Kreditbestände können aber erst mit der Zeit abgebaut werden. Erst wenn Pfandbriefe fällig werden, werden auch Kreditsicherheiten überflüssig. Das Vermögen der Bad Bank EAA soll bis zum Jahr 2025 verkauft werden.

(Bild: Demo von WestLB-Mitarbeitern vor der Zentrale in Düsseldorf im Juni 2011)

  • rtr
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2 Kommentare zu "Hypo Real Estate: HRE-Kernbank hinkt beim Neugeschäft massiv hinterher"

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  • Wer will schon mit dieser Bank Geschäfte machen, wo diese doch sehr wahrscheinlich eher früher als später abgewickelt oder an einen Totengräber verschenkt wird.

  • ist bei dem umfeld doch garnichtso schlecht und auch mit blick auf die IKB. lieber weniger geschäft und dafür keine neuen risken.

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