Hypo-Real-Estate-Prozess
Ex-HRE-Manager bestreiten Bilanzfälschung

In München steht seit Montag die deutsche Symbolfigur der internationalen Finanzkrise vor Gericht: der ehemalige HRE-Chef Georg Funke. Am ersten Verhandlungstag kam der mitangeklagte Ex-Finanzchef Markus Fell zu Wort.
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MünchenNach jahrelangen Verzögerungen hat der Strafprozess gegen die deutsche Symbolfigur der internationalen Finanzkrise begonnen: Georg Funke, früherer Vorstandschef der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), steht seit Montag vor dem Landgericht München I. Die Staatsanwaltschaft warf Funke und dem mitangeklagten früheren HRE-Finanzchef Markus Fell zum Prozessauftakt vor, die Krise der Bankengruppe im Geschäftsbericht 2007 und im ersten Halbjahr 2008 verschleiert und geschönt zu haben - „eine unvertretbar und evident falsche Darstellung der Liquiditätslage der HRE“, sagte Staatsanwältin Franziska Schmidt am Montag zum Auftakt des Prozesses.

Der frühere Finanzchef Fell versuchte, alle diese Vorwürfe zu entkräften. Sachlich erläuterte der 52-Jährige vor dem Gericht seine Sichtweise und ging dabei auf zahlreiche Details der Geschäftslage und der damalige Finanzberichte der HRE ein. Jahrelang geübt in Vorträgen vor Investoren, blickte Fell zwar immer wieder in sein Manuskript, sprach aber weitgehend frei. „Zusammenfassend ergibt sich eine weit differenziertere Darstellung der Liquiditätslage, als sie die Staatsanwaltschaft München I in ihrer Anklageschrift suggeriert“, erklärte er.

Mit der spektakulären Rettung des einstigen Dax-Konzerns im Herbst 2008 war die internationale Finanzkrise endgültig in Deutschland angekommen. Der Staat pumpte aus Angst vor Ansteckungseffekten fast zehn Milliarden Euro in die HRE, hinzu kamen Garantien bis zu 124 Milliarden Euro. Für Deutschlands Steuerzahler war die HRE damit der teuerste Schadenfall der Krise. Eine Insolvenz der „systemrelevanten“ Bank hätte nach damaliger Einschätzung im Dominoeffekt weitere große Bankpleiten nach sich gezogen.

Funke und sein damaliger Finanzvorstand Markus Fell verfolgten die Verlesung der Anklage im Landgericht mit regungslosen Gesichtern. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Bilanzfälschung vor, bei Fell geht es zusätzlich um mutmaßliche Marktmanipulation. Der Finanzchef habe noch wenige Tage vor der Rettung die existenzbedrohende Lage der Bank vor Investoren schöngeredet.

Bei einer Verurteilung drohen den Managern im äußersten Fall mehrjährige Freiheitsstrafen. Beide haben die Anschuldigungen zurückgewiesen. Fell wollte sich noch am Montag vor Gericht äußern. Funke plant nach Angaben seines Verteidigers am Dienstag eine ausführliche Stellungnahme.

Im Vorfeld der Verhandlung hatte Funke den damaligen SPD-Finanzminister Peer Steinbrück und die Umstände für das Desaster verantwortlich gemacht. Im September 2008 hatte der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers zur Folge, dass die wechselseitige Kreditvergabe der Banken quasi über Nacht zum Erliegen kam – der HRE ging das Geld aus. „Das war die eigentliche Ursache“, sagte Funkes Verteidiger Wolfgang Kreuzer vor Beginn der Verhandlung. „Ganz entscheidend war am Ende Herr Steinbrück mit der sehr unbedachten Bemerkung, die Bank müsse abgewickelt werden.“

Die beiden Staatsanwältinnen Schmidt und Hildegard Bäumler-Hösl schilderten ausführlich, wie die HRE in den Jahren 2007 und 2008 immer tiefer in den Strudel der Finanzkrise geraten war. Die Krise hatte ihren Ursprung in den USA, wo der Häusermarkt wegen fauler Immobilienkredite zusammengebrochen war. Viele dieser Darlehen waren in den Boomjahren in hochkomplexe Wertpapiere gebündelt und rund um den Globus an Banken als vermeintlich sicheres Investment verkauft worden. Als der Markt in sich zusammenfiel, erwiesen sich auch diese Bonds als wertlos.

Die Folge war ein enormer Abschreibungsbedarf bei vielen Banken, etliche Häuser gerieten ins Schlingern. Dass auch die HRE den Wert dieser Kreditverbriefungen abschreiben musste, spielt in dem nun angelaufenen Strafprozess aber keine wesentliche Rolle. Die Staatsanwaltschaft konzentriert sich vielmehr darauf, dass die HRE aufgrund des Misstrauens an den Finanzmärkten schließlich kein frisches Geld mehr bekam, das sie zur Refinanzierung von Krediten dringend benötigte.

Die heraufziehende Gefahr der austrocknenden Geldmärkte hätten Funke und Fell bereits im Sommer 2007 erkannt, sagte Bäumler-Hösl. Das werde auch dadurch deutlich, dass die Manager im August 2007 erste Konsequenzen gezogen hätten, indem sie das Neugeschäft mit gewerblichen Immobilienfinanzierungen vorübergehend einstellten.

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Eine Übernahme zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt

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  • Hier fehlen also rd.€ 2.000.- pro Kopf jedes Bundesbürgers.
    Bei Uli Höneß waren es nur ca. 25 ct.

  • Mich stört, dass Herr Funke nur wegen Bilanzfälschung angeklagt ist. Reden wir einmal über Managerhaftung.

    Dass Manager gelegentlich auch Risiken eingehen müssen, ist mir bewußt. Das sollte in meinen Augen auch straffrei bleiben. Aber es gibt eben auch andere Fälle. Fälle, in denen ein Manager die primitivsten Grundregeln seiner Branche vorsätzlich mißachtet.

    So wird beispielsweise bei einer Banklehre den Schülern schon am dritten Tag eingebläut, dass man kurzfristig entliehenes Geld nicht langfristig ausleihen darf. Die von der HRE übernommene Depfa verstieß absichtlich und kaltlächelnd gegen diese Bankregel. Dass deren Manager straflos und schadensersatzlos davon kommen, halte ich für einen Skandal. Es ist auch ein Grund, dass der Gesetzgeber die Regeln der Managerhaftung von Grund auf überdenken sollte.

    Zu den primitivsten Grundregeln des Bankgeschäfts gehört auch, dass man die Bonität eines Kreditnehmers überprüft. Tatsächlich haben amerikanische Banken im Rahmen der subprime-Krise riesige Milliardenbeträge an arbeitslose Habenichtse verliehen. Die wertlosen Hypothekenforderungen wurden gebündelt und dann an andere Banken verkauft. Unter anderem auch an die HRE. Sich gegen Milliardenbeträge wertloses Zeug andrehen zu lassen, beweist, dass es keine Bonitätsprüfung gab und deshalb ein Milliardenschaden entstand. Macht nichts, der verantwortliche Manager erhält dafür sicher noch einen goldenen Handschlag.

  • Der Bericht macht endlich klar, wo die Finanzkrise ihren Ausgangspunkt hatte. Den USA. Soweit ich mich erinnere wollte die Clinton-Administration jedem Amerikaner ein Eigenheim ermöglichen, auch denen die nicht kreditwürdig waren. Die eingeleitete Deregulierung machte aus dem "Geschäft Immobilienfinanzierung" ein Casino. Leider haben sich Banken wie die HRE und auch die DB an diesem Roulette beteiligt. Chefs wie Funke und Ackermann sind diese Risiken eingegangen. Funke hat es halt erwischt. Ackermanns Nachfolger und die Belegschaft der DB zahlen Milliarden an die US-Behörden wegen angeblichen Unregelmäßigkeiten in einem angeblich deregulierten Markt. Deutsche Behörden sollten nun die 183 Mrd € für die Bankenrettung bei Trump einfordern!

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