Hypotheken-Pfusch
Deutsche Bank soll US-Steuerzahler geprellt haben

Die Subprime-Krise holt die Deutsche Bank ein: Die US-Regierung verklagt das Institut, weil es faule Häuserkredite vergeben und über ihre Qualität gelogen haben soll - damit der US-Steuerzahler für die Ausfälle bürgt.
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WashingtonDie Deutsche Bank hat entschlossenen Widerstand gegen die Klage der US-Regierung wegen möglichen Hypothekenbetrugs angekündigt. "Nach unserer Einschätzung entbehrt die Klage gegen Mortgage IT und die Deutsche Bank jeder Grundlage", sagte ein Konzernsprecher am Dienstag in Frankfurt. "Wir werden uns mit allen rechtlichen Mitteln dagegen zur Wehr setzen."

Zuvor hatte das US-Justizministerium angekündigt, Deutschlands größtes Geldhaus und ihre US-Tochter Mortgage IT verklagen zu wollen. Der in New York eingereichten Klage zufolge machte das Finanzinstitut unrichtige Angaben gegenüber dem Staat, der für die Hypotheken versicherte - so konnte die Bank die Kredite weiterverkaufen. Aus Finanzkreisen hieß es, es gehe um möglicherweise zu Unrecht in Anspruch genommene Ausfallgarantien für Hypothekenkredite im Umfang von 386 Millionen Dollar. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg geht es um eine Summe von insgesamt einer Milliarde Dollar.

Die Bank hatte die auf die Vergabe, den Ankauf und die Verbriefung von Wohnimmobilienkrediten spezialisierte Firma MortgageIT im Jahr 2007 übernommen, nur wenige Monate, bevor der Markt für Ramschkredite zusammenbrach und den gesamten Immobilienmarkt mitriss. Die Vorwürfe der US-Staatsanwaltschaft, so hieß es aus Finanzkreisen, beziehen sich auf von der Federal Housing Authority für einen Teil der Hypothekenkredite übernommene Garantien. Die Frage sei, ob diese Garantien beim Niedergang des überhitzten US-Immobilienmarktes zu Recht oder zu Unrecht in Anspruch genommen wurden, als die Zahlungen für die Hypotheken ausblieben.

Vor der Finanzkrise hatten die USA ihren Häusermarkt durch staatliche Garantieprogramme subventioniert. Banken vergaben auf dem Häusermarkt Kredite, für die der Staat garantierte, wenn sie bestimmten Mindeststandards entsprachen: Die Hypothek musste an solvente Schuldner mit regelmäigem Einkommen vergeben werden. Mit diesem "Gütesiegel" - und der staatlichen Ausfallgarantie im Rücken - konnten Banken die Kredite weiterverkaufen und so Kapital für neue Kredite freimachen.

In der Klage heißt es nun, die Deutsche Bank habe leichtsinnig Hypotheken ausgewählt, die den Qualitätsstandards des Versicherungsprogramms der US-Regierung nicht entsprochen hätten. Das Finanzinstitut habe sich nicht darum gekümmert, ob die Kreditnehmer ihre Raten bedienen konnten oder nicht.

Die US-Regierung wirft der Bank vor, Ramschkredite vergeben und sie dann der Regierung gegenüber als einwandfrei bezeichnet zu haben - um in den Genuss des staatlichen Versicherungsschutz zu kommen und die faulen Kredite weiterverkaufen zu können. Der Staat fordert von der Bank Schadenersatz und zusätzlich eine Geldstrafe.

Die Deutsche Bank habe am Weiterverkauf der Hypotheken verdient" und kaum finanzielle Anreize gehabt, um die Qualität der abgesicherten Kredite zu sichern", heißt es in der Klage. Es handle sich um "rücksichtslose Praktiken bei der Vergabe von Hypothekenkrediten".

Zivilklagen werden in den USA häufig mit millionenschweren Vergleichen außergerichtlich beigelegt. Für sie gelten geringere Anforderungen an die Beweiserhebung als in Strafsachen.

Die Deutsche-Bank-Aktie brach nach Bekanntwerden der Klage ein und war vorübergehend größter Dax-Verlierer. Am Ende ging das Papier am Dienstagabend mit einem Minus von gut zwei Prozent aus dem Handel. Die Deutsche Bank und MortgageIT „vollführten die schlimmsten der gewagten Kreditvergabepraktiken in der Branche“, sagte US-Staatsanwalt Preet Bharara auf einer Pressekonferenz in Manhattan. Bisher seien keine anderen Banken angeklagt, aber Bharara fügte hinzu, es brauche nur wenig Fantasie, um sich zu vorzustellen, das sie sich auch andere Kreditinstitute anschauen. US-Generalstaatsanwalt Eric Holder teilte dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses derweil mit, das Justizministerium sei bei der Untersuchung von Hypothekenbanken sehr aktiv - einschließlich der Einzelpersonen, die dort angestellt seien.

Die US-Regierung hatte die Vergabe von Immobilienkrediten an Privatleute gefördert. Dadurch boomte der Immobilienmarkt über viele Jahre und Preise wurden teils künstlich in die Höhe getrieben. Doch das Kartenhaus brach in den Jahren 2007 und 2008 zusammen und sorgte für heftige Verluste bei den Banken, die die Risiken zum Teil wegen waghalsiger Finanztransaktionen aus dem Auge verloren hatten. Der Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts gilt als einer der wichtigsten Gründe für weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise.

Die Deutsche Bank hatte sich mit der Übernahme der Mortgage IT Holdings Anfang 2007 einen Einstieg in das damals noch stark boomende Geschäft mit Hypothekenkrediten in den USA verschafft. Kurz darauf platzte die Immobilienblase und viele Hausbesitzer konnten ihre Raten nicht mehr zahlen. Noch heute gibt es massenhaft Ausfälle.

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Kommentare zu " Hypotheken-Pfusch: Deutsche Bank soll US-Steuerzahler geprellt haben"

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  • Soll man sich auf die HV der Bank freuen? Dort wird wieder alles schön geredet und von den institutionellen shareholdern am Ende "abgenicht". Wie soll man denn erwarten, daß eine Bank die sich 25% Kapitalverzinsung aufs Panier geschrieben hat auf diese Art Erträge aus dem Investment-Banking verzichtet. 2007 gab es dafür ja auch die entsprechenden Boni. Und das "settlement" mit der US-Justiz kriegt man ja auch noch hin. Es geht weiter - endlos.

  • Es stimmt bei allem doch wieder einmal nachdenklich, dass sich die US-Regierung zunächst gegen ein ausländisches Geldinstitut richtet.

  • Die Deutsche Bank hat nicht nur die US-Steuerzahler geprellt, sondern ihr wurde via der Banken-BailOuts von Merkels Gnaden auch vom deutschen Steuerzahler zig Milliarden zugeschustert.

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