ICICI Bank: Indischer Senkrechtstarter

ICICI Bank
Indischer Senkrechtstarter

Die ICICI Bank ist das Wunderkind der indischen Finanzbranche. Kein anderes Institut hat die Chancen der Wirtschaftsliberalisierung in dem aufstrebenden Schwellenland so konsequent und wagemutig genutzt. Innerhalb eines Jahrzehnts wuchs ein kleiner, angeschlagener Projekt-Finanzierer zur ersten Allfinanzgruppe der Nation und deren zweitgrößter Bank heran.

DELHI. Von der einstigen "Industrial Credit and Investment Corporation of India" sind nur die Initialen geblieben. Die Transformation zu Indiens führender Privatkundenbank ist das Werk von K. Vaman Kamath. Unter seiner Führung spielt ICICI den aggressiven Vorreiter bei Indiens wichtigstem Finanztrend: Die Bank bereitete seit Ende der 90er Jahre einer Explosion von Konsumkrediten den Weg. Das wird inzwischen von allen kopiert. "Aber wir genießen drei Jahre Vorsprung auf die Konkurrenz", glaubt Kamath. Der Finanzmogul hat den Aufstieg der indischen Mittelschicht vor seinen Rivalen erahnt. Denn vor dem Sprung an ICICIs Spitze hatte er viel Zeit in Boom-Ländern wie China und Indonesien verbracht, die vor Indien in die Marktwirtschaft gestartet waren. Dort erlebte er die Wirkung von Konsumkrediten hautnah.

Inzwischen sind die Kassandrarufer verstummt, die dem 60-Jährigen Scheitern am eigenen Größenwahn prophezeiten. Von null sind ICICIs Privatkundenkredite auf zwei Drittel der Bilanzsumme geschnellt. Die Bank ist nun Indiens größter Hypothekenanbieter und Nummer eins bei Kreditkarten. ICICI ist zudem der Technologieführer unter Indiens Banken. Früher und konsequenter Einsatz internetbasierter Systeme in der ganzen Organisation, moderne Anwendungen und billige lokale Software halten ihre Transaktionskosten niedrig.

Doch auch die Risiken wachsen: Analysten sorgen sich zunehmend um die Qualität von ICICIs Kreditportfolio. Ein großer Teil davon ist unbesichert. Steigende Ausfälle belasteten zuletzt den Gewinn. Dieser stieg im Vorjahr wegen hoher Rückstellungen unterdurchschnittlich: um 22 Prozent auf 31 Mrd. Rupien (800 Mill. Dollar). Zugleich schnellten die zweifelhaften Kredite um ein Drittel auf ein Prozent der Ausleihungen.

Unbeirrt forciert Kamath die Expansion: Die Bilanzsumme stieg im Vorjahr um 37 Prozent auf 3,4 Billionen Rupien (88 Mrd. Dollar) Um in diesem Tempo weiter zu wachsen und zugleich die Risiken zu senken, setzt Indiens bekanntester Banker allerdings auf neue Geschäftsfelder. Zum einen treibt er das Institut zurück ins angestammte Firmenkundengeschäft. Es soll vom massiven Investitionsvolumen für neue Fabriken und für Infrastruktur profitieren. Dieses wird von ICICI auf eine halbe Billion Dollar bis 2010 geschätzt - mehr als in den gesamten sechs Jahrzehnten seit Indiens Unabhängigkeit. Die Basis gilt unter Analysten als solide: Das Land wächst mit rund neun Prozent, und seine Firmen sind kerngesund, hochprofitabel und kreditwürdig. Indiens Wirtschaft zudem viel weniger von Exporten in die USA abhängig als der Rest Asiens, sondern lebt vor allem vom Binnenkonsum.

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