Immobilien
Die Resterampe der spanischen Banken

Die spanische Banco Santander will nach dem Notkauf von Banco Popular möglichst schnell deren faule Kredite und Immobilien loswerden. Die Spanische Bad Bank Sareb beobachtet das mit Sorge.
  • 0

Madrid Die Pläne sind ehrgeizig: Innerhalb von drei Jahren will Europas zweitgrößte Bank Banco Santander alle ertraglosen Aktiva der Banco Popular verkaufen. Santander hat Popular am vergangenen Mittwoch für einen Euro übernommen und damit vor dem Kollaps gerettet.

Ehrgeizig sind die Pläne deshalb, weil es Popular trotz zwei Kapitalerhöhungen selbst in fünf Jahren nicht geschafft hat, sich des Berges von 37 Milliarden fauler Vermögenswerte zu entledigen. Da ist die Frage angebracht, wieso es Santander jetzt so schnell gelingen soll.

Der Unterschied liegt in der unterschiedlichen Ausgangslage beider Banken. Banco Popular war daran gelegen, den Wert ihrer faulen Kredite möglichst gering anzusetzen. Banken sind verpflichtet, Rückstellung für das Ausfallrisiko ihrer notleidenden Werte zu bilden. Je größer das Risiko, desto höher die Rückstellungen. Wenn das Geld wie bei Popular aber ohnehin knapp ist, versucht man die Rückstellungen eben möglichst klein zu halten.

Je geringer aber die Rückstellungen, umso höher ist der Preis, den eine Bank für die Immobilien am Markt aufruft. Und je teurer eine Immobilie ist, umso schwieriger wird es, sie zu verkaufen. „Es gibt keine guten oder schlechten Immobilien, sondern nur gute oder schlechte Preise“, erklärt ein Sprecher der spanischen Bad Bank Sareb, die Ende 2012 die Immobilienbestände zahlreicher spanischer Banken übernommen hatte. Die hatten während des Booms leichtfertig Hypothekenkredite vergeben und wurden nach dem Platzen der Blase plötzlich Eigentümer von Hunderten Gebäuden, deren Besitzer ihre Kredite nicht mehr zurückbezahlen konnten.

Popular-Käufer Santander will nun über eine Kapitalerhöhung sieben Milliarden Euro einsammeln, um die Rückstellungen für die Immobilien und faulen Kredite zu verkaufen. Die Deckungsquote für Immobilien und faule Immobilienkredite erhöht sich damit von 45 auf 69 Prozent – insgesamt geht es um einen Betrag von 30 Milliarden Euro. Weitere sieben Milliarden Euro fauler Kredite hatte Popular in Form von anderen Darlehen in den Büchern.

Sareb beobachtet mit Sorge, dass nun preiswerte Immobilien auf den Markt kommen, denn die Bad Bank konkurriert mit diesen Angeboten. „Wir können nicht die niedrigen Preise der Banken mitgehen, weil wir kein anderes Geschäft haben, mit dem wir Verluste beim Verkauf kompensieren könnten“, heißt es in der Bad Bank.

Laut Sareb waren die Käufer anfangs vor allem Hedgefonds, die klassischerweise hohe Risiken eingehen. Inzwischen hat sich der spanische Immobilienmarkt aber erholt, die Preise steigen seit 2015 wieder und auch Spaniens Wirtschaft wächst kräftig. Das hat zur Folge, dass auch wieder spanische Familienkonzerne auf dem Markt zugreifen. „Zum Teil kaufen dieselben Bauträger, die in der Krise ein halbfertiges Gebäude an die Bank abgeben mussten, das jetzt zu einem deutlich geringeren Wert wieder zurück“, erklärt der Sareb-Sprecher. „Sie kennen die Gegend und können am besten einschätzen, welche Perspektiven die Immobilien dort haben.“

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

Kommentare zu " Immobilien: Die Resterampe der spanischen Banken"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%