Immobilientochter
LBBW startet Verkauf von 21.500 Wohnungen

Erste Informationen an mögliche Kaufinteressenten sind verschickt, bis Ende des Jahres soll das Geschäft abgeschlossen sein. Den Verkauf hatte die EU in der Finanzkrise zur Bedingung für staatliche Milliardenhilfen gemacht.
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StuttgartDie Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat den Startschuss für den Verkauf ihrer milliardenschweren Immobilientochter gegeben. Erste Informationen über die LBBW Immobilien GmbH mit ihren 21.500 Wohnungen und 300 Mitarbeitern seien „in diesen Tagen“ an mögliche Kaufinteressenten gegangen, teilte die Landesbank am Mittwoch in Stuttgart mit.

Der Verkauf der Tochter beruht auf einer EU-Vorgabe: Diese hatte die Veräußerung zur Bedingung für die Zukunft gemacht, als die Bank in der Finanzkrise von der öffentlichen Hand mit Milliardenbeträgen gestützt wurde. Die LBBW berichtete am Mittwoch, der Deal solle „möglichst bis Ende des Jahres abgeschlossen“ sein. Ein „ausführliches Verkaufsdokument“ werde in einigen Wochen folgen. Die dem Verkauf vorangehende Feinanalyse der Objekte mit ihrer vertieften Prüfung zu Wert und Risiken werde voraussichtlich im Herbst erfolgen.

Die Wohnungen befänden sich fast alle in Baden-Württemberg. Außerhalb dieses Bundeslandes zähle das Portfolio 1400 Wohnungen, vor allem in Wiesbaden, München, Berlin und Erfurt. Die EU-Auflage sieht den Verkauf bis spätestens Ende 2012 vor. Wie die „Financial Times Deutschland“ (Mittwoch) schreibt, wäre der gelungene Verkauf der bislang größte Immobiliendeal des Jahres.

Der LBBW zufolge schreibe die EU vor, dass „das insgesamt beste Angebot den Zuschlag erhält“. Was das im Detail bedeutet - und wie ausschlaggebend der gebotene Preis dabei ist - wollte ein Sprecher der Bank am Mittwoch auf Anfrage nicht sagen. In der Mitteilung der Bank heißt es zu den Vorgaben nur: „Dabei ist sich die LBBW ihrer Verantwortung gegenüber den Mietern und den Mitarbeitern bewusst.“

Immobilienverkäufe von der öffentlichen Hand an Privatinvestoren laufen nicht immer reibungslos. 2006 gingen beispielsweise in Dresden ehemals kommunale Wohnungen an einen Immobilienriesen. Bei dem Deal wurde eine „Sozialcharta“ zum Mieterschutz ausgehandelt. Um diesen Punkt tobt nun ein Rechtsstreit. Es geht um eine Vertragsstrafe in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro. Im Fall der LBBW werden daher die Namen möglicher Bieter mit Spannung erwartet.

Bereits Anfang Juni hatte ein Konsortium um die Stuttgarter GWG-Gruppe erklärt, für die LBBW-Immobilien bieten zu wollen. Die GWG (Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Baden-Württemberg AG) hält mit 59,9 Prozent die Mehrheit an dem Bieter-Zusammenschluss. Die Gruppe wiederum ist zu 98,2 Prozent Eigentum der R+V Versicherungen.

Der „FTD“ zufolge haben darüber hinaus mindestens fünf private Gesellschaften Kaufinteresse signalisiert. Das Blatt schreibt, dass sich vor diesem Hintergrund eine Bieterschlacht abzeichne. Nach dpa-Informationen haben die Immobilien einen Wert von weit mehr als 1 Milliarde Euro. Auch die „FTD“ schreibt von etwa 1,5 Milliarden Euro.

Laut LBBW werden vor dem Verkauf noch Teile der LBBW Immobilien GmbH abgespalten - etwa die Projektentwicklungssparte. Darüber hinaus werden 17.200 Wohnungen aus der Verwaltungsgesellschaft unter dem Dach der Tochter mit zum Verkaufsobjekt gehören - die Objekte in diesem Bestand werden nur für Dritte betreut, sie sind nicht in LBBW-Besitz. Für die 300 Mitarbeiter der Tochter gelte ein Kündigungsschutz bis Ende 2015. An dieser Jobsicherheit werde der Verkauf nichts ändern.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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