In der Vergangenheit viele Mittelständler verprellt Der wieder entdeckte Privatkunde wird hofiert

Auch Großbanken können aus Fehlern lernen. Nach den geplatzten Gewinnträumen mit weltumspannenden Börsengeschäften wird der Privatkunde wieder stärker hofiert. Der häufig auf anonyme Geldautomaten und Online-Geschäfte verwiesene „kleine Geschäftspartner“ ist als wichtige Ertragsquelle gefragt. Auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Banken im Umbruch“ wurden deshalb am Mittwoch in Frankfurt reihenweise Bekenntnisse zu dieser Neuorientierung abgegeben.

dpa FRANKFURT. Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, nutzte dabei seinen Auftritt, um die Bodenhaftung des Branchenführers zu untermauern. „Ohne starken Heimatmarkt gibt es keine Chance, als weltweit globale Bank tätig zu sein“, betonte er. Dies gelte für die Begleitung deutscher Unternehmen bei ihren internationalen Aktivitäten, aber auch für das Privatkundengeschäft. Wer deshalb immer noch über eine Verlagerung der Frankfurter Zentrale nach London spekuliere, „hat das Wesen der Bank nicht erkannt“.

Vor allem das anglo-amerikanische Auftreten hoch bezahlter Investmentbanker hatte in der Vergangenheit viele Mittelständler verprellt. Nach dem Umbau der Bank und der Konzentration auf die beiden Sparten Investmentbanking und Firmenkunden sowie Privat- und Geschäftskunden sind die Gewinne aus den Geschäftsbeziehungen mit der letzten Gruppe um mehr als das Vierfache gestiegen.

Auch der Vorstandssprecher der Münchner HypoVereinsbank, Dieter Rampl, will sich stärker auf den Mittelstand und die Privatkunden konzentrieren. Der Mittelstand stelle mit 97 Prozent die Masse aller deutschen Firmen. „Wir werden unsere Kunden dort abholen, wo sie ihren Lebensmittelpunkt verspüren: in ihrer Region“, bekräftigte der Chef der zweitgrößten deutschen Finanzhauses. Um die bröckelnde Kundentreue zu halten, seien aber größere Anstrengungen als in der Vergangenheit nötig.

Vorbei sind die Vorstellungen, mit Telefon- und Internetzugängen sowie standardisierten Produkten dieses Segment kostengünstig und damit profitabel zu betreiben. Auch die massive Schließung von Filialen scheint nicht mehr das Allheilmittel zur Kosteneinsparungen zu sein. „Der persönliche Kontakt wird auf absehbare Zeit für den Kunden wichtig bleiben“, betonte er. Beratungskompetenz der Belegschaft „ist daher für jede Bank überlebensnotwendig“.

Sparkassenpräsident Dietrich Hoppenstedt hielt den Großbanken vor, sie hätten über lange Zeit an normalen Firmen- oder gar Privatkunden gar kein Interesse gezeigt. „Jetzt wendet sich das Blatt und die Privat- und Firmenkunden werden wieder entdeckt“. Dabei müssten die Banken aber feststellen, dass es nicht leicht sei, den einmal verprellten Kunden wieder zu gewinnen, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.

Auch die Ertragskrise der großen Finanzhäuser vor allem im vergangenen Jahr ist nach Meinung von Hoppenstedt nicht allein mit den schwierigen Konjunkturlage und Unternehmenspleiten zu begründen. Vielmehr sei in Projekte investiert worden, deren Ertragskraft heute anders beurteilt werde. „Ich denke hier nur an den massiven Ausbau des Investmentbankings mit teilweise unvernünftig hohen Investitionen in Menschen Technik und Verfahren.“ Auch der Ausbau der Online-Wege habe nicht das gehalten, was viele sich davon versprochen hätten.

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