Infrastruktur-Investitionen So sicher wie die Eisenbahn

Um den gigantischen Schuldenberg abzutragen, den Staaten in der Krise angehäuft haben, verkaufen viele ihr Tafelsilber. Schienen, Häfen und Energienetze sind attraktiv für Finanzinvestoren. Sie reizt die langfristige Stabilität bei hoher Verzinsung.
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Begehrtes Schienennetz: Der Bedarf an Infrastruktur-Investitionen bis 2030 wird auf weltweit 4100 Mrd. Dollar geschätzt. Quelle: ap

Begehrtes Schienennetz: Der Bedarf an Infrastruktur-Investitionen bis 2030 wird auf weltweit 4100 Mrd. Dollar geschätzt.

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FRANKFURT. Zur Linderung der Finanzkrise und ihrer Folgen haben sich die Staaten in gigantischem Ausmaß verschuldet. Für Großanleger entstehen daraus Chancen: Experten sind sich einig, dass in den nächsten Jahren der Markt für Infrastruktur-Investitionen wie Straßen, Schienen oder Flughäfen weltweit kräftig zulegen wird. Viele klamme Staaten müssen ihr Tafelsilber verkaufen. Für die Finanzinvestoren sind die Objekte attraktiv, da sie langfristig gute Renditen versprechen.

"Der Druck auf Staaten, Banken und Versorgern, Infrastrukturvermögen zu verkaufen, ist gewachsen", sagt Rüdiger Kollmann, Vorstand des Münchener Dachfondsanbieters Solutio. Investoren wie Private-Equity-Fonds, Pensionsfonds oder auch Versicherern stehe auf der anderen Seite wieder genügend Kredit für Übernahmen zur Verfügung. Und die wirtschaftliche Erholung sorge dafür, dass sich Käufer und Verkäufer wieder leichter auf Preise einigen könnten. "Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden Jahren noch mehr Transaktionen sehen werden", bestätigt auch Ferdinand Knapp, der im europäischen Investmentbanking der Citigroup die Bereiche Infrastruktur und Transport leitet.

Die Transaktionen häufen sich

Schon heute stößt die Anlageklasse auf immenses Interesse. Erst kürzlich hatte ein Fonds der australischen Großbank Macquarie für 574 Mio. Euro den Antennenbetreiber für das Rundfunknetz in Tschechien übernommen. Die hauseigene Investmentsparte der Citigroup prüft derzeit den Kauf der australischen Teile des Hafenbetreibers DP World. Und in den USA läuft derzeit die Versteigerung des drittgrößten Bus- und Schienennetzbetreibers New Jersey Transit.

Die Schweizer UBS schätzt den Bedarf an Infrastruktur-Investitionen in den Bereichen Wasser, Energie, Straßen und Schiene sowie See- und Flughäfen bis 2030 auf weltweit 4100 Milliarden Dollar. Er könnte noch höher liegen, denn klar ist, dass die meisten Staaten vor der Krise ihre Ausgaben gedrosselt haben.

Umgekehrt zeigt sich, dass die Privaten die Attraktivität des Segments erkannt haben. Marktkennern zufolge können sie auf eine Verzinsung im hohen einstelligen Prozentbereich hoffen, mitunter werden sogar bis zu 15 Prozent erreicht. Zugleich bleiben Schwankungen weitgehend aus: Auch in schlechten Zeiten spart kaum jemand an Heizungs- oder Internetausgaben.

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1 Kommentar zu "Infrastruktur-Investitionen: So sicher wie die Eisenbahn"

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  • Die öffentliche Hand hat anscheinend nichts dazugelernt. Wieder scheint sie auf die investmentbanker reinzufallen.
    Haben schon alle die Lease-back Desaster vergessen? Will die öffentliche Hand jetzt den Ausverkauf?
    Die Frage die sich mir aufdrängt ist,
    wenn diese Objekte so hohe Renditen abwerfen, warum streichen wir diese Renditen nicht selbst ein, sondern werfen wir sie den Finanzfirmen in den Rachen?
    Ob Pforzheim, Köln, Stuttgart oder sonst wo in dieser unseren Republik, Gewinner waren immer die Finanzinstitute. Wir bezahlen deren Verluste und deren Gewinne.
    Wie man diese System nennt, will ich garnicht wissen.

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