Innovationspreis „Diamond Star“
Zwei Preise, drei Gewinner

Zum zweiten Mal haben das Handelsblatt und Euroforum während der Bankentagung den Innovationspreis „Diamond Star“ vergeben. Gewonnen haben ein Fintech, eine Bank – und ein Mobilfunkanbieter.

FrankfurtOb als Dienstleister, Kooperationspartner oder Ideengeber, wenn es um die Zukunft der Bankbranche geht, führt an innovativen Finanztechnologiefirmen kein Weg vorbei. Trotzdem dürfte es den Fintechs nicht anders gehen als anderen Start-ups: Höchstens jedes Zehnte wird sich langfristig am Markt behaupten. Ein besonders aussichtsreicher Kandidat könnte das Münchener Unternehmen FintecSystems sein. Auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ wurde es am Mittwoch mit dem „Diamond Star“ in der Rubrik Fintech ausgezeichnet, eines 2015 ins Leben gerufenen Innovationspreises von Handelsblatt und Euroforum.

„Wir sind keine Bank, wir vergeben keine Kredite und machen kein Scoring, aber wir ermöglichen eine digitale Selbstauskunft innerhalb weniger Minuten“, umreißt Martin Schmid das Geschäftsmodell. Er ist einer von drei Geschäftsführern des jungen Unternehmens. Gegründet wurde das Fintech vor gut zwei Jahren von Stefan Krautkrämer und Dirk Rudolf, den ehemaligen Mitgründern des Bezahldienstes „Sofortüberweisung“, der vor zweieinhalb Jahren vom schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna übernommen wurde.

„Wir nutzen den Online-Zugang der Verbraucher und erstellen damit eine vollautomatisierte und präzise Finanzanalyse zu seiner Kreditfähigkeit“, erklärt Schmid. In der Praxis müsse sich der Kunde dafür lediglich auf der Website des Kreditgebers mit seinen bekannten Online-Banking-Daten einloggen. Anschließend müsse er die Datenschutzhinweise von FintecSystems akzeptieren und dann würden die kreditrelevanten Umsätze würden identifiziert und ausgewertet. Gespeichert würden diese Daten von dem Fintech aber nicht.

Inzwischen arbeiten insgesamt 20 Mitarbeiter in München und in Linden bei Gießen. Zu den Kunden zählen etwa die Novum Bank auf Malta, die Berliner Solaris Bank und die auf Ratenkredite spezialisierte DKB-Tochter SKG Bank. Operativ arbeiten sie bereits kostendeckend, berichten die Geschäftsführer, Ende 2017 sollen schwarze Zahlen geschrieben werden. Deswegen soll die gerade abgeschlossene Finanzierungsrunde in siebenstelliger Höhe auch die letzte gewesen sein. Auf der Agenda steht als nächstes vor allem die Expansion ins weitere europäische Ausland, zu allererst nach Spanien.

Im Vorfeld der Preisverleihung hatte eine siebenköpfige Jury unter der Schirmherrschaft des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir FintecSystems sowie Entrafin und Lendstar in den Kreis der Finalisten gewählt. Die drei Favoriten hatten sich dann am Mittwochabend dem Publikum vorgestellt, welches durch Applaudieren die Sieger bestimmte.

Das Fintech Entrafin ist ein Finanzierungsdienstleister, der die Finanzierung im Mittelstand revolutionieren will, indem er als Mittelsmann zwischen Käufer und Lieferant agiert. Dabei erhalte der Verkäufer sein Geld sofort, während dem Käufer ein bis zu 100-tägiges Zahlungsziel eingeräumt werde, erklärte Gründer Stefan Fenner.

Lendstar bezeichnet sich selbst als „soziale Finanz-App fürs Zahlen und Chatten unter Freunden“. Nutzer können ihren Freunden darüber Geld schicken und gemeinsame Rechnungen untereinander aufteilen. Kooperationen gibt es bereits mit Sparda-Banken und Genossenschaftsbanken. Die App sei bereits 100.000 Mal heruntergeladen worden, sagt Lendstar-Gründer Christopher Kampshoff.

Neben dem Fintech-Preis wurde am Mittwoch auch ein Diamond Star im Bereich Digital Retail Banking vergeben - und das gleich an zwei Unternehmen. Was die Banken nervös und die Fintechs hellhörig macht, hat die Jury überzeugt: Die Kooperation zwischen der Fidor Bank und Telefonica. Das in Deutschland eher unter den Marken O2 und E-plus bekannte Mobilfunkunternehmen hat rund 43 Millionen Kunden und steht nun mit seinem O2-Banking  vor der Herausforderung, diese auch als Bankkunden zu gewinnen.

Um eine eigene Banklizenz hat sich Telefonica nicht gekümmert. Als Partner für die Abwicklung des Bankgeschäfts konnte die Fidor Bank gewonnen werden. Fidor-Chef Matthias Kröner gründete die Internet-Bank im Jahr 2009 und gehört damit zu den Pionieren unter den Fintechs. Vor einem Monat übernahm die französische Großbank BPCE die Fidor Bank mit Sitz in München.

Telefonica und Fidor Bank wollen das Smartphone zur vollwertigen Bank machen. Das ist ein Ansatz, den das Fintech N26 (vormals Number 26) auch schon länger verfolgt. O2-Banking-Kunden können mit ihrer Mobilfunknummer Überweisungen vornehmen und kleinere Sofortkredite in Anspruch nehmen. Eine kostenlose Mastercard, die nur als Debitcard funktioniert, ist Teil des Pakets. Statt mit Zinsen werden Bankkunden mit zusätzlichem Datenvolumen für ihr Smartphone belohnt – je nach Nutzungsintensität liegt dieses Volumen zwischen 500 Megabyte und einem Gigabyte.

Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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