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Deutsche Bank speckt auch in Italien ab

Möglicherweise plant die Deutsche Bank ihre Präsenz in Italien abzubauen, so Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Derzeit hat das südliche Nachbarland das zweitgrößte Filialnetz nach dem Heimatmarkt.
Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main Quelle: dpa
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Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

(Foto: dpa)

RomDie Schrumpfkur der Deutschen Bank könnte nach Angaben aus Finanzkreisen auch das Geschäft in Italien treffen. Der neue Vorstandschef John Cryan schaue sich genau an, ob die Bank weiter mit rund 370 Filialen in dem südeuropäischen Land vertreten sein müsse, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Im Moment ist es das zweitgrößte Filialnetz nach dem Heimatmarkt Deutschland. "Über die Präsenz wird neu nachgedacht. Es geht nicht darum, sich aus Italien zurückzuziehen", betonte einer der Insider. "Aber eine Reduzierung der Niederlassungen ist möglich. Man könnte sich stärker auf die Kunden fokussieren, mit denen man Geld verdient." Entscheidungen seien noch keine gefallen. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Cryan ist seit Juli im Amt. Er feilte in den vergangenen Monaten an Details der "Strategie 2020", die er von seinem Vorgänger Anshu Jain geerbt hat. Im Kern geht es darum, die Deutsche Bank kleiner und schlagkräftiger zu machen und Kosten zu senken: Das heimische Privatkundengeschäft wird deutlich heruntergefahren - durch die geplante Trennung von der Postbank und eine Ausdünnung der verbleibenden "blauen" Filialen. Einschnitte soll es auch in der Investmentbank geben, um die Kapitaldecke zu schonen. Finale Entscheidungen will Cryan am 29. Oktober präsentieren.

Die Mächtigen der Deutschen Bank
John Cryan
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Der Co-Chef der Deutschen Bank, John Cryan, steht seit 1. Juli 2015 an der Spitze des Instituts – davor war er bereits zwei Jahre im Aufsichtsrat tätig. Ein ausführliches Porträt von ihm finden Sie hier.

Er machte nach seinem Amtsantritt eine schonungslose Bestandsaufnahme, die das Fundament für einen Neuanfang bei der Deutschen Bank bilden sollte – am 18. Oktober 2015 folgte ein zweites Element: ein umfassender Umbau des Vorstands.

Jeff Urwin
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Der Vorstand wurde von acht auf zehn Mitglieder erweitert – dafür wurde der erweiterte Vorstand, das „Group Executive Committee“, sowie etliche Ausschüsse abgeschafft.

Zu den neuen starken Männern zählt Jeff Urwin. Er leitet seit Januar 2016 die umstrukturierte Unternehmenskunden- und Investmentbank (Corporate & Investment Banking) und zog auch in den Vorstand ein. Der Manager war zuvor einer der Leiter des globalen Bankings der US-Großbank JP Morgan.

Urwinte zuvor von New York aus gearbeitet – und tut dies auch nach der Berufung in den Vorstand. Auch wenn er schon lange in den USA arbeitet – Urwin ist wie sein Chef John Cryan ein Brite.

Garth Ritchie
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Der bisherige Chef des globalen Aktiengeschäfts, Garth Ritchie, führt alle Handelsaktivitäten, die früher dem Investmentbanking zugeordnet waren. Dazu zählen sämtliche Wertpapiere wie Anleihen und Kreditausfallversicherungen sowie auch Devisen. Die Einheit trägt die Bezeichung „Global Markets“ und wird von Ritchie seit Januar 2016 auch im Vorstand repräsentiert.

Ritchie arbeitet seinem Profil beim Karriereportal LinkedIn zufolge seit 1996 für die Bank. Sein Büro ist in London, er ist Südafrikaner.

Christian Sewing
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Seit Mai 2015 leitet der zuvor für Rechtsfragen zuständige Christian Sewing den Privat- und Geschäftskundenbereich der Deutschen Bank. Ihm wurde im Zuge des Konzernumbaus ein weiteres Aufgabengebiet zugeschlagen: die Betreuung vermögender Privatkunden. Dieses Segment gehörte bislang zur Vermögensverwaltung Deutsche Asset & Wealth Management.

Quintin Price
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Das Asset Management – also die Betreuung von institutionellen Anlegern und das Geschäft mit Fonds („DWS“) – hat der Brite Quintin Price übernommen. Zum 1. Januar 2016 trat er sein Amt an und zog damit auch in den Vorstand ein. Price war zuvor für den weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock tätig. Er leitete dort unter anderem das Geschäft für Fonds mit sogenannten Alpha-Strategien.

Sylvie Matherat
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Sylvie Matherat rückte ebenfalls in den Vorstand ein. Die Französin (Bild aus dem Jahr 2008) war einst Direktoriumsmitglied der französischen Zentralbank und trägt den Titel „Chief Regulatory Officer“. Damit ist sie für die Kontaktpflege zu Aufsichtsbehörden zuständig. Das Ressort Matherats umfasst auch die Regeleinhaltung („Compliance“) und den Kampf gegen die Finanzkriminalität.

Matherat ist seit fast zwanzig Jahren die erste Frau im Vorstand der Deutschen Bank. Vor ihr hatte Ellen Schneider-Lenné von 1988 bis 1996 dem Gremium angehört.

Kimberly „Kim“ Hammonds
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Als zweite Frau wird Kimberly „Kim“ Hammonds in den Vorstand einziehen. Die ehemalige IT-Chefin des Flugzeugherstellers Boeing arbeitet seit 2013 für die Deutsche Bank. Die Amerikanerin erhält den Titel „Chief Operating Officer“ und wird vor allem für die Modernisierung der technischen Infrastruktur der Bank die Verantwortung tragen.

Sie kann allerdings erst mit einiger Verzögerung in den Vorstand einziehen. Sie muss zunächst Erfahrung im Kreditgeschäft erwerben, wie es das Kreditwesengesetz für Vorstandsmitglieder vorsieht. Spätestens im Oktober 2016 soll sie dann in das Gremium einrücken.

Im Frühjahr hatte die Bank noch betont, das Privatkundengeschäft im europäischen Ausland stehe nicht zur Disposition. Dazu zählen neben Italien auch Spanien, Portugal, Belgien und Polen. Einige große Investoren hatten diese Entscheidung offen kritisiert. Cryan schlug im Sommer schon etwas andere Töne an. Er erklärte, das Privatkundengeschäft im europäischen Ausland werde überprüft, im Oktober könne er mehr sagen. Sollte es jetzt zu einer Ausdünnung der Filialen in Italien kommen, könnte das nach Einschätzung von Branchenkennern mittelfristig auch der Einstieg in den Ausstieg sein. Die britische Großbank Barclays macht es gerade vor.

Die Deutsche Bank ist im italienischen Privatkundengeschäft seit den 70er Jahren vertreten, vor allem im finanzkräftigen Norden des Landes. Von den fünf Millionen Privatkunden im europäischen Ausland entfällt ein Großteil auf Italien. Als Perle gilt dort der mobile Vertrieb Finanza & Futuro, den die Deutsche Bank in den 90er Jahren gekauft hat. Er schlägt die Brücke zur Vermögensverwaltung, betreut aber nicht nur die gut betuchte Klientel. Das verwaltete Vermögen liegt laut Internetseite bei etwa zehn Milliarden Euro. Sollte sich die Deutsche Bank angesichts ihrer dünnen Kapitaldecke zu einem Verkauf der Sparte entschließen, hätte sie keine Probleme, Interessenten zu finden, sagte ein Banker in Mailand. "Finanzinvestoren schauen sich das schon eine ganze Weile an. Aber im Moment gibt es keinen Verkaufsprozess." Die Deutsche Bank wollte sich auch dazu nicht äußern.

  • rtr
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