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Deutsche Bank speckt auch in Italien ab

Möglicherweise plant die Deutsche Bank ihre Präsenz in Italien abzubauen, so Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Derzeit hat das südliche Nachbarland das zweitgrößte Filialnetz nach dem Heimatmarkt.

RomDie Schrumpfkur der Deutschen Bank könnte nach Angaben aus Finanzkreisen auch das Geschäft in Italien treffen. Der neue Vorstandschef John Cryan schaue sich genau an, ob die Bank weiter mit rund 370 Filialen in dem südeuropäischen Land vertreten sein müsse, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Im Moment ist es das zweitgrößte Filialnetz nach dem Heimatmarkt Deutschland. "Über die Präsenz wird neu nachgedacht. Es geht nicht darum, sich aus Italien zurückzuziehen", betonte einer der Insider. "Aber eine Reduzierung der Niederlassungen ist möglich. Man könnte sich stärker auf die Kunden fokussieren, mit denen man Geld verdient." Entscheidungen seien noch keine gefallen. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Cryan ist seit Juli im Amt. Er feilte in den vergangenen Monaten an Details der "Strategie 2020", die er von seinem Vorgänger Anshu Jain geerbt hat. Im Kern geht es darum, die Deutsche Bank kleiner und schlagkräftiger zu machen und Kosten zu senken: Das heimische Privatkundengeschäft wird deutlich heruntergefahren - durch die geplante Trennung von der Postbank und eine Ausdünnung der verbleibenden "blauen" Filialen. Einschnitte soll es auch in der Investmentbank geben, um die Kapitaldecke zu schonen. Finale Entscheidungen will Cryan am 29. Oktober präsentieren.

Im Frühjahr hatte die Bank noch betont, das Privatkundengeschäft im europäischen Ausland stehe nicht zur Disposition. Dazu zählen neben Italien auch Spanien, Portugal, Belgien und Polen. Einige große Investoren hatten diese Entscheidung offen kritisiert. Cryan schlug im Sommer schon etwas andere Töne an. Er erklärte, das Privatkundengeschäft im europäischen Ausland werde überprüft, im Oktober könne er mehr sagen. Sollte es jetzt zu einer Ausdünnung der Filialen in Italien kommen, könnte das nach Einschätzung von Branchenkennern mittelfristig auch der Einstieg in den Ausstieg sein. Die britische Großbank Barclays macht es gerade vor.

Die Deutsche Bank ist im italienischen Privatkundengeschäft seit den 70er Jahren vertreten, vor allem im finanzkräftigen Norden des Landes. Von den fünf Millionen Privatkunden im europäischen Ausland entfällt ein Großteil auf Italien. Als Perle gilt dort der mobile Vertrieb Finanza & Futuro, den die Deutsche Bank in den 90er Jahren gekauft hat. Er schlägt die Brücke zur Vermögensverwaltung, betreut aber nicht nur die gut betuchte Klientel. Das verwaltete Vermögen liegt laut Internetseite bei etwa zehn Milliarden Euro. Sollte sich die Deutsche Bank angesichts ihrer dünnen Kapitaldecke zu einem Verkauf der Sparte entschließen, hätte sie keine Probleme, Interessenten zu finden, sagte ein Banker in Mailand. "Finanzinvestoren schauen sich das schon eine ganze Weile an. Aber im Moment gibt es keinen Verkaufsprozess." Die Deutsche Bank wollte sich auch dazu nicht äußern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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