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Griechenland verkauft angeschlagene ATE-Bank

Die angeschlagene griechische ATE-Bank könnte wohl demnächst verkauft werden - und der Regierung Geld in die Staatskasse bringen. Seit Monaten wurde über die Zukunft der Bank spekuliert.
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AthenDie griechische Regierung will die angeschlagene staatliche ATEBank verkaufen. Dies erfuhr Reuters am Mittwoch von einem Insider aus dem Finanzministerium in Athen, der nicht namentlich genannt werden wollte. Die Entscheidung sei spät am Dienstagabend bei einem Treffen zwischen Finanzminister Yannis Stournaras und Zentralbankchef Giorgos Provopoulos gefallen. Seit Monaten wird über die Zukunft der Bank spekuliert.

Im Gegenzug für die Milliardenhilfen seiner europäischen Partner hat Griechenland Privatisierungen zugesagt, um seine Staatskasse zu füllen. Das Paket sieht einen Teilverkauf des Instituts vor. Zuletzt war spekuliert worden, nur die Filetstücke kämen unter den Hammer oder die Bank werde insgesamt abgewickelt. Über potenzielle Käufer war zunächst nichts bekannt.

Es ist nicht ganz ein Monat her, da stürzte sich ein Angestellter der Krisenbank von der Akropolis, dem Wahrzeichen des Landes - vor den Augen von dutzenden Touristen. Er ist später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Bankangestellte habe seinen Kollegen gesagt, er gehe nur kurz vor die Tür und komme bald wieder, verlautete aus Polizeikreisen. Die Polizei fand bei dem Mann lediglich eine Notiz mit seinem Namen.

Die vor allem im Agrarbereich tätige ATE-Bank war durch zwei Stresstests gefallen und soll umstrukturiert werden. Im Zuge von Privatisierungsmaßnahmen, die Teil des mit den internationalen Gläubigern ausgehandelten Sparprogramms sind, will der griechische Staat 25 Prozent seines insgesamt 76 Prozent umfassenden Anteils an der Bank veräußern.

Die wachsende Zahl der Selbstmorde spiegelt die zunehmende Verzweiflung der Griechen wieder, die unter Rezession, Massenarbeitslosigkeit und drastischen Ausgabenkürzungen der Regierung leiden. Allein 2011 töteten sich ein Viertel mehr Griechen als im Vorjahr. Immer mehr greifen auf Antidepressiva und psychiatrische Hilfe zurück. Die neue Regierung unter Führung der Konservativen nennt die Belastungen durch den Spar- und Reformkurs untolerierbar und setzt sich bei den Geldgebern für eine Lockerung der Auflagen ein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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