Insiderangaben
BayernLB will Ungarn-Tochter loswerden

Der Millionenverlust der Ungarn-Tochter MKB ließ auch den Gewinn der BayernLB einbrechen – doch die Wege könnten sich bald trennen. Die Landesbank verhandelt offenbar mit der größten Bank in Ungarn über einen Verkauf.
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FrankfurtDie BayernLB könnte ihre kriselnde ungarische Tochter MKB bald loswerden. Die zweitgrößte deutsche Landesbank verhandelt Insidern zufolge über einen Verkauf des Verluste schreibenden Instituts an die größte ungarische Bank OTP. Beide Geldhäuser stünden schon länger in Kontakt und würden auf einen Abschluss hinarbeiten, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Einigung hätten OTP und die Münchner Bank allerdings noch nicht erzielt. Gestritten werde unter anderem noch über den Kaufpreis, sagte einer der Insider. Beide Banken wollten sich zu den Informationen nicht äußern.

Für die BayernLB wäre ein Verkauf der MKB ein Befreiungsschlag. Das ungarische Institut leidet unter der schwachen Wirtschaftsentwicklung in dem osteuropäischen Land sowie unter den Abgaben, die Banken auf Druck der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban leisten müssen.

Im vergangenen Jahr weitete die MKB ihren Verlust um rund ein Drittel auf 409 Millionen Euro aus, in der Folge brach auch der Gewinn der BayernLB um gut 80 Prozent auf 120 Millionen Euro ein.

Die BayernLB, die mehrheitlich dem Land Bayern gehört, muss die MKB auf Druck der EU spätestens bis 2015 verkaufen. Allerdings wäre das Münchner Geldhaus Finanzkreisen zufolge froh, wenn sie die MKB früher los wird.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hatte kürzlich erklärt, er sei für Gespräche in Ungarn gewesen. Ein Verkauf vor der ungarischen Parlamentswahl am Sonntag sei jedoch unwahrscheinlich, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Danach könne der Verkaufsprozess aber Fahrt aufnehmen.

Die OTP Bank sitzt auf Barmitteln von rund sechs Milliarden Euro und könnte durch die Übernahme ihre Stellung als größtes ungarisches Geldhaus ausbauen. Die Bank würde damit auch einem Wunsch von Ministerpräsident Orban entsprechen. Der Politiker, der als Favorit in die Wahl am Sonntag geht, möchte, dass die Mehrheit des ungarischen Finanzsektors in der Hand heimischer Anbieter ist.

OTP-Chef Sandor Csanyi hatte kürzlich erklärt, er sei offen für Zukäufe, wenn es Übernahmeziele gebe und der Preis stimme. Ausländische Banken dürften an der MKB und einem Engagement in Ungarn aus Sicht von Experten dagegen kein Interesse haben. Orbans Politik schrecke potenzielle Käufer ab.

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