Institut unterstützt auch Flohmarktverkäufer - Neue Initiative schließt Finanzlücken in Deutschland: Geld für die Armen

Institut unterstützt auch Flohmarktverkäufer - Neue Initiative schließt Finanzlücken in Deutschland
Geld für die Armen

Die Anbieter von Kleinkrediten helfen Menschen in Entwicklungsländern beim Sprung aus der Armut in die Selbstständigkeit. Aber auch in Deutschland wird Mikrofinanzierung für spezielle Zielgruppen ein Thema.

BOCHUM. Die Vereinten Nationen haben 2005 zum „Jahr des Mikrokredites“ ausgerufen. Doch dafür gibt es nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in Deutschland Bedarf. „Kleingründer mit wenig Eigenkapital und geringem Kreditbedarf haben kaum Zugang zu den Banken“, bemängelt Falk Zientz, Geschäftsführer beim Deutschen Mikrofinanz Institut (DMI) in Bochum, welches derzeit ein neues Kleinkreditprogramm entwickelt.

Eine Lücke bei der Kreditvergabe für Existenzgründer gebe es insbesondere für Menschen, die aus einer wirtschaftlich schwierigen Situation kämen und das unternehmerische Rüstzeug nicht mitbrächten, sagt Margarita Tzhouvakhena, Abteilungsdirektorin Volkswirtschaft bei der staatlichen KfW Bankengruppe, die das Thema in Deutschland voranbringen will. Schließlich müssten diese Gründer erst einmal zeigen, dass sie erfolgreich unternehmerisch tätig sein können. Sie brauchen aber eine intensive Betreuung, die die Banken nicht leisten können. Ohne Betreuung zahlen viele Kunden ihre Kredite nicht zurück. Die bisherigen Zahlen sind drastisch: Der Bundesdurchschnitt für Ausfälle von Mikrokrediten liegt bei etwa 70 Prozent. Nach Schätzungen von Experten kommt bei einem Mikrokredit auf einen Darlehen-Euro ein weiterer für die Beratung des Kreditnehmers.

Das Projekt des DMI, das sich diese Betreuung zur Aufgabe gemacht hat, ist offen für unterschiedlichste Kunden. „Wir wollen in das unternehmerische Handeln an sich investieren“, sagt Thomas Jorberg, Vorstandschef der GLS-Bank, welche das DMI mitgründete. Der Existenzgründer könne ein T-Shirt-Bedrucker genauso wie ein professioneller Flohmarktverkäufer mit steuerlicher Anmeldung sein, der zum Beispiel einen neuen Anhänger braucht. Wichtig sei, dass sich der Kleinunternehmer frage: Werden meine Angebote auch gekauft?

Die Betreuung der Kreditnehmer will das DMI durch die enge Einbindung von Beratungsstellen vor Ort gewährleisten. Derzeit testet das Institut in Berlin, Hamburg, Stuttgart, Offenbach und Chemnitz ein neues Kreditprogramm. Zuständig für die Kreditvergabe sind dort lokale und regionale Beratungsstellen für Existenzgründer. Gespräche führt das DMI auch mit Kommunen und Wirtschaftsförderungsgesellschaften über eine Beteiligung an dem Projekt. Nach einem Probelauf mit 500 Finanzierungen in diesem Jahr soll das Geschäft dann ab dem nächsten Jahr in breitem Umfang starten. Geplant sei dann die Vergabe von jährlich 10 000 Krediten, sagt Zientz. Angestrebt werde eine Ausfallrate von unter zehn Prozent.

Die GLS-Bank soll die Finanzierung der Projekte organisieren. Dabei will sie aber nur einen kleinen Teil der Mikrokredite selbst ausgeben. Das Kapital soll aus einem Fonds fließen, an dem sich private und institutionelle Anleger beteiligen. Derzeit beträgt das Volumen erst 1,5 Mill. Euro. Dieser Topf soll später deutlich aufgestockt werden. „Unser Ziel ist es, auf die Fondsanteile eine Provision von fünf Prozent zu zahlen“, sagt Zientz. So sollen Kapitalanleger angelockt werden. Um das Kapitalvolumen auszuweiten, führt das DMI auch Gespräche mit Kreditversicherern.

Zientz verweist auf erfolgreiche Projekte in Großbritannien, Frankreich und Portugal. Auch Tzhouvakhena spricht von einem Nachholbedarf in Deutschland: „Viele Länder wie die USA sind weiter. Die schlechtere soziale Absicherung von Menschen führt dazu, dass mehr Angebote angenommen werden. Der Druck dort ist viel stärker. Ich bezweifele, dass dies in Deutschland gewollt ist.“ Die Erfahrungen in anderen Ländern zeigen laut der Finanzexpertin auch, dass die Mikrokredit-Projekte zunächst eine Phase der Anschubfinanzierung benötigen. Die Mittel für die Vergabe von Mikrokrediten würden in den meisten Fällen zunächst durch private Spenden und staatliche Mittel aufgebracht. Später arbeiteten die Organisationen dann verstärkt mit Banken gemeinsam. Allerdings bleibe das Subventionselement in der Mikrofinanzierung immer recht hoch, sagt Tzhouvakhena.

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