Insurtechhub in München Versicherer in der Knödelküche

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Noch geringe Investitionen im Branchenvergleich

Joachim Wenning, seit knapp einem Vierteljahr der neue Chef der Munich Re, hat zumindest auf die Krawatte verzichtet. Der 52-Jährige bezeichnet sich selbst gerne als „Perfektionist“. In einem Umfeld, in dem Versuch und Irrtum zum Alltag gehören und viele gute Ideen den Realitätscheck nicht bestehen, müsste er eigentlich fremdeln. Macht er aber nicht. Alles, was funktioniere, sei perfekt, gibt er sich entspannt. Sein Haus ist einer der Hauptinitiatoren des Hubs, für dessen Gründung es nur sechs Monate ab dem ersten vagen Treffen brauchte.

Dabei sind die Summen, mit denen aufstrebende Unternehmen aus der Versicherungsbranche von der Industrie und von Fonds unterstützt werden, noch immer gering im Vergleich zur IT, Biotechnologie oder Autoindustrie. Bei rund 1,6 Milliarden Dollar soll das Gesamtvolumen im Moment weltweit liegen, haben Experten errechnet. Allerdings taucht der Begriff Insurtech auch seit 2011 erst auf, in anderen Branchen sind junge innovative teils seit Jahrzehnten auf der Suche nach Investorengeldern. Auch ein Indiz, wie lange die Versicherungsbranche in alten Denkmustern verharrt hat.

Das soll sich jetzt alles ändern. Nicht schlagartig, aber kontinuierlich. Der Organismus werde so auf Trab gebracht, so drückt es Munich Re-Chef Wenning später bei der Podiumsdiskussion auf der Bühne aus. Man solle jetzt aber nicht vor lauter Angst vor der Zukunft die Fähigkeiten von Google überschätzen und dabei die eigenen unterschätzen. Und sein Kollegen Achim Mascher, Organisationsvorstand bei der Allianz, mahnt, man müsse die Digitalisierung auch in ihrer ganzen Konsequenz verstehen, um die Wucht zu verstehen, mit der sie die Branche verändert.

Natürlich haben sie sich an diesem Abend auch Expertise von außen geholt, um einen Eindruck zu bekommen, was in den kommenden Jahren auf sie zukommt. Knackpunkt seien schließlich die vielen Dinge, die heute noch nicht vorhersehbar sind, glaubt der Gründer Klaus Hommels. „Veränderungsdruck gibt es erst dann, wenn die Tundra in Flammen steht“ findet er drastische Worte. Soweit ist es in der Versicherungsbranche im Moment noch nicht.

Trotzdem darf auch an diesem Abend das Beispiel Nokia nicht fehlen. Vor zehn Jahren hatten wohl die meisten Menschen im Publikum ein Mobiltelefon der Finnen in der Tasche, heute kaum noch jemand. „Deswegen ist es heute nur eine Frage der Zeit, wie lange es manche Versicherung noch gibt“, spekuliert Robin von Hein, Vorstandschef des mittlerweile etablierten Start-Ups Simpleinsurance. Umgekehrt dürften in dem ganzen Veränderungsprozess in ein paar Jahren auch 99 Prozent der heutigen Start-Ups nicht mehr da sein, prophezeit David Stachon, Vorstandschef des Direktversicherers Cosmos Direkt.

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