Interbanken-Zinssatz: Bafin will Libor abschaffen

Interbanken-Zinssatz
Bafin will Libor abschaffen

Das bestehende Zinssystem um Libor und Euribor ist nach Ansicht von Bafin-Chefin Elke König nicht zukunftsfähig. Es müsse an einem Ersatz gearbeitet werden, um das Vertrauen in die Branche wieder herzustellen.
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FrankfurtDie deutsche Finanzaufsicht Bafin fordert ein grundlegend neues System von Interbanken-Zinssätzen, das die von Manipulationen erschütterten Libor- und Euribor-Sätze ersetzt. Die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Elke König, sagte am Dienstagabend in Frankfurt, sie frage sich als Aufseherin, ob das heutige System überhaupt reformierbar sei.

Weil die Marktzinssätze auf eigenen, geschätzten Angaben der Banken und nicht auf tatsächlichen Transaktionen beruhten, seien sie anfällig für Manipulationen. „Meines Erachtens müssen wir nicht nur an der Generalüberholung, sondern auch am Ersatz des Systems arbeiten“, sagte sie.

Von Libor und Euribor hängen die Bewertungen und Renditen von Tausenden Finanzprodukten ab. Als offenbar wurde, dass mehrere Banken in der Krise falsche Angaben zu den Zinssätzen gemacht hatten, hatte dies das Vertrauen in die ganze Branche weltweit erschüttert. König äußerte Verständnis für Banken - darunter die BayernLB -, die aus der Ermittlung des Euribor ausgestiegen waren.

Die EU-Bankenaufsicht EBA hatte die nationalen Aufseher gedrängt, auf die Institute einzuwirken, damit sie bei der Stange blieben. König sagte dazu: „Ob eine Bank an der Ermittlung einer solchen privatwirtschaftlichen Benchmark mitwirkt, ist allein ihre Entscheidung.“ Sie müsse dazu aber ordentliche Prozesse gewährleisten können.

Auch die Versicherungsbranche beschäftigt die Bafin. Sie erwägt, auch von systemrelevanten Versicherern ein „Testament“ für den Krisenfall einzufordern. „Auch die Bafin prüft derzeit, ob Versicherer Sanierungspläne entwickeln sollten und welche Mindestanforderungen daran zu stellen wären“, sagte König in Frankfurt. „Wie in der Bankenaufsicht würde sich diese Anforderung natürlich primär an große, in der Regel international tätige Gruppen richten.“ Bei den neuen Aufsichts- und Eigenkapitalregeln für die Versicherungsbranche („Solvency II“) indes spreche vieles „eher für den Start zum 1. Januar 2017“.

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König ruft EZB zur Kooperation auf

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  • Man muss ernsthaft an der Kompetenz dieser Frau zweifeln.

    Offensichtlich ist ihr unbekannt wie viele Verträge sich auf diesen, richtigerweise die Referenzzinssätze beziehen?

    Indirekt weist sie dennoch auf den Unsinn, auf die Erhebung dieser Referenzzinssätze, hin, wenn der Zins tatsächlich nicht von Banken ermittelt sondern von der EZB vorgegeben wird. Das ist einfach Sozialismus oder Merkel pur.

    Ein anderes Thema ist natürlich die Frage,
    wie lange es noch Finanzdienstleister gibt,
    ob Regularien und Aufsichtsbehörden für eine nicht mehr existente Branche noch erforderlich sind?

    Bei der fehlenden Wertschätzung des Konsumverzichts der Bürger und einem seitens der EZB vorgegebenen Zinssatz von nahe Null, muss man die volkswirtschaftliche Leistung von Banken und Versicherungen in Frage stellen.

    Dass Bürger ihr Erspartes real nicht mehr zurück erhalten, nehmen die Bürger scheinbar schon hin. Wenn aber jetzt die Banken und Versicherungen keine Zinseinnahmen aus deren Geldanlage mehr erhalten und von dieser "Null" auch noch deren Verwaltungskosten und Boni für die Leistungen der Vorstände entnommen werden müssen, dann ist der Sparer gut beraten, sein Geld fortan unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten besser unter sein Kopfkissen zu legen.

    In dem Fall - und dem stehen wir heute gegenüber - lösen sich Banken und Versicherungen selbst auf. Eine Branche, die aufgelöst ist, braucht weder eine Aufsicht noch braucht sie Regularien.

    Und dennoch ist die Lage nicht so schlimm wie sie erscheint. Es gibt ein praktisches Beispiel. Dieses beweist, dass dadurch die Welt auch nicht untergeht.

    Im Islam ist gibt es keinen Zins. Wenn es also jetzt quasi keinen Zins mehr gibt, dann greift die Politik der EZB, Draghis, lediglich einer weiteren Islamisierung vor.

    Ein kühner Gedankengang, anhand der Fakten aber bereits belegt.

  • Kann mir jemand den Unterschied erklären zwischen Libor-Manipulation durch Privatbanken und willkürlichen Zinsfestsetzungen, sogar für einzelne Anleihen wie italienische Bonds, durch das Direktorium der EZB? Ist glaube beides Marktmanipulation.

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