Interessensbündelung: Banken spielen im Börsenpoker mit

Interessensbündelung
Banken spielen im Börsenpoker mit

Eine Gruppe von Großbanken aus Frankreich und den Benelux-Ländern schaltet sich in die Konsolidierung der europäischen Börsenbranche ein. Die Kreditinstitute besitzen zusammen rund zehn Prozent an der Vierländer-Börse Euronext mit Sitz in Paris.

HB PARIS/HB FRANKFURT. Sie wollen im Aktionärskreis enger zusammenarbeiten, um ihre Interessen als Kunden der Börse zu wahren, verlautete gestern aus Finanzkreisen. Insbesondere fürchten sie, dass die Euronext durch eine mögliche Fusion mit der Deutschen Börse zu stark unter deutschen Einfluss kommen könnte.

Die Deutsche Börse und die französisch dominierte Euronext hatten im Dezember Sondierungsgespräche abgebrochen, weil die Euronext die Übernahme der dritten großen europäischen Börse in London (LSE) anstrebte. Hedge-Fonds im Euronext-Aktionärskreis lehnen dies jedoch als zu teuer ab und fordern eine Fusion mit den Deutschen. Daher rechnen Analysten damit, dass Euronext-Chef Jean-François Theodore die LSE-Pläne zurückstellt. Der Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, Kurt Viermetz, hatte zuletzt betont, die Gespräche mit der Euronext seien nicht für ewig beendet. In Finanzkreisen hieß es, beide Unternehmen stünden weiter in Kontakt.

Die Banken sind durchaus einem Zusammenschluss von Euronext und Deutscher Börse zugeneigt, um einen einheitlichen Aktienmarkt im Euro-Raum zu schaffen. Es komme aber auf die Konditionen an, heißt es in Bankenkreisen. Offiziell wollen sich Société Générale, BNP Paribas, Crédit Agricole, ABN Amro, Fortis und die portugiesische Großbank Banco Espirito Santo nicht äußern. Den Kreisen zufolge wollen sie aber verhindern, dass der Euronext ein Nachteil daraus erwachse, dass ihre Marktkapitalisierung nur rund halb so groß ist wie die der Deutschen Börse. Sie wehren sich gegen eine Ansiedlung des fusionierten Konzerns in Frankfurt, ein neutraler Ort wie Amsterdam wird bevorzugt. Damit sei schließlich die Finanzaufsicht verbunden. Das Aktiengeschäft könnte dann aus Paris und der Derivatehandel aus Frankfurt gesteuert werden.

Die Frankfurter Großbanken wollten sich zu der Unterstützungsaktion der Branche in Paris nicht äußern. Die Fusion der beiden Börsen wird aber von vielen positiv gesehen. „Eine Kooperation zwischen der Deutschen Börse und der Euronext – in welcher Form auch immer – wäre positiv für den Finanzplatz Deutschland“, hatte Axel-Günter Benkner, Chef von Europas größter Fondsgesellschaft DWS, zuletzt gesagt. Die Branche verspricht sich davon sinkende Handelsgebühren. Die Aktien der Deutschen Börse und der Euronext legten deutlich zu. Der Frankfurter Konzern notierte auf einem Rekordhoch von 95,35 Euro.

In London wies unterdessen die LSE am Donnerstag erneut die Übernahmepläne der australischen Bank Macquarie zurück. Das Institut habe keine Erfahrung im Betrieb einer Börse. Macquarie bietet 5,80 Pfund je LSE-Aktie, die zuletzt bei 6,70 Pfund notierte. Auffallend deutlich äußerte sich gestern Abend Kurt Viermetz, Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, zu dem Angebot aus Australien. „Macquarie ist dumm, ein Angebot von 5,80 vorzulegen. Das liegt deutlich unter dem wahren Wert“, sagte er am Rande eines Empfangs in London.

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