Interessenskonflikt
Börsengänge bringen Ärger für die Deutsche Bank

Den überambitionierten Börsengang der Deutschen Annington konnte die Deutsche Bank gerade noch retten. Doch dann hob sie auch einen Konkurrenten aufs Parkett. Hinter den Kulissen brodelt es.
  • 6

Frankfurt/LondonAuf dem Börsengang der Deutschen Annington scheint kein Segen zu liegen. Erst musste der Immobilienkonzern sein Parkettdebüt verschieben und deutlich abspecken. Jetzt gibt es auch noch Ärger im Bankenkonsortium, das die Papiere im zweiten Anlauf schließlich doch noch mit einem deutlichen Preisnachlass an den Markt brachte.

Die Beteiligungsgesellschaft Terra Firma, die die Mehrheit an der Deutschen Annington hält, ist alles andere als amüsiert darüber, dass die Deutsche Bank nicht nur half die Papiere der Immobilientochter an die Börse zu bringen, sondern beinahe zeitgleich auch die des Konkurrenten Gagfah. Terra Firma werfe den Investmentbankern der Deutschen Bank einen klaren Interessenskonflikt vor, heißt es in Finanzkreisen.

Zwei andere am Börsengang der Deutschen Annington beteiligten Banken hätten den Auftrag von Gagfah abgelehnt, die Deutsche Bank dagegen habe das Mandat akzeptiert, ohne um Erlaubnis zu fragen. Keine der beteiligten Parteien wollte den Streit kommentieren.

Letztlich waren es die Irrungen und Wirrungen rund um den Börsengang der Deutschen Annington, die die Investmentbanker der Deutschen Bank in eine peinliche Situation brachten.

Am Dienstag, den 2. Juli musste der größte deutsche Wohnungskonzern seinen geplanten Börsengang erst einmal absagen, weil sich zum Mindestpreis von 18 Euro je Aktie bei weitem nicht genügend Investoren fanden. Geführt wurde die Platzierung von JP Morgan und Morgan Stanley, die Deutsche Bank befand sich in der zweiten Reihe des Konsortiums.

Nach der Absage der Annington-Emission wurde die Deutsche Bank von Gagfah kontaktiert.

Das Frankfurter Geldhaus sollte bei einer Großplatzierung inklusive Kapitalerhöhung helfen. Am Montag den 8. Juli sagte die Deutsche Bank Gagfah endgültig zu. Es ging um den Verkauf von insgesamt 40 Millionen Aktien der Immobilienfirma. 20 Millionen Anteilsscheine davon sollten aus dem Besitz der Beteiligungsgesellschaft Fortress kommen, deren Anteil an dem Konzern dadurch unter 50 Prozent sinken würde.

Wenig später wurden die Deutsch Banker anscheinend von der Nachricht überrascht, dass der Börsengang der Deutschen Annington doch wiederbelebt wird. Im Schnellverfahren sollten JP Morgan und Morgan Stanley nun knapp 35 Millionen Aktien in einer Preisspanne von 16,50 bis 17 Euro losschlagen.

Dieses Mal wurde die Platzierung ein Erfolg. Am Dienstag, den 9. Juli konnten die Konsortialführer nach nur acht Stunden die Orderbücher schließen, weil die Nachfrage das Angebot deutlich überstieg. Allerdings fiel der Börsengang mit 575 Millionen Euro nur etwa halb so groß aus, wie ursprünglich geplant.

Noch am Dienstag Abend gingen die Deutschen Bank und Goldman Sachs mit den Details der Gagfah-Kapitalerhöhung an den Markt am Ende wurden die Papiere des Annington Wettbewerbers für 8,85 Euro platziert.

Die Deutsche Bank wollte offenbar keinen ihrer beiden Kunden enttäuschen. In Finanzkreisen heißt es, dass die Deutsche Annington den Börsenprospekt hätte ändern müssen, wenn das Frankfurter Geldhaus das Konsortium verlassen hätte, was die geplante Schnellplatzierung hätte gefährden können. Enttäuscht ist jetzt aber trotzdem einer der Kunden. Nach Überzeugung von Terra Firma hätte die Deutsche Bank Gagfah einen Korb geben müssen, um einen Interessenskonflikt zu vermeiden, heißt es in Finanzkreisen.

Kommentare zu " Interessenskonflikt: Börsengänge bringen Ärger für die Deutsche Bank"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die deutsche Bank ist immer gut für ein Bashing, mal eben so zwischendurch, auch aus Anlaß einer Lapalie, wie dem vergeigten IPO der gierigen Vollpfosten der Annington.

    Haben halt das Marktgeschehen falsch eingeschätzt, jetzt fließen satte 20% pro Aktie weniger in die eigenen fetten Taschen. "Alternative Finanzierungsoption" heißt das in der Sprache der Konzernleitung. Die andere Hälfte des dringenden Finanzierungsbedarfs wird dem Investor/Anleger jetzt anders aus der Tasche gezerrt...

    Erst angeblich ein "schwieriges Marktumfeld". Das war dann aber eine Woche später wieder wegargumentiert (das Management hatte einfach nur die Hosen gestrichen voll, dass die Annington ihren Schuldenberg den Aktionären nicht mehr zum Höchstkurs andrehen kann...)
    Den Investoren wird was vom Pferd erzählt ("Immobilien sind eine langfristige Anlage fürs Leben... blah"), selbst kriegt man aber nach einer Woche Panik und peitscht das Ding zum, immer noch viel zu fetten, Dumpingpreis in den MArkt.....
    Jetzt werden einfach die Mieteinnahmen "optimiert" oder Unterhaltskosten und Investitionen in den Wohnungsbestand runtergefahren, damit der ROI wieder stimmt.

  • Die Deutsche Bank hat Ärger? Wie kann das denn sein? Das ist doch eigentlich ganz unmöglich.

  • Was kommen da doch für miese Charaktere aus Gütersloh, schlechte VErlierer mit soziopathischen Ambitiontn. Die zitronenartig ausgequetschten Angestellten mit massenhaften Burnouts wissen ein Lied von den "Führungseliten" der Annington zu singen...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%