Interview mit Carsten Maschmeyer: „Ein Atomschlag gegen das Vertrauen“

Interview mit Carsten Maschmeyer
„Ein Atomschlag gegen das Vertrauen“

Die Verstaatlichung der Commerzbank zerstört das Vertrauen der Anleger. Der Gründer des Finanzvertriebs AWD, Carsten Maschmeyer, äußert sich im Handelsblatt-Interview über den Einstieg des Staates bei der Commerzbank, Schwierigkeiten bei Fusionen sowie die Folgen der internationalen Finanzkrise für das Anlagegeschäft.

Handelsblatt: Herr Maschmeyer, Sie stehen auf der Liste der Reichen recht weit oben. Würden Sie Ihr Geld heute zur Commerzbank tragen?

Maschmeyer: Ach, wissen Sie, mit der Commerzbank ist das wie mit der BSE-Geschichte vor ein paar Jahren. Als der Skandal um den Rinderwahnsinn öffentlich war, konnten die Verbraucher das Fleisch wieder völlig ohne Bedenken essen. Von da an war es besser kontrolliert als jemals zuvor.

Also alles in Ordnung?

Nein, keinesfalls. Es ist ein Atomschlag gegen das Vertrauen der Deutschen, wenn eine Bank verstaatlicht wird. Die Verunsicherung unter den Bankkunden ist groß. Ich habe vor kurzem schon Menschen gesehen, die mit Plastiktüten in der Hand ihr Geld von den Banken abgeholt haben.

Jetzt übertreiben Sie aber.

Ach ja? Fahren Sie mal zum Paradeplatz nach Zürich – dort, wo die ganzen Banken sind. Da kommen hinten die Lastwagen mit den Geldkoffern an, und vorne tragen es die Kunden mit den weiten Mänteln heraus.

Was hätten die Beteiligten im Fall Commerzbank denn tun sollen?

Das Problem war, dass die Fusion von Anfang an von der Politik gewollt wurde. Deswegen sind offenbar Fehler in der Bewertung gemacht worden. Die Commerzbank hätte sich die Dresdner Bank sonst niemals leisten können. Die werden auf Jahre hinaus blutrote Zahlen schreiben. Aber jetzt müssen alle zu dem Deal stehen. Nur macht ihn das nicht besser. Auch für Frau Merkel nicht. Sie wird – auch in der Rückschau – keine Wirtschaftskanzlerin mehr werden.

Sie gelten als jemand, der eher bei den Sozialdemokraten gut verdrahtet ist. Rührt daher ihre Beurteilung?

Stimmt nicht. Ich habe Interesse an den Menschen. Da ist es mir völlig egal, welcher Partei sie angehören.

Fusionserfahren sind Sie auch. Ihr Unternehmen AWD haben Sie an den Schweizer Versicherer Swiss Life verkauft. Am Freitag teilten Sie mit, dass die letzten Aktionäre abgefunden werden und AWD von der Börse verschwindet. Ganz ohne Reibungsverluste ging das nicht über die Bühne?

Fusionen sind immer eine emotionale Sache. Sowohl die verhinderten wie die vollbrachten.

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