Interview mit Commerzbank-Chef Martin Blessing „Das Kasino darf nicht wieder öffnen“

Im Handelsblatt-Interview warnt Commerzbank-Chef Martin Blessing vor zu hohen Erwartungen für das Abschneiden seines Hauses im zweiten Quartal. Außerdem verrät der Banker, was er von den wieder ansteigenden Bonuszahlungen bei der Konkurrenz hält - und warum er nie ans Hinwerfen denkt.
Commerzbank-Chef Blessing: "Mein Vertrauen in die Selbstregulierungskräfte des Marktes ist sehr begrenzt". Quelle: dpa

Commerzbank-Chef Blessing: "Mein Vertrauen in die Selbstregulierungskräfte des Marktes ist sehr begrenzt".

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hjk/rob/hgn/oli/FRANKFURT. Handelsblatt: Herr Blessing, die Aktienmärkte haben sich kräftig erholt, mittlerweile scheint die ganze Welt aufzuatmen. Ist das Schlimmste der Krise überstanden

Blessing: Ich bin hier zurückhaltend. Wegen der Entspannung an den Märkten jetzt schon das Ende der Krise auszurufen ist verfrüht. Der Einbruch bei den Auftragseingängen der Industrie scheint zwar gestoppt. Doch die Frage ist: Bleibt die Nachfrage jetzt auf diesem deutlich geringeren Niveau, oder zieht sie wieder an? Und wenn ja, wann? Je länger wir in dieser Talsohle sind, desto wahrscheinlicher werden Kapazitätsanpassungen. Wir müssen außerdem ganz klar davon ausgehen, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten steigt.

Ist Ihre Zurückhaltung bei der Kreditvergabe nicht ein wesentlicher Grund für die Probleme der Firmen? Immerhin haben Sie kürzlich auch eine Rüge der Kanzlerin kassiert ...

Das stimmt nicht. Die Bundeskanzlerin hat gesagt, die Übernahme der Dresdner Bank habe nicht zu einem Anstieg des Kreditvolumens geführt. Und in der Tat ist unser Kreditvolumen in 2009 nur noch leicht gestiegen.

Aber es liegt doch auf der Hand, dass der Bund als mittlerweile größter Eigentümer Ihres Haus auf mehr Großzügigkeit drängt.

Nein, auch wenn anderes behauptet wird: Wir sind hier völlig unabhängig. Wenn ein Kredit ein gutes Geschäft ist, dann wollen wir ihn ohnehin abschließen. Aber es gibt eben auch Kredite, die man lieber nicht machen sollte. Wir werden uns nicht dazu drängen lassen, unsinnige Kredite zu vergeben.

Angeblich haben Sie auf Druck der Politik jüngst 300 Millionen Euro zusätzlich für Porsche bereitgestellt.

Absoluter Blödsinn, der auch dadurch nicht wahr wird, dass er wiederholt wird.

Es fällt auf, dass Sie bei allen Krisen vorne mit dabei sind. Merckle, Arcandor, Schaeffler, Conti, Bavaria Yacht - wie viele Problemfälle haben Sie denn noch?

Sie werden verstehen, dass ich mich zu Einzelengagements nicht äußere. Dass Banken die Wirtschaftskrise spüren, liegt doch auf der Hand.

Und das Schlimmste steht erst noch bevor?

Die Ausfälle werden in der Fläche steigen, das steht außer Frage. Aber Banken haben Sicherheiten, die das abfedern. Noch sehen wir im Mittelstand keine Insolvenzwelle auf breiter Front. Das kann sich ändern. Noch einmal: Alles hängt davon ab, wie lange die Krise dauert und wann die Wirtschaftsentwicklung wieder anzieht.

Was Ihre angekündigte Risikovorsorge von 3,6 Milliarden Euro angeht, könnte es eng werden.

Wir gehen davon aus, dass wir damit hinkommen.

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