Interview mit Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen International: „Keine Leichen im Keller“

Interview mit Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen International
„Keine Leichen im Keller“

Herbert Stepic, Chef der österreichischen Raiffeisen International und Europas Banker des Jahres 2007, über den Luxus, nichts mit Subprime zu tun zu haben, die Folgen der Finanzkrise für Osteuropa, mögliche Übernahmekandidaten und seine Ambitionen, Chef des RZB-Konzerns zu werden.

Frage: Herr Stepic, anderswo tauchen Banker derzeit ab, wenn es Interviewwünsche gibt. Sie sind zu sprechen. Lässt Sie die Finanzkrise ruhig schlafen?

Stepic: Ich klopfe auf Holz, uns geht es gut. Wir haben unser eigenes Geschäftsmodell. Wir machen in Osteuropa direkte Geschäfte mit Privat- und Firmenkunden. Sekundärgeschäft wie Verbriefungen brauchen wir nicht. Subprime gibt es deshalb bei uns – und de facto in Österreich – nicht.

Was ist mit den angekündigten Wertberichtigungen ihres Mutterkonzerns RZB?

Das bewegt sich im sehr, sehr kleinen Rahmen. Ich bleibe dabei: Der Raiffeisen-Konzern ist kaum berührt, Raiffeisen International überhaupt nicht. Wir haben null Subprime in den Büchern.

Andere aber jede Menge. Das hat Auswirkungen auf das Vertrauen der Banken untereinander und auf die Konjunktur. Schlafen Sie trotzdem ruhig?

Sicherlich gibt es einen Einfluss. Das kräftige Wachstum in Zentral- und Osteuropa wird sich 2008 abschwächen. Wir gehen zwar noch von einem Plus zwischen fünf und 5,5 Prozent aus, im vergangenen Jahr waren es aber in manchen Regionen mehr als sieben Prozent. Aber das ist immer noch ein hohes Niveau, rund dreimal soviel wie in der Eurozone.

Klingt nach Berufsoptimismus. Ökonomen sind nicht so überzeugt, dass es keine Rezession gibt ...

Ich bin bekennender Optimist. Ich darf das, weil ich gleichzeitig auch Realist bin. Das heißt: Ich werde die Krise nicht herbeireden, aber ich sehe, dass auch Osteuropa betroffen ist, etwa über einen Rückgang der Exporte. Der große Unterschied zu den USA ist aber, dass Osteuropa von sich aus wächst und nicht auf künstliches Wachstum wie die Amerikaner mit ihrem Hypothekenmarkt angewiesen ist.

Dann gehen Institute, die in Osteuropa engagiert sind, am Ende gestärkt aus der Krise hervor?

Eins ist jedenfalls gut: Die heiße Luft entweicht. Risiken werden wieder genau eingeschätzt. Und ich glaube, dass das für einige, sehr überhitzte Märkte eine positive Entwicklung ist. Nehmen Sie Russland oder die Ukraine: Hier werden wir bei der Kreditvergabe immer noch Zuwächse von 25 bis 30 Prozent sehen. Aber eben nicht mehr 70 oder 80 Prozent wie in den Vorjahren. Wer in den vergangenen Jahren irgendwie Geld gebraucht hat, ist doch kübelweise damit zugeschüttet worden. Das war auch nicht gut für die Margen. Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält das Engagement der Banken in Osteuropa in diesen Zeiten für ein hohes Risiko. Irritiert Sie nicht?

Ich selbst habe den Herren vom IWF zweieinhalb Stunden lang sehr detailliert Auskunft zu unseren Risiko-Positionen erteilt. Die waren danach äußerst zufrieden. Nur ein Beispiel: Wir haben uns bei der Kreditvergabe im Privatkundengeschäft immer auf die obersten Segment konzentriert. Wir haben keine Leichen im Keller. Ich glaube die Herren vom IWF hatten sich zunächst zu sehr auf ihre Rechenmodelle verlassen.

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