Interview mit Ulrich Brixner, Chef der DZ Bank "Kauf der Commerzbank brächte keine Vorteile"

Ulrich Brixner ist der Spezialist für Fusionen und Kernsanierung im genossenschaftlichen Bankensektor. Im Interview erklärt er, wann die DZ Bank und WGZ-Bank fusionieren werden und nach welchem Modell.
Ulrich Brixner ist Chef der DZ Bank.

Ulrich Brixner ist Chef der DZ Bank.

Handelsblatt: Brauchen wir nicht dringend wenigstens einen weiteren Global Player in Deutschland neben der Deutschen Bank?

Ulrich Brixner: „Sicher wäre das nicht schlecht, denn eine parallele Anstrengung von zwei Wettbewerbern würde beide stark machen. Der Ruf nach einem weiteren Global Player kommt aber oft von Politikern und Industriekapitänen, wobei letztere selber wenig dafür tun, indem sie z.B. bei Anleihen und anderen Kapitalmarkttransaktionen bevorzugt ausländische Banken beauftragen. Im Übrigen sollte man die Kirche im Dorf lassen. Die Deutsche Bank ist ein namhafter Global Player, auf den man stolz sein kann. Man sollte ihn nicht immer klein reden.“

Will die DZ BANK denn zur Deutschen Bank aufschließen?

„Wir werden international sicher nie in der gleichen Liga spielen wie die Deutsche Bank. Aber die DZ BANK Gruppe ist an allen wichtigen Finanzplätzen vertreten und profitabel. Ein weltweites Filialnetz brauchen wir nicht, auch wenn wir uns diverse Länder anschauen, in denen wir mit bestimmten Produkten erfolgreich sein können. Ein Beispiel ist die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die seit Jahren erfolgreich in Tschechien und der Slowakei tätig ist und seit einiger Zeit auch in China. Darüber hinaus haben wir in allen wichtigen Ländern starke genossenschaftliche Bankenpartner, mit denen zusammen wir ein breites Netz bilden und mit denen die genossenschaftlichen Banken insgesamt eine sehr hohe Marktdurchdringung erreichen. Wir sind auf diese Weise schon sehr viel stärker international aufgestellt als viele andere Institute oder Institutsgruppen in Deutschland. Und in Deutschland gehört der genossenschaftliche Finanzverbund zur Spitzengruppe.“

Können Sie sich vorstellen, die Commerzbank zu kaufen? Schließlich haben Sie mit der norisbank bereits eine private Geschäftsbank erworben.

„Die Commerzbank ist natürlich ein ganz andere Dimension als die norisbank. Als die zum Verkauf stand, mussten wir zugreifen. Schließlich passte sie mit ihren Produkten und der ganzen Ausrichtung gut zu uns. Das war ein voller Erfolg! Wenn Sie uns fragen, ob wir jetzt bei der Commerzbank zugreifen sollten, dann müssten Sie auch sagen, welchen Vorteil dies bringen sollte. Ich sehe keinen. Das Auslandsgeschäft bauen wir selber aus, und im Inlandsgeschäft wird der genossenschaftliche FinanzVerbund von Volksbanken und Raiffeisenbanken aus eigener Kraft seine Marktanteile erweitern.

Wo sehen Sie die Probleme des deutschen Bankenmarktes?

„Deutschland ist eine vergleichsweise saturierte Volkswirtschaft, die sich b.a.w mit ein bis zwei Prozent Wachstum zufrieden geben muss. Es ist illusorisch anzunehmen, dass wir in den nächsten Jahren fünf bis sechs Prozent erreichen. Das begrenzt zu einem gewissen Grad die Wachstumsfantasie für die Banken vor allem im Retailgeschäft. Außerdem hat Deutschland mit seiner föderalen Struktur – orientiert am Nachkriegs-Deutschland - im internationalen Vergleich ein spezielles Handicap, weil notwendige politische Veränderungen nicht nur auf Bundes-, sondern auch noch einmal auf Länderebene bewegt werden müssen. Außerdem hat unser Wahlsystem in der Vergangenheit meist Koalitionen entstehen lassen, die wegweisende Reformen erschwert und nicht befördert haben.“

Was ist dann Ihre Strategie für die nähere Zukunft?

„Wir müssen vor allem den Zusammenhalt in der genossenschaftlichen Bankengruppe stärken. Wichtig ist, dass die Institute ihre Selbstständigkeit behalten, denn die kennen ihre Kunden am besten. Das ist ein entscheidender Grund für die Stärke des genossenschaftlichen FinanzVerbunds im Wettbewerb. Aber bei der Produktentwicklung und anderen Gemeinschaftsaufgaben müssen die Kräfte der ganzen Gruppe noch besser gebündelt und schlagkräftiger werden. Eine vertikale Konsolidierung wäre m.E. eine „Todsünde“. Die horizontale Konsolidierung unter den heute fast 1400 Volksbanken und Raiffeisenbanken wird jedoch weiter gehen. Ob es am Ende 1000 oder 800 sein werden, lässt sich heute nicht sagen; das liegt ganz bei den jeweiligen Eigentümern. Man kann das gelassen sehen, denn es ist für den Erfolg des FinanzVerbunds insgesamt auch nicht entscheidend. Die Ziele des FinanzVerbunds bestehen darin, die Effizienz und Produktqualität weiter zu steigern, die Vorteile der Mitgliedschaft bei den Genossenschaftsbanken wieder stärker in den Vordergrund zu stellen und dadurch unsere Marktanteile zu steigern.

Wann fusionieren DZ BANK und WGZ-Bank und nach welchem Modell sollte das geschehen?

„Die letzte Fusion wird wahrscheinlich kommen, das ist vielleicht nur eine Frage der Zeit. Wir hatten früher z.B. 17 regionale Zentralbanken. Heute gibt es ein Spitzeninstitut für den FinanzVerbund und eine regionale Zentralbank in Düsseldorf. Jede der bisherigen Fusionen ging mit einer Verbesserung der Struktur und der Effizienz einher, aber auch mit einigen Konflikten. Aus den Schwierigkeiten, die wir uns in den 90er Jahren immer wieder selbst gemacht haben, sollten wir gelernt haben. Mit Blick auf eine mögliche Fusion von DZ BANK und WGZ-Bank möchte ich mich nicht auf alternative Transaktionsmodelle kaprizieren. Nur soviel: unser Koordinationsmodell einer operativen Holding läuft erfolgreich und trägt Früchte. Warum sollten wir das ändern – eine Frage, die sich übrigens auch unsere Eigentümer, die Volksbanken und Raiffeisenbanken, stellen. Zunächst werden wir mit ihnen in den nächsten Monaten in einen intensiven Meinungsaustausch über die anstehenden Fragen eintreten und mit ihnen in aller Besonnenheit einen ausführlichen und kooperativen Dialog dazu führen. Hierfür werden wir uns ausreichend Zeit nehmen.“

Mit ziemlichem Ehrgeiz

Ulrich Brixner ist der Spezialist für Fusionen und Kernsanierung im genossenschaftlichen Bankensektor. Erst führte der 1941 geborene Ex-Boxer 2000 die SGZ und die GZB zur GZ-Bank zusammen. Im Herbst 2001 fusionierte Brixner diese mit der schwächelnden DG-Bank zur DZ Bank. Wegen der gravierenden Probleme der DG-Bank vor allem mit notleidenden Krediten verordnete er dem neuen Institut eine Schlankheitskur – mit Erfolg. Derzeit peilt der als äußerst zielstrebig geltende Banker die letzte Fusion der genossenschaftlichen Spitzeninstitute an: Aus der Frankfurter DZ Bank und der Düsseldorfer WGZ-Bank soll zu einem Institut verschmelzen. Damit wäre dann ein jahrzehntelanger Konsolidierungsprozess, der einmal mit 17 regionalen Zentralbanken begann, an sein Ende angelangt. Das neue Spitzeninstitut, das dann für fast 1 400 Volks- und Raiffeisenbanken zuständig wäre, würde gemessen an der Bilanzsumme zur Commerzbank, der viertgrößten Bank in Deutschland, aufschließen. ben

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