Interview zum Libor-Skandal
„Niemand will die Magie eines Händlers zerstören“

Wenn Trader bei Investment-Banken ihren Bonus und Status gefährdet sehen, nehmen sie es mit Ethik und Recht nicht so genau, sagt Professor Fenton-O’Creevy. Das zeige auch der Libor-Skandal, so der Forscher im Interview.
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Professor Mark Fenton-O'Creevy, seit 1996 forschen Sie zum Verhalten und den Emotionen professioneller Händler („Trader“) bei Investmentbanken. Was machen Sie genau?

In mehreren Projekten habe ich Daten über mehr als 100 Händler in Londoner Investmentbanken gesammelt. Wir haben Informationen zu ihren Charaktereigenschaften und Werdegängen gesammelt und viele an Sensoren angeschlossen und ihre Herzfrequenzen während der Arbeit gemessen.

Damit haben Sie einen tiefen Einblick in den Arbeitstag erhalten. Ist das Händlerleben so, wie es Filme vorgaukeln? Laut, aggressiv und hektisch?

Diese Stereotype basieren zu großem Teil noch auf der Zeit, als in Handelssälen dicht gedrängt Typen standen, die laut und großspurig auftraten. Aber seitdem der Handel elektronisch und am Bildschirm abläuft, hat sich die Realität geändert. Die Persönlichkeitsprofile unterscheiden sich im Durchschnitt nicht von dem der Bevölkerung. Es gibt hoch intelligente und auch introvertierte Händler.

Aber das Arbeitsumfeld ist dennoch außergewöhnlich, oder?

Auf jeden Fall. Händler sind enormem Stress und emotionaler Belastung ausgesetzt. Sie handeln mit großen Summen und ihr persönliches Einkommen hängt stark davon ab, ob sie erfolgreich sind oder eben nicht.

Ist das Geld der einzige Gradmesser für den Erfolg eines Händlers?

Nein, nicht ausschließlich. Bei der Bonus-Bemessung hat das Management einen Spielraum und kann etwa schauen, ob ein Händler einfach Glück hatte oder es ihm in einem schwierigen Markt gelungen ist, trotzdem Gewinn zu machen. Auch die Teamfähigkeit spielt eine Rolle.

Kommentare zu " Interview zum Libor-Skandal: „Niemand will die Magie eines Händlers zerstören“"

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  • Man sagt den britischen Soldaten auch nach, dass sie gut erzogen waren und immer gut gekleidet waren.

    Trotzdem haben sie (...) (artig und brav wie sie waren) über Jahrhunderte die Länder dieser Erde ausgeraubt.
    (...) Und keine wollte die Magie der Royalen Krieger zerstören. +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++


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