Interview zur Deutschen Bank
„Ackermann ist ein interessanter Testfall“

Hans-Christoph Hirt gehört zu den einflussreichsten Investorenvertretern Europas - und zu den größten Kritiker der Personalpolitik der Deutschen Bank. Nun spricht er mit dem Handelsblatt über die neue Doppelspitze.
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Handelsblatt: Die Deutsche Bank hat sich reichlich Zeit gelassen mit ihrer Nachfolgeregelung, was Sie auch kritisiert haben. Jetzt gibt es eine Lösung. Was halten Sie von der Doppelspitze Jürgen Fitschen/Anshu Jain?

Hirt: Wir begrüßen, dass es jetzt eine Nachfolgeregelung gibt und können mit der hochqualifizierten Doppelspitze gut leben. Darüber hinaus begrüßen wir, dass dieses Mal nicht ein Deutscher, ein Österreicher oder ein Schweizer die Führung eines Dax-Konzerns übernimmt, sondern der am besten qualifizierte Kandidat: Herr Jain. Das markiert durchaus einen Wendepunkt in der deutschen Unternehmenslandschaft. Schließlich sind wir glücklich darüber, dass die nicht besonders hilfreichen Diskussionen und Spekulationen über Nachfolgeregelungen an der Spitze der Deutschen Bank jetzt ein Ende haben und sich die Unternehmensführung wieder auf ihre Aufgaben konzentrieren kann.

Doppelspitzen gelten eher als kompliziert und unpraktisch im Alltag. Wie sehen Sie das in dem Fall?
Das muss man abwarten. Klar gibt es genug Beispiele, wo es nicht funktioniert hat. Aber die Doppelspitze kann funktionieren, wenn sich die Erfahrungen, Kenntnisse und Verbindungen von Herr Fitschen und Herrn Jain sich wirklich sinnvoll ergänzen, sie sich in den wichtigen Fragen einig sind oder Konsens finden können und wenn sie wirklich zusammenarbeiten wollen.

Wie sollte idealerweise die Arbeitsteilung zwischen Jain und Fitschen aussehen?
Die Kompetenzen muss letztendlich der Aufsichtsrat festlegen. Gewisse Dinge ergeben sich vermutlich durch die Wohnsitze der beiden. Jain wird wahrscheinlich weiter in London bleiben und sich in erster Linie um das Investmentbanking kümmern, Fitschen um die deutschen Aspekte des Geschäfts. Die beiden müssen natürlich auch Aufgaben übernehmen, die sie bislang noch nicht hatten und sich in neue Bereiche einarbeiten.

Die Konstellation Fitschen/Jain ist erstmal ein Übergangsmodell, wie sollte es weitergehen? Wäre Neske ein guter Nachfolger für Fitschen?

Auch das ist eine Aufgabe für den Aufsichtsrat. Er muss entscheiden, ob man wenn Herr Fitschen ausscheidet mit einer Doppelspitze weitermacht und Neske zum Fitschen-Nachfolger bestimmt oder ob man sich dann für eine Einzelspitze entscheidet. Es wäre uns nur wichtig, dass der Aufsichtsrat diese Aufgabe rechtzeitig angeht.

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  • An einem normalen Verstand von Herrn Hirt sind ernsthafte Zweifel geboten. Sagt er doch über das Bäuerchen aus der Schweiz: "Durchaus, er hat ja seinen Job als Vorstandsvorsitzender sehr gut gemacht". Ackermann hat während seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender rd. 24 Mrd Euro Aktionärsvermögen vernichtet. Während dieser Amtszeit hat der DAX eine Performance von 230% gegenüber dem Kurs der Deutschen Bank gezeigt. Herr Hirt bezeichnet dies als sehr gute Leistung.

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