Investment-Banking
Die neue harte Realität der Banken

Die Umsätze und Einnahmen des weltweiten Investment-Banking sinken in einem atemberaubenden Tempo. Die Bankmanager sprechen von einer Krise. Doch sie streuen sich damit nur selbst Sand in die Augen.
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Gerade erst im Amt, alarmierte Anshu Jain die gesamte Branche mit einem düsteren Szenario. "Wir erleben derzeit die größte Bankenkrise seit den 30er-Jahren, vielleicht sogar die größte in der Geschichte überhaupt", sagte der neue Co-Chef der Deutschen Bank jüngst bei seinem ersten öffentlichen Auftritt mit Kanzlerin Angela Merkel in Berlin.

Wie zur Bestätigung von Jains Pessimismus fallen die Zahlen über das globale Investment-Banking-Geschäft aus, die der Finanzdatenanbieter Thomson Reuters jetzt errechnet hat. Im ersten Halbjahr brach das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) weltweit um 25 Prozent auf nur noch eine Billion Dollar ein. Noch schlechter lief das globale Geschäft mit Börsengängen (IPO). Obwohl das soziale Netzwerk Facebook im Mai für 16 Milliarden Dollar Aktien an der Börse platzierte - die mit Abstand größte Emission des ersten Halbjahres -, verringerte sich das IPO-Geschäft gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 51 Prozent auf nur noch 1,8 Billionen Dollar, wie der Datenanbieter Dealogic bekanntgab.

In der Königsdisziplin des Investment-Bankings, dem M&A-Geschäft, fiel der Einbruch vor allem in den USA drastisch aus. Auf dem traditionell wichtigsten Markt sanken die Einnahmen um 44 Prozent auf knapp 300 Milliarden Dollar. Das ist das schwächste Halbjahr seit 2003. Auch die größte Übernahme ereignete sich diesmal nicht in den USA, sondern in der Schweiz. Der Rohstoffhändler Glencore kaufte Anfang Februar den Konkurrenten Xstrata für fast 49 Milliarden Dollar.

Hierzulande kassierte die Deutsche Bank im M&A-Geschäft in den ersten sechs Monaten lediglich Provisionen von gut 100 Millionen Dollar, wie Thomson Reuters für das Handelsblatt errechnete. Das waren fast 37 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

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  • Ich denke, wir sind alle diesem schiefen HB-Artikel aufgesessen. Herr Jain hat mitnichten nur das Investment-Banking gemeint, das ja nur 1 Geschäftsfeld einer Universalbank ist, wenn er von der größten Krise aller Zeiten spricht. Das Problem ist nämlich, dass die Banken von 2 Seiten unter Druck kommen: einerseits brauchen sie Geld, um die Abwertungen der Staatspapiere zu finanzieren, und sie brauchen Gewinne, um das Eigenkapital erhöhen zu können, das sie als "Risikopuffer" in rasch steigendem Maße benötigen. Da sie aber gleichzeitig als Strafe für die Bankenrettung eine Extrasteuer auf ihre Gewinne (Banken-abgabe) zahlen müssen, können sie das EK nicht so erhöhen wie eigentlich erforderlich. Die Leser hier merken nicht, dass die Politiker mittels Banken-bashing eigent-lich die Verstaatlichung von Banken anstreben, damit sie beim wählergewinnenden Verschulden endlich keinerlei Kontrolle mehr unterliegen. Hätte die Politik die unsäglichen Landesbanken abgeschafft, die einzig und allein als Elefantenfriedhof für Politikerfreunde anzusehen sind und deshalb kein Geschäftsmodell haben und niemandem nutzen, wäre das ein erster positiver Schritt für die Strukturbereinigung. Wenn aufgrund der dysfunktionalen Regulierungen und der Euroretterei (Stichwort: Bankenunion) nur noch Großinstitute überleben können, ist das für den Kunden preismäßig überhaupt nicht gut.

  • Danke, weil das Neureichengeprotze kann man sich ja nicht mehr anhören. Wahrscheinlich läuft der mit dem Preisschild auf seinen Klamotten rum, dass ja jeder sehen kann, dass er Geld hat. Typischer Arrivist halt.

  • Nochmal an alle Nichtsmerker: Es sind nicht die Investmentbanken, die in massiver Schieflage sind, es sind die Begeber von Immobilienkrediten ohne hinreichende Sicherheiten, die Halter von Staatsanleihen. Die Investmentbanken sind nur Dienstleister für Dritte, Unternehmen, Hedgefonds, Versicherungen, Vermögensverwalter und auch Kleinanleger. Das ist, als würde man H&K oder Rheinmetall als Kriegstreiber hinstellen, so oft einige Unterbelichtete das auch tun, so falsch ist das

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