Investmentbank
US-Justiz verschont Goldman Sachs

Die Investmentbank Goldman Sachs muss keine Strafverfolgung wegen krummer Hypotheken-Deals fürchten. Es gebe keine brauchbare Basis, strafrechtlich gegen Mitarbeiter vorzugehen.
  • 11

New York/WashingtonDer US-Investmentbank Goldman Sachs bleibt eine Anklage bei der Aufarbeitung ihrer Rolle in der Finanzkrise erspart. Das US-Justizministerium hat nach eigenen Angaben keine ausreichenden Beweise gefunden, die eine strafrechtliche Verfolgung der Bank oder ihrer Mitarbeiter rechtfertigten.

Vor allem der Vorwurf, dass die Bank gegen die gleichen schlecht besicherten Hypotheken-Papiere gewettet habe, die sie ihren Kunden empfohlen habe, hatte für öffentliches Aufsehen gesorgt. "Das Ministerium und die Strafverfolgungsbehörden sind letztlich zu dem Schluss gekommen, dass die Beweislast nach den geltenden Gesetzen und den vorliegenden Fakten nicht ausreicht, um ein Strafverfahren einzuleiten", hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums vom Donnerstagabend (Ortszeit).

Ein Sprecher der Bank teilte in einer E-Mail mit: "Wir sind froh, dass wir dieses Thema hinter uns haben." Normalerweise äußert sich das Justizministerium nicht öffentlich, wenn es eine Untersuchung einstellt. Goldman Sachs gilt für viele Amerikaner seit der Finanzkrise als Sinnbild der Gier an der Wall Street, die zum Beinahe-Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems geführt habe. In einem Zivilverfahren, das die US-Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs eingeleitet hatte, war es schon vor zwei Jahren zu einem Vergleich gekommen. Damals hatte die Bank 550 Millionen Dollar gezahlt, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Doch US-Senator Carl Levin hatte im April vergangenen Jahres auf eine strafrechtliche Aufarbeitung gedrängt, nachdem sich ein von ihm geführter Unterausschuss des Kongresses mehr als ein Jahr mit der Rolle von Goldman beschäftigt hatte. In einem aufsehenerregenden Auftritt vor dem Kongress war Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein 2010 stundenlang von den Politikern einvernommen worden. Im Zentrum der Affäre stand die Frage, ob es moralisch korrekt sei, seinen Kunden Produkte zu verkaufen, die die Bank intern als "Schrott" bezeichnet habe.

Konkret ging es um den "Abacus"-Fall: Der Hedgefonds Paulson & Co hatte für das Produkt zusammen mit der Bank zweitklassige Hypothekenpapiere ausgewählt und zugleich auf den Zusammenbruch des Marktes gewettet. Nach Auffassung der SEC hätte Goldman den Interessenkonflikt den Käufern von "Abacus" offenlegen müssen.

Seite 1:

US-Justiz verschont Goldman Sachs

Seite 2:

Schwierig, Institute haftbar zu machen

Kommentare zu " Investmentbank: US-Justiz verschont Goldman Sachs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Manager Magazin schrieb kürzlich über den "Arschlochfaktor". Münchhausen grün wäre vor Neid über die Konstruktion diverser "Wertpapiere" angelaufen.

    Das diese Nummer nie laufen kann, wussten sie wohl, sofern sie juristisch nicht als verantwortlich gelten, gehört diesen Institutionen samt Personal und sämtliche Juristen und Politikern die Lizenz entzogen.

    Auch die Mafia könnte nach dem Muster jedes Verbrechen ungeniert legal straffrei organisieren.

    Es geht nur so, in Zukunft eine sehr weitreichende "Gefährdungshaftung" bis hinunter zum Berater und Verkäufer der Produkte einzubauen.

  • Ja noch ein Nachtrag - soll so auch UNSERE Zukunft aussehen?

    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/new-york-polizei-setzt-flaechendeckendes-ueberwachungssystem-ein-a-849110.html

  • Beleidigen Sie die Krähen nicht!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%